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=== Thesen und Positionen === Die Eurokommunisten knüpften mit vielen ihrer theoretischen Positionen an die Tradition des [[Klassisch-revisionistisch_Staatsauffassung_(Bernstein,_Kautsky)|klassischen Revisionismus]] an (Bernstein, Kautsky), begründeten ihre Haltung aber damit, dass die Kräfteverhältnisse und somit auch der Charakter des bürgerlichen Staats sich nach 1945 grundlegend geändert hätten. Daher seien der „sowjetische Weg zum Sozialismus“ und die Diktatur des Proletariats als historischer Sonderfall überholt und Europa mittlerweile in eine Epoche der demokratischen Übergänge eingetreten. Ausgerechnet nach der Erfahrung des Faschismus vertraten sie die Einschätzung, die bürgerliche Demokratie sei zu sehr gefestigt, als dass die Herrschenden gewaltsam gegen einen demokratischen Übergang zum Sozialismus vorgehen könnten. Die eurokommunistische Strategie des friedlichen, parlamentarischen Übergangs zum Sozialismus ging mehr oder weniger offen davon aus, dass der Staat als ein „Feld im Klassenkampf" aufzufassen sei, auf dem sich zwar die Kräfteverhältnisse zwischen den Klassen widerspiegeln, das an sich aber klassenneutral sei. Durch Veränderungen der politischen Mehrheiten sollten der Staat und seine Institutionen durch die Kommunisten kontrolliert und im Sinne der Arbeiterklasse in Bewegung gesetzt werden. Die Regierung sollte ein Reformprogramm umsetzen, das die Gesellschaft Schritt für Schritt in Richtung Sozialismus entwickeln würde. Auch im Sozialismus sollte der bürgerlich-liberale Parlamentarismus als politische Herrschaftsform bruchlos beibehalten werden: „Die repräsentative Demokratie, kombiniert mit Formen der direkten Demokratie, kann ohne weiteres auch die Form des sozialistischen Systems sein.“<ref>zitiert nach: Bieber, Horst: Der Häretiker aus Asturien. Spaniens Kommunistenchef Santiago Carrillo hat den Bruch mit Moskau vollzogen, 1977.</ref> In Teilen der eurokommunistischen Strömung wurde sogar die Notwendigkeit der Mitgliedschaft ihrer jeweiligen Länder in imperialistischen Staatenbündnissen wie der EG und der NATO offen verteidigt. Ausführlich dargelegt ist das Staatsverständnis der Eurokommunisten in Santiago Carrillos ''Eurokommunismus und Staat''<ref>Carrillo, Santiago: Eurokommunismus und Staat, Hamburg 1977.</ref>. Auf internationaler Ebene lehnten die Eurokommunisten die Vorstellung einer gemeinsamen Strategie aller kommunistischen Parteien ab und propagierten ihre These der vielen „nationalen Wege zum Sozialismus“ und der gegenseitigen „Nichteinmischung“ der KPen in ihre jeweiligen „inneren“ Angelegenheiten. Jede KP sollte für ihr Land den jeweils geeignetsten Weg finden, ob nun über Reformen oder über eine Revolution, das sei keine allgemeingültige theoretische Grundsatzfrage, sondern eine Frage der „nationalen Besonderheiten“.
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