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===Den Staat sofort abschaffen (Anarchismus)=== Der "Anarchismus" (abgeleitet aus dem griech. Begriff fĂŒr âHerrschaftslosigkeitâ) umfasst ein sehr diffuses und heterogenes Spektrum, das sich kaum als zusammenhĂ€ngende politische Bewegung oder Ideologie beschreiben lĂ€sst. Dennoch lassen sich grobe Gemeinsamkeiten herausarbeiten: Anarchisten vertreten eine politische Haltung, die jede Herrschaft von Menschen ĂŒber Menschen und jede Art von Hierarchie ablehnt. Angestrebt wird eine GesellÂschaft, in der sich Individuen auf freiwilliger Basis selbstÂbestimmt und föderal in Kommunen, Genossenschaften und Syndikaten als Basis der Produktion zusammenÂschlieĂen. Anarchisten treten in der Regel fĂŒr Gemeineigentum an den Produktionsmitteln ein, lehnen zentrale Planung aber hĂ€ufig als âhierarchischâ ab. An den hohen Idealen der Herrschaftsfreiheit muss sich aus Sicht der Anarchisten auch schon die Bewegung selbst messen lassen, die fĂŒr die âbefreite Gesellschaftâ kĂ€mpft. Im extremsten Fall geht diese Position so weit, dass sich die revolutionĂ€re (Arbeiter-)Bewegung im Kampf gegen den bĂŒrgerlichen Staat selbst weder hierarchisch oder militĂ€risch organisieren darf. In Abgrenzung zu solchen individual-anarchistischen AnsĂ€tzen hat der in der Arbeiterbewegung verankerte Anarchosyndikalismus stets an der Notwendigkeit der Organisation festgehalten und zum Beispiel im Spanischen BĂŒrgerkrieg auch militĂ€rische Organisationsformen angenommen. Gemeinsam haben fast alle anarchistischen Strömungen die Auffassung, dass die siegreiche Revolution den Staat sofort Abschaffen und den unmittelbaren Ăbergang zum Zustand der "Herrschaftsfreiheit" einleiten soll. Den Aufbau einer eigenen revolutionĂ€ren Staatsmacht zur Niederhaltung der UnterdrĂŒcker, zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel und zur DurchfĂŒhrung der zentralen Planung der Produktion lehnen die Anarchisten ab. Gemeinsam mit den Kommunisten haben sie die Auffassung von der Notwendigkeit der Zerschlagung des bĂŒrgerlichen Staats - der zentrale Dissens zwischen Anarchisten und Kommunisten besteht in der Frage der Notwendigkeit der "Diktatur des Proletariats". '''Marx und Engels vs. Bakunin:''' Die erste ausfĂŒhrliche theoretische Auseinandersetzung mit dem Anarchismus fand in der Ersten Internationale statt, in der Marx und Engels den russischen Anarchisten Michail Bakunin (1814-1876) und dessen AnhĂ€ngerschaft bekĂ€mpften. Friedrich Engels fasste seine grundsĂ€tzliche Kritik an den strategischen Positionen der Anarchisten 1872 in einem Brief wie folgt zusammen: "Bakunin [behauptet], der Staat habe das Kapital geschaffen, der Kapitalist habe sein Kapital bloĂ von der Gnade des Staats. Da also der Staat das HauptĂŒbel sei, so mĂŒsse man vor allem den Staat abschaffen, dann gehe das Kapital von selbst zum Teufel; wĂ€hrend wir umgekehrt sagen: schafft das Kapital, die Aneignung der gesamten Produktionsmittel in den HĂ€nden weniger, ab, so fĂ€llt der Staat von selbst. Der Unterschied ist wesentlich: die Abschaffung des Staats ist ohne vorherige soziale UmwĂ€lzung ein Unsinn â die Abschaffung des Kapitals ist eben die soziale UmwĂ€lzung und schlieĂt eine VerĂ€ndrung der gesamten Produktionsweise in sich. Nun aber, da fĂŒr Bak[unin] der Staat das GrundĂŒbel ist, darf man nichts tun, das den Staat, d.h. irgendwelchen Staat, Republik, Monarchie oder wie immer, am Leben erhalten kann. Daher also vollstĂ€ndige Abstention von aller Politik. Einen politischen Akt begehn, besonders aber an einer Wahl teilnehmen, wĂ€re Verrat am Prinzip. Man soll Propaganda machen, auf den Staat schimpfen, sich organisieren, und wenn man alle Arbeiter auf seiner Seite hat, also die Mehrzahl, so setzt man alle Behörden ab, schafft den Staat ab und setzt an seine Stelle die Organisation der Internationalen. Dieser groĂe Akt, womit das TausendjĂ€hrige Reich anfĂ€ngt, heiĂt die soziale Liquidation. [...] Da nun die Internationale nach Bak[unin] nicht fĂŒr den politischen Kampf geschaffen sein soll, sondern damit sie bei der sozialen Liquidation sofort an die Stelle der alten Staatsorganisation treten kann, so muĂ sie dem Bakuninschen Ideal der zukĂŒnftigen Gesellschaft so nahekommen wie möglich. In dieser Gesellschaft existiert vor allem keine AutoritĂ€t, denn AutoritĂ€t <nowiki>=</nowiki> Staat <nowiki>=</nowiki> absolut vom Ăbel. (Wie die Leute eine Fabrik treiben, eine Eisenbahn befahren, ein Schiff leiten wollen, ohne einen in letzter Instanz entscheidenden Willen, ohne einheitliche Leitung, das sagen sie uns freilich nicht.) Auch die AutoritĂ€t der MajoritĂ€t ĂŒber die MinoritĂ€t hört auf. Jeder einzelne, jede Gemeinde ist autonom, wie aber eine Gesellschaft von nur zwei Menschen möglich ist, ohne daĂ jeder von seiner Autonomie etwas aufgibt, das Verschweigt Bakunin abermals. [...] Selbst wenn diese AutoritĂ€t freiwillig ĂŒbertragen ist, muĂ sie aufhören, eben weil sie AutoritĂ€t ist!" <ref>Friedrich Engels; 1872; Brief an Theodor Cuno, 24. Januar 1872, in: MEW 33;Dietz-Verlag; S. 388-389.</ref> '''Zapatistas:''' Einen gewissen Aufschwung erlebte die anarchistische Strömung in Folge des Aufstands der mexikanischen Zapatisten (EZLN) 1994 und wĂ€hrend der Hochzeit der globalisierungskritischen Bewegungen, in denen neben einer sozialdemokratisch-keynesianistisch orientierten Mehrheit auch zahlreiche anarchistische Gruppen und Tendenzen aktiv waren. Bis heute gibt es in der deutschen linken Szene ein weit verzweigtes Netz an Zapatista-SolidaritĂ€tsgruppen. Ăber die Zapatisten wurde die anarchistische Parole "Die Welt verĂ€ndern, ohne die Macht zu ĂŒbernehmen" popularisiert.<ref>Siehe dazu: John Holloway, Die Welt verĂ€ndern ohne die Macht zu ĂŒbernehmen, 2018.</ref> Dies markierte den endgĂŒltigen Abschied eines Teils der nationalen Befreiungsbewegungen und der "Dritte-Welt"-SolidaritĂ€tsbewegungen vom Leninismus. In einem Interview von 2004 sagte Subcommandante Marcos, der wichtigste Sprecher der Zapatistas: "The worst that could happen to it [the EZLN], [...] would be to come to power and install itself there as a revolutionary army. For us it would be a failure. What would be a success for the politico-military organizations of the sixties and seventies which emerged with the national liberation movements would be a fiasco for us. We have seen that such victories proved in the end to be failures, or defeats, hidden behind the mask of success. That what always remained unresolved was the role of people, of civil society, in what became ultimately a dispute between two hegemonies. There is an oppressor power which decides on behalf of society from above, and a group of visionaries which decides to lead the country on the correct path and ousts the other group from power, seizes power and then also decides on behalf of society. For us that is a struggle between hegemonies, in which the winners are good and the losers are bad, but for the rest of society things don't basically change." <ref>Subcommandante Marcos, The hourglass of the Zapatistas, in: Tom Mertes (Hrsg.), Is another world really possible?, New York 2004, S. 4-5. </ref> Die Zapatistas grenzen sich also explizit von den nationalen Befreiungsbewegungen der 1960er und 1970er Jahre und damit auch von der Kubanischen Revolution ab. Sie verwerfen die Position, Ziel der revolutionĂ€ren Bewegung mĂŒsse es sein, die Staatsmacht zu erobern und die Bourgeoisie und die GroĂgrundbesitzer zu enteignen. Dadurch wĂŒrde nur eine AutoritĂ€t durch eine andere ersetzt, ohne dass sich die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse Ă€nderten. Stattdessen vertreten die Zapatistas de facto eine politische Strategie, die explizit nicht die Interessen der Mehrheit der Gesellschaft, also der Arbeiterklasse und der WerktĂ€tigen, sondern nur die Partikularinteressen einer Minderheit, nĂ€mlich einiger weniger indigener Gemeinden in Chiapas, vertritt. Das Ziel ist nicht, die Abschaffung des Kapitalismus oder die Zerschlagung des bĂŒrgerlichen Staats, sondern lediglich die Verwirklichung der autonomen Selbstverwaltung in den zapatistischen Gemeinden. '''"Demokratischer Konföderalismus" (PKK) und deutsche KurdistansolidaritĂ€t:''' Auf internationaler Ebene (aber mit starkem Einfluss auf die deutsche Linke) vertritt vor allem die kurdische Bewegung seit dem Abschied der PKK vom Marxismus-Leninismus mit Ăcalans âdemokratischem Konföderalismusâ einen anarchistischen Staatsbegriff: "Der Demokratische Konföderalismus ist das Gegenparadigma des unterdrĂŒckten Volkes. Der Demokratische Konföderalismus ist ein nichtstaatliches gesellschaftliches Paradigma. Er wird nicht staatlich kontrolliert. Zugleich ist er der kulturell-organisatorische Entwurf einer demokratischen Nation. Demokratischer Konföderalismus basiert auf der Mitwirkung der Basis. Seine Entscheidungsfindungsprozesse liegen bei den Gemeinschaften. Höhere Ebenen dienen nur der Koordination und Umsetzung des Willens der Gemeinschaften, die ihre Delegierten zu den Vollversammlungen schicken. FĂŒr einen begrenzten Zeitraum sind sie sowohl Sprachrohr als auch ausfĂŒhrendes Organ. Jedoch liegt die grundlegende Entscheidungsgewalt bei den lokalen Basisorganisationen." <ref>Abdullah Ăcalan, Demokratischer Konföderalismus, International Initiative Edition, Neuss 2012, Titelblatt. URL: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjGiMTLnfblAhVSIVAKHfU2BywQFjABegQIAxAI&url=http%3A%2F%2Fwww.freeocalan.org%2Fwp-content%2Fuploads%2F2012%2F09%2FAbdullah-%25C3%2596calan-Demokratischer-Konf%25C3%25B6deralismus.pdf&usg=AOvVaw2rCSMa64g0B7lGNpS84gd7 </ref> Ăcalan spart in seiner Darstellung sowohl die Frage nach der Zerschlagung des bestehenden bĂŒrgerlichen Staatsapparats als auch nach dem Privateigentum an den Produktionsmitteln aus. Eindeutig ist aber, dass der "demokratische Konföderalismus" zentralistische Planungsstrukturen grundsĂ€tzlich ablehnt und die Autonomie der lokalen Basisorganisationen als höchste PrioritĂ€t ansieht. Es handelt sich hier also um eine strategische Vorstellung, die die Herstellung eines Zustands der "Herrschaftsfreiheit" ohne Bruch mit den kapitalistischen ProduktionsverhĂ€ltnissen, sondern nur durch die Ănderung der politischen Organisationsform anstrebt. '''Zusammenfassung:''' Der zentrale Dissens zwischen der marxistischen und der anarchistischen Staatsauffassung lĂ€sst sich also knapp zusammenfassen: Die Anarchisten gehen davon aus, dass nicht das KapitalverhĂ€ltnis, sondern der Staat die Ursache der gesellschaftlichen WidersprĂŒche ist. Der Zweck der Revolution besteht fĂŒr die Anarchisten darin, den Staat zu zerschlagen und unmittelbar zu einem Zustand der Herrschaftsfreiheit ĂŒberzugehen. Je nach Strömung innerhalb des Anarchismus unterscheiden sich dabei die Haltungen zur Eigentumsfrage (es gibt z.B. auch âlibertĂ€reâ Vertreter des Kapitalismus) und die Haltung zur Organisationsfrage. Manche Anarchisten fordern totale Organisationslosigkeit und âHierarchiefreiheitâ, andere erkennen im unmittelbaren Kampf gegen den Staat die Notwendigkeit von Mehrheitsprinzip und hierarchischen Organisations- und Beschlussstrukturen an. Der Marxismus ist dagegen immer davon ausgegangen, dass in der Revolution zwar der bĂŒrgerliche Staat zerschlagen, an dessen Stelle aber ein revolutionĂ€rer Staat, die âDiktatur des Proletariatsâ, errichtet werden mĂŒsse. Diese Aufgabe macht eine gut organisierte, hierarchische und zentralisierte Kaderpartei notwendig, die diszipliniert und einheitlich handelt. Der Staat der Arbeiterklasse hat die Aufgabe, in seinem ersten politischen Akt der Bourgeoisie die Produktionsmittel zu entreiĂen und mit dem Aufbau des Sozialismus zu beginnen. Da mit dem erbitterten Widerstand der gestĂŒrzten herrschenden Klasse zu rechnen ist, braucht auch der neue Staat Machtmittel, um die UnterdrĂŒcker niederzuhalten. Er verteidigt die Revolution gegen ihre Feinde, wĂ€hrend er fĂŒr die UnterdrĂŒckten Massen zugleich die breiteste Demokratie bedeutet. Die Planwirtschaft kann nicht in Form des spontan organisierten Produktentauschs zwischen autonomen Kommunen und selbstverwalteten Betrieben umgesetzt werden, wie es die Anarchisten vorschlagen, sondern muss aus Sicht der Kommunisten gesamtgesellschaftlich geplant werden. Nicht schon die Revolution, sondern erst die Aufhebung der Klassen und der Aufbau des Sozialismus schafft aus Sicht der Kommunisten die Voraussetzung fĂŒr das allmĂ€hliche âAbsterbenâ des Klassenstaates. WĂ€hrend die Anarchisten also die âAufhebungâ des bĂŒrgerlichen Staats und das âAbsterbenâ aller Staatlichkeit ĂŒberhaupt in einem einzigen revolutionĂ€ren Akt fordern, treten die Marxisten fĂŒr die Staatsmacht der Arbeiterklasse als Voraussetzung fĂŒr die Aufhebung der Klassen und das Absterben des Staates ein. Siehe dazu auch den Dissens ''Den bĂŒrgerlichen Staat zerschlagen und die Diktatur des Proletariats aufbauen'' (s.o.) Zu den Fragen der zentralen Planwirtschaft arbeitet die [[AG Sozialismus]]
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