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Dissens Dialektischer Determinismus
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==Subjekt und Objekt der Geschichte== Die Frage nach der Rolle des Individuums, der Klasse oder der Partei im historischen Prozess stellt eine Art Kulminationspunkt des dialektischen Determinismus dar. In dieser Frage geht es sehr konkret um das Verhältnis von geschichtlichen Notwendigkeiten, die sich aus gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten ergeben und die Erklärung von Zick-Zack-Bewegungen in der Geschichte. Es geht um den subjektiven Faktor in der Geschichte und was sich für Ansprüche an ihn für den gesellschaftlichen Fortschritt stellen, aber auch warum durch ihn gesellschaftlicher Rückschritt möglich werden. Auch um einem Fatalismus zu entgehen, welcher auf einem mechanischen Verständnis des Determinismus beruht, muss dieser Zusammenhang eindeutig bestimmt sein. ===Möglichkeit der Beeinflussung der Gesellschaft=== Sehr zentral für die gesamte Auseinandersetzung in diesem Bereich sind die Ausarbeitung Plechanows in seiner Veröffentlichung „Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“. Plechanow betont, dass die (großen historischen) Persönlichkeiten durch die gegebenen Besonderheiten ihres Charakters die Gesellschaft beeinflussen können. Dieser Einfluss kann sogar recht groß sein. Dennoch ist die Möglichkeit einer solchen Beeinflussung, als auch ihr Ausmaß durch die Organisation der Gesellschaft, durch das Wechselverhältnis ihrer Kräfte bestimmt. Plechanow spitzt dies weiter zu: Charaktereigenschaften von Persönlichkeiten sind nur dann, nur dort und insofern ein Faktor der gesellschaftlichen Entwicklung, wenn die gesellschaftlichen Beziehungen es erlauben. Dieser gesellschaftlich bedingte Einfluss der Persönlichkeit ermöglicht den Einfluss der sogenannten Zufälligkeiten der historischen Geschicke der Völker <ref>ebd. S. 28f.</ref>. Die Möglichkeit der Beeinflussung wird von Plechanow weiter konkretisiert. Die Talente einer Persönlichkeit, welche zu einer gesellschaftlichen Kraft geworden sind, stellen das Resultat der gesellschaftlichen Verhältnisse dar. Die Persönlichkeiten können den historischen Verlauf nur individuell prägen, aber nicht die allgemeine Richtung ändern. Sie existieren nur durch die allgemeine Richtung <ref>ebd., S.36</ref>. Eine Persönlichkeit hat letztlich ihren Einfluss dadurch gewonnen, dass sie die Besonderheit besitzt, die gesellschaftlichen Bedürfnisse ihrer Zeit, welche durch die allgemeinen und besonderen Ursachen entstanden sind, zu erfüllen <ref>ebd., S.41</ref>. Bleiben wir in derselben Zeit, finden wir bei dem italienischen Kommunisten Antonio Labriola zwar eine Argumentation, die in dieselbe Richtung verläuft, wie die von Plechanow, dabei dennoch eine Abschwächung darstellt. Antonio Labriola betont, dass die Geschichte aus einem Stück besteht und auf dem Bildungs-, sowie Umbildungsprozess beruht. Kein Ergebnis der Geschichte sei das Ergebnis unserer Wahl, sondern unterwerfe diesen individuellen Willen vielmehr <ref>Labriola, A. (2018a). Im Gedenken an das Manifest der Kommunisten. In W. F. Haug, Antonio Labirola – Drei Versuche zur materialistischen Geschichtsauffassung (S. 41-85). Berlin: Dietz Verlag, S. 44ff.</ref>. Die Existenz von großen geschichtlichen Persönlichkeiten ist weder belangloser Zufall, noch schaffen sie etwas, was die Gesellschaft nicht auch ohne ihr Zutun erreicht hätte <ref>Labriola, A. (2018b). Vom historischen Materialismus. Vorklärung. In W. F. Haug, Antonio Labirola – Drei Versuche zur materialistischen Geschichtsauffassung (S. 85-172). Berlin: Dietz Verlag, S. 163</ref>. Der persönliche Beitrag zur Geschichte ist erforderlich. Dabei bleibt er ein winziger Ausschnitt der verschiedenen Kräfte, die aufeinandertreffen, sich ergänzen und gegenseitig aufheben <ref>Labriola, A. (2018c). Unterhaltungen über den Sozialismus und Philosophie. In W. F. Haug, Antonio Labirola – Drei Versuche zur materialistischen Geschichtsauffassung (S. 172-271). Berlin: Dietz Verlag</ref>. Das Verhältnis zwischen Geschichte und Individuum wird von beiden gleich bestimmt. Auch wenn Plechanow hier präzisier ist. Ein Unterschied besteht allerdings im Wirkungsgrad des Einflusses. Labriola erkennt ihn zwar an, fügt gleichzeitig aber hinzu, dass dieser minimal sei. Plechanow hingegen argumentiert, dass der Einfluss auch sehr groß sein kann, die Möglichkeit dafür letztlich aber selbst von dem Wechselverhältnis verschiedener gesellschaftlicher Kräfte abhänge. Laut DDR-Autorenkollektiv können einzelne Persönlichkeiten durchaus maßgeblichen Einfluss auf den Gang geschichtlicher Entwicklung ausüben, sowohl in fördernder als auch in hemmender Weise. Inwieweit sie das können, hängt jedoch nicht primär von ihrem Willen, Eigenschaften und Fähigkeiten ab, sondern von vorgefundenen objektiven Bedingungen wie dem gesellschaftlichen Entwicklungsstand oder dem Kräfteverhältnis der Klassen. Die Autoren betonen, dass in Zeiten harter Klassenauseinandersetzungen und generell, wenn die Erfordernisse der Gesellschaft dies verlangen, stets einzelne Führungspersönlichkeiten hervortreten, welche dann einen bedeutenden Einfluss ausüben. Die konkrete Person ist dabei historisch zufällig und austauschbar. <ref>Autorenkollektiv. (1971). Einführung in den dialektischen und historischen Materialismus (3. Auflage). Berlin: Dietz Verlag, S.349f</ref>. In einem Buch über den historischen Prozess, eines Autorenkollektivs aus der Sowjetunion, findet sich eine Konkretion im Hinblick auf das Wirken gesellschaftlicher Gesetze. Für dieses Wirken wird die Einheit von objektiven und subjektiven Faktoren herausgestellt. Dabei ist die zwecksetzende Tätigkeit ein unabdingbares Glied für den Wirkungsmechanismus der gesellschaftlichen Gesetze. Dieser Wirkungsmechanismus selbst wiederum erscheint als die Art und Weise der Herausbildung und Realisierung der wesentlichen, notwendigen, allgemeinen zusammenhängen in der Gesellschaft als ein System bzw. ihrer einzelnen Subsysteme, in welcher ihre Ganzheit ihren Ausdruck findet <ref>Autorenkollektiv. (1985). Marxistisch-leninistische Theorie des historischen Prozesses. Berlin: Dietz Verlag, S.137</ref>. ===Relative Autonomie des Subjekts=== Gottfried Stiehler bemerkt, dass das Subjekt kein Abklatsch des Objektiven ist, sondern eine eigene Struktur und eigene spezifische Bewegungsimpulse besitzt. Es wird betont, dass Vorstellungen nach welcher alles Subjektive bloß passiver Reflex des Objektiven ist und demnach keine relative Eigendetermination zugrunde liegt, metaphysische Auffassungen sind <ref>Stiehler, G. (1981). Dialektik und Gesellschaft. Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaft, S. 120f.</ref>. Herbert Hörz argumentiert in dieselbe Richtung und schreibt in Bezug auf den Menschen, dass dieser selbst Bedingungsfaktor ist. Der Mensch steht nicht außerhalb der bedingten Zusammenhänge, sondern ist ihr wesentlicher Bestandteil. D.h. er erkennt und verändert die Welt <ref>Hörz, H. (1974). Der dialektische Determinismus in Natur und Gesellschaft. Berlin: VEB deutscher Verlag der Wissenschaft, S. 147</ref>. Die Handlungen des Menschen sind nicht vorbestimmt - dies ist die Annahme des mechanischen Determinismus. Vielmehr sind die Handlungen selbst eine notwendige Bedingung für die Verwirklichung bestimmter objektiver Möglichkeiten <ref>ebd., S.161</ref>. In der Gesellschaft geben nach Hörz die objektiven Gesetze den Rahmen für das menschliche Verhalten. Allerdings ist dieses nicht eindeutig durch die Gesetze determiniert <ref>ebd., S.223</ref>. Das individuelle Verhalten ist die Erscheinungsform des Gesetzessystems. Es ist durch konkrete Bedingungen determiniert <ref>Hörz, H. (1980). Zufall - Eine philosophische Untersuchung . Berlin: Akademie-Verlag, S. 207</ref>. Stiehler bemerkt, dass die Angabe von Alternativen als wesentlichen Bezugspunkt das Verhalten von sozialen Kräften hat. Bei gegebenen objektiven Bedingungen sind Alternativen vor allem Ausdruck eines Verhaltens der beteiligten Klassen, Gruppen usw. Die Frage nach Alternativen ist die Fragen nach Varianten innerhalb gegebener Bedingungen. Somit sind bei gegebenen Bedingungen andere Resultate als Folge der Veränderung von subjektiven Bedingungen möglich. Damit besitzt das Handeln von sozialen Kräften eine relative Autonomie <ref>Stiehler, G. (1981). Dialektik und Gesellschaft. Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaft, S. 126</ref>. Daran anknüpfend stellt Glesermann die Besonderheit des sozialen Determinismus heraus. Diese bestehe darin, dass sich Objekt und Subjekt der Determination decke. D.h. dass die gesellschaftlichen Gesetze die Gesetze der praktischen Tätigkeit der Menschen sind. Diese können sich nicht unabhängig von den Menschen realisieren, da sie von ihren Handlungen abhängen <ref>Gleserman, G. (1975). Probleme des sozialen Determinismus. Deutsche Zeitschrift für Philosophie(1/1975), S. 64</ref>. Dem gegenübergestellt findet sich in der Deutschen Zeitschrift für Philosophie ein Artikel, nach der die geschichtliche Entwicklung durch gesellschaftliche Verhältnisse und den allgemeinen Stand der Produktionsverhältnisse erzwungen wird und unabhängig vom Bewusstsein der Subjekte ist. Das Bewusstsein von Subjekten sei zwangsläufiges Resultat vom Stand der Produktionsverhältnisse. Die Objektivität der gesellschaftlichen Gesetze besteht laut Zak in der dialektischen Determiniertheit jeglichen subjektiven Handelns durch allgemeine, notwendige und wiederholbare Zusammenhänge der Entwicklung der Subjekte. Alle gesellschaftlichen Gesetze sind wesentliche Zusammenhänge des Handelns und der Entwicklung von Subjekten. Jede subjektive Handlung ist durch andere subjektive Handlungen determiniert und determiniert weitere. Gesellschaftliche Gesetze sind für Zak eine Voraussetzung und ebenso Resultat der menschlichen Tätigkeit. Daher führt es zum Voluntarismus, wenn man allein die subjektive Fähigkeit hervorhebt, den Weg zur Realisierung der Entwicklungsgesetze selbst zu bestimmen, und dabei vergisst, dass diese Fähigkeit in Aktion selbst in den Determinationszusammenhang eingeht und die weitere Entwicklung des Subjekts bestimmt. Es gibt laut Zak überhaupt keine Subjekte und keine subjektive Tätigkeit, die nicht zugleich Glieder und Momente gesellschaftlicher Verhältnisse wären. Subjektivität besteht immer nur als Ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse <ref>Zak, C. (1974). Über die Objektivität der gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten im Sozialismus. Deutsche Zeitschrift für Philosophie(10-11/1974), S. 1925ff.</ref>. Stiehler bemerkt, dass das subjektive Verhalten nicht eindeutig, in Form von direkter Notwendigkeit durch objektive Gegebenheiten bestimmt ist. Dabei wendet er sich gegen die Position von Zak. Stiehler unterstellt Zak, dass dieser sich menschliches Verhalten nur linear-eindeutig aus objektiven Faktoren erklären würde <ref>Stiehler, G. (1981). Dialektik und Gesellschaft. Berlin: VEB Deutscher Verlag der Wissenschaft, S. 120f.</ref>. ===Geschichtlicher Fatalismus=== Die deutsche Revolutionärin Rosa Luxemburg stellte eine Theorie auf, nach welcher der Kapitalismus von selbst (automatisch) zusammenbrechen würde und auch revolutionäre Situationen, von allein aus den ökonomischen Verhältnissen entstehen. Sie leugnete die Bedeutung der Partei und warf Lenin in Bezug auf seine Parteientheorie Subjektivismus vor <ref>Oelßner, F. (1952). Rosa Luxemburg. Eine kritische biographische Skizze (2. Auflage Ausg.). Berlin: Dietz Verlag, S.164</ref>. Luxemburg hinterließ zwar keine philosophischen Schriften, dennoch kann ihre Theorie auf ein philosophisches Fundament zurückgeführt werden. Es ergibt sich der Umstand, dass Rosa Luxemburg keine einheitliche philosophische Anschauung vertrat, sondern zwischen zwei Konzepten schwankte. Einerseits vertrat sie die Positionen eines undialektischen mechanischen Materialismus, andererseits vertrat sie einen Idealismus. Ihre mechanische Materialismusauffassung tritt besonders in ihren historischen und taktischen Schriften zutage. Luxemburg verstand nicht den dialektischen Zusammenhang des Objektiven und Subjektiven. Ihre Geschichtsauffassung verwandelte sich in einen Fatalismus, nach welcher ihr die objektive Entwicklung alles ist und die subjektiven Handlungen der Menschen nichts bedeute <ref>ebd., S.163</ref>. Ein praktisches Beispiel zeigt sich in ihrer Schrift Massenstreik, Partei und Gewerkschaft von 1906. Dort schreibt sie: {{Zitat | Wenn uns also die russische Revolution etwas lehrt, so ist es vor allem, daß der Massenstreik nicht künstlich „gemacht“, nichts ins Blaue hinein „beschlossen“, nicht „propagiert“ wird, sondern daß er eine historische Erscheinung ist, die sich in gewissem Moment aus den sozialen Verhältnissen mit geschichtlicher Notwendigkeit ergibt.| <ref>Luxemburg, R. (1986). Massenstreik, Partei und Gewerkschaft. In A. Laschitza, & G. Radaczun, Rosa Luxemburg. Gesammelte Werke (Bd. 2 , S. 93-170). Berlin: Dietz Verlag</ref> }} In diesem Zitat lässt sich bereits erkennen, dass Luxemburg die Rolle der Kommunistischen Partei verkennt. Eine weitere Zuspitzung dieser Position findet sich u.a. in ihrer 1916 veröffentlichten „Junius“-Broschüre. Dort heißt es: {{Zitat | Ob große Volkskundgebungen und Massenaktionen, sei es in dieser oder jener Form, wirklich stattfinden, darüber entscheidet die ganze Menge ökonomischer, politischer und psychischer Faktoren, die jeweilige Spannung der Klassengegensätze, der Grad der Aufklärung, die Reife der Kampfstimmung der Massen, die unberechenbar sind und die keine Partei künstlich erzeugen kann. Das ist der Unterschied zwischen den großen Krisen der Geschichte und den kleinen Paradeaktionen, die eine gutdisziplinierte Partei im Frieden sauber nach dem Taktstock der „Instanzen“ ausführen kann. Die geschichtliche Stunde heischt jedesmal die entsprechenden Formen der Volksbewegung und schafft sich selbst neue, improvisiert vorher unbekannte Kampfmittel, sichtet und bereichert das Arsenal des Volkes, unbekümmert um alle Vorschriften der Parteien.| <ref>Luxemburg, R. (2000). Die Krise der Sozialdemokratie (Die "Junius"-Broschüre). In A. Laschitza, & G. Radczun, Rosa Luxemburg. Gesammelte Werke (6. Auflage Ausg., Bd. 4, S. 51-164). Berlin: Dietz Verlag</ref>}} In ihrer Schrift Die Akkumulation des Kapitals stellt sie die These auf, dass es sich beim Imperialismus lediglich um den politischen Ausdruck der Kapitalakkumulation, in seinem Prozess des Konkurrenzkampfes um die noch nicht in Beschlag genommenes nichtkapitalistischem Weltmilieu handle <ref>Luxemburg, R. (1997). Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus. In E. Müller, & G. Radczun, Rosa Luxemburg. Gesammelte Werke (Bd. 5, S. 5-411). Berlin: Dietz Verlag</ref>. Aus ihrer fehlerhaften Imperialismustheorie entwickelt Rosa Luxemburg ihre Zusammenbruchstheorie des Kapitalismus. Diese Theorie ist sozusagen eine zwangsläufige Folge ihrer falschen Annahme. So ist nach Luxemburg die Existenz des Kapitalismus von dem Vorhandensein eines nichtkapitalistischen Milieus abhängig. Demnach ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Milieu auf Grundlage der Kapitalakkumulation von selbst ganz verschwindet und der Kapitalismus automatisch zusammenbricht <ref>Oelßner, F. (1952). Rosa Luxemburg. Eine kritische biographische Skizze (2. Auflage Ausg.). Berlin: Dietz Verlag, S.181</ref>. Diese Entwicklung betrifft alle Länder gleichermaßen. Sie fördert nach Luxemburg die weitere Anarchie der kapitalistischen Produktion, welche sie als die Grundlage für den Sozialismus charakterisiert. Aus dieser Annahme folgt, dass der Sozialismus automatisch im Weltmaßstab entstehen wird <ref>ebd., S.186</ref>. Luxemburg vertrat eine Spontaneitätstheorie, welche die Folge einer Unterschätzung der revolutionären Theorie und die Rolle der KP darstellt. Nach Luxemburg gibt es keine allgemeinen Gesetze der Revolution, die von der KP erkannt und bewusst angewandt werden können. Vielmehr würde sie die Arbeiterklasse durch ihren Kampf selbst über ihre Aufgabe klar <ref>ebd., S.204</ref>. ===Fetischisierung durch den Kapitalismus=== Der junge Lukács, welcher noch stark unter verschiedenen ideologischen Einflüssen steht (u.a. Kant) und sich vor allem auf die Frühschriften (Pariser Manuskripte) von Marx bezieht, fokussiert sich bei der Fragestellung nach dem Verhältnis von Subjekt und der Gesellschaft stark auf die Verdinglichung. So erzeugen die Klassen der Gesellschaft den Kapitalismus. Die Menschen stehen der von ihnen erzeugten Wirklichkeit nach Lukács als eine wesensfremde Natur gegenüber. Die Menschen sind den Gesetzen dieser Gesellschaft widerstandslos ausgeliefert. Die Tätigkeit der einzelnen Menschen könne nur darin bestehen, die zwangsläufigen Abläufe einzelner Gesetze für ihre individuellen Interessen zu verwenden. Aber auch in dieser Situation bleibe der Mensch Objekt und nicht Subjekt der Gesellschaft <ref>Lukács, G. (1923). Geschichte und Klassenbewusstsein. Studie über marxistische Dialektik. Von https://coghnorti.files.wordpress.com/2010/08/lukacs-geschichte-klassenbewusstseinocr.pdf abgerufen, S. 136</ref>. Für Lukács stellt die Dinghaftigkeit und Determiniertheit der Menschen einen Gegensatz zur Freiheit dar. So müsse jeder Versuch, der von der Determiniertheit aus zur Freiheit gelangen will, scheitern <ref>ebd., S.179</ref>. Gleichzeitig wird von Lukács das Klassenbewusstsein als die Selbsterkenntnis des Proletariats charakterisiert. Die Selbsterkenntnis ist die objektive Erkenntnis des Wesens der Gesellschaft. Die vom Proletariat verfolgten Klassenziele stellen die bewusste Verwirklichung der objektiven Entwicklungsziele der Gesellschaft dar. Ohne das Klassenbewusstsein bleibt diese Entwicklung eine abstrakte Möglichkeit <ref>ebd., S.147</ref>. Das Klassenbewusstsein ist nichts anderes als die Aussprache der geschichtlichen Notwendigkeit. Das Proletariat kann in der Praxis nur das umsetzten, was die Geschichte selbst ermöglicht. Sie können sich also nicht über den Gang der Geschichte hinwegsetzten und der Geschichte ihre Wünsche aufdrücken. Das Klassenbewusstsein ist demnach der bewusstgewordene Widerspruch der gesellschaftlichen Entwicklung <ref>ebd., S.167</ref>. Freiheit bedeutet für Lukács die Überwindung der vergegenständlichten Beziehung der Menschen zueinander. Dabei spielt das Klassenbewusstsein die entscheidende Rolle, welche die Handlung des Proletariats immer mehr bestimmen muss. Die Freiheit bedeutet eine Überwindung der automatischen Wirkung der gesellschaftlichen Kräfte. Klassenbewusstsein ist dabei nichts individuelles, sondern der bewusstgewordene Sinn der geschichtlichen Lage <ref>ebd., S.87ff.</ref>. Lukács sieht die Freiheit in der Lösung der Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt, oder Notwendigkeit und Zufall. Das Subjekt - also der Mensch - muss als Erzeuger, aber auch Produkt der Gesellschaft hervortreten. Wenn also der Mensch seine Welt selbst schafft und als dessen bewusste Gestalt hervortritt <ref>ebd., S.141f.</ref>. Freiheit sei nicht nur das Ziel, sondern auch das Mittel des Kampfes. Diese Freiheit bestehe im Klassenbewusstsein des Proletariats, da es durch dieses seine Geschichte bewusst in die Hand nimmt. Die Notwendigkeit des objektiven ökonomischen Prozesses wird dadurch nicht aufgehoben, bekommt aber eine andere Funktion. Abschließend bemerkt Lukács, dass der gesellschaftliche Verlauf zwangsläufig geschehe. Dabei aber die entscheidende Waffe die Erkenntnis dessen was passiert (Klassenbewusstsein) <ref>ebd., S.213</ref>. Die Frage ist hier, worin Lukács den Widerspruch zwischen Determination und Freiheit sieht. Auch die bewusste Anwendung von Gesetzen – was Marx und Engels als Freiheit verstanden – stellt einen Erkenntnisprozess, aber keine Loslösung von Gesetzmäßigkeiten dar. Die Charakterisierung, nach der die Gesetze der Gesellschaft zwangsläufig ablaufen, läuft auf einen fatalistischen Standpunkt hinaus. Dieser steht auch im Widerspruch zu Lukács Darstellung des Klassenbewusstseins. ===Offene Fragen und Arbeitsfragen=== Es stellt sich die Frage, wie eng oder weit die Einflussnahme des Subjekts auf die Gesellschaft gefasst werden kann. Dabei ist weniger das Einzelsubjekt von Interesse, sondern der Fokus sollte auf der revolutionären Kraft, sprich der Kommunistischen Partei liegen. Dabei sollte sich die Diskussion weniger um das Ablösen von einer Gesellschaftsformation durch eine andere drehen als mehr um die Frage von historischen Alternativen (z.B. die Frage von Krieg oder Frieden). Für diesen Komplex ist das Verhältnis von subjektiven und objektiven Faktoren von besonderem Interesse. Bspw. auf die Revolution bezogen ist die Frage danach, wie die objektive Situation des subjektiven Faktors auf die objektiven Faktoren einwirken und umgekehrt. Luxemburg bietet ein sehr gutes Beispiel, um aufzuzeigen, welche politischen Konsequenzen sich ergeben, wenn mechanisch deterministische Positionen als Erklärung der Welt herangezogen werden. An dieser Stelle muss bemerkt werden, dass die hier getroffene Darstellung sehr oberflächlich bleibt und es gilt ein tieferes Verständnis für Luxemburgs Annahmen zu entwickeln. Diese können eine Grundlage dafür darstellen, sich mit der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung einerseits, aber auch der Geschichte der KPD auseinanderzusetzen. Die Ausführung von Lukács weißt eindeutig fatalistische Tendenzen auf, da mehr oder weniger das Subjekt negiert wird. Diese Position soll lediglich als ein Beispiel dienen und es gilt zu untersuchen, inwieweit ähnliche Argumentationen heute von Kommunisten vertreten werden. Lukács Ausführung ist dahingehend spannend, da sich anhand seiner Darstellung des Klassenbewusstseins, spontaneistische Positionen zu Parteifrage diskutieren lassen. Es wird die Bedeutung des Bewusstseins für die Revolution anerkannt, allerdings dabei ausgespart, wie die Klasse zu diesem gelangt.
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