Jump to content
Main menu
Main menu
move to sidebar
hide
Navigation
Main page
Recent changes
Random page
Help about MediaWiki
Special pages
BolscheWiki
Search
Search
Appearance
Create account
Log in
Personal tools
Create account
Log in
Pages for logged out editors
learn more
Contributions
Talk
Editing
Der imperialistische Kapitalismus
Page
Discussion
English
Read
Edit
View history
Tools
Tools
move to sidebar
hide
Actions
Read
Edit
View history
General
What links here
Related changes
Page information
Appearance
move to sidebar
hide
Warning:
You are not logged in. Your IP address will be publicly visible if you make any edits. If you
log in
or
create an account
, your edits will be attributed to your username, along with other benefits.
Anti-spam check. Do
not
fill this in!
ZurĂŒck zu [[AG Politische Ăkonomie des Imperialismus]] ==Monopole== '''Kurzdefinition''' Nachdem der Kapitalismus der freien Konkurrenz zwischen 1860 und 1870 seinen höchsten Entwicklungspunkt erreicht hatte, bildeten sich erste AnsĂ€tze von Monopolen heraus. Nach der Krise von 1873 entwickelten sich daraus erste Kartelle, die aber noch keinen dauerhaften Charakter hatten. Erst mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts und der Krise von 1900 bis 1903 wurden Monopole und MonopolverbĂ€nde zur Grundlage des gesamten Wirtschaftslebens. Die Konzentration und Zentralisation der Produktion und des Kapitals fĂŒhrt im Kapitalismus der freien Konkurrenz auf einer bestimmten Entwicklungsstufe dicht an das Monopol heran. Die aus der Konkurrenz hervorgegangenen Riesenbetriebe können viel effizienter produzieren und verfĂŒgen ĂŒber bessere Produktionsmethoden, weshalb sie die Konkurrenz leichter ausschalten können. Sie vereinigen den GroĂteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen groĂe Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. Das Entstehen der Monopole mit Hilfe des Bankkapitals ist eine der wichtigsten GesetzmĂ€Ăigkeiten des Imperialismus â des Monopolkapitalismus. Zentral fĂŒr die ökonomische Ăberlegenheit der Monopole ist, dass sie sich einen permanenten Extraprofit - in Form des Monopolprofits - aneignen können. Dies gelingt ihnen, indem sie die freie Konkurrenz aushebeln und somit den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit behindern. Der Monopolprofit entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer, konkurrierender Warenproduzenten auf den Profit der Monopole ĂŒbertragen wird und den Arbeitern ein zusĂ€tzlicher Teil ihres Arbeitslohns entzogen wird. Die Monopolprofite befĂ€higen die Kapitalisten dazu Teile der Arbeiterklasse zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie zu ziehen. Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die Kombination, bei welcher es zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen kommt, wodurch Konjunkturunterschiede ausgeglichen und höhere Profitraten erreicht werden. Durch die Kombination wird der Handel ausgeschaltet und es werden Extraprofite gesichert. Dadurch wird auch die Stellung im Konkurrenzkampf wĂ€hrend wirtschaftlicher Krisen gestĂ€rkt. Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der GroĂindustrie wĂ€chst diese schneller als die MĂ€rkte. Dies fĂŒhrt zu einer Ăberproduktion, sinkenden Preisen und sinkenden Gewinnen. Mit dem technischen Fortschritt steigt der Anteil an Maschinen in der Produktion wodurch der tendenziellen Fall der Profitrate verstĂ€rkt wird. Um diesem Widerspruch entgegen zu wirken, aber auch um die Profite allgemein zu steigern, schlieĂen sich die GroĂindustriellen in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammen. Es werden ProduktionskapazitĂ€ten festgelegt Preisabsprachen getroffen und AuftrĂ€ge und AbsatzmĂ€rkte aufgeteilt, Rohstoffquellen und ArbeitskrĂ€fte werden unter eigene Kontrolle gebracht und alle erdenklichen MaĂnahmen ergriffen, um Monopolprofite zu erzielen und die Konkurrenz auszuschalten. Die krasseste Erscheingsform der Monopole ist die Finanzoligarchie, welche alle Institutionen von sich abhĂ€ngig macht, insbesondere den Staat. Dieser ist durch die Industrie- und Fabrikgesetzte mit den Monopolen verflochten, und unterstĂŒtzt die Herausbildung von Monopolen. Der Monopolkapitalismus fĂŒhrt nah an eine allgemeine Vergesellschaftung der Produktion heran, gleichzeitig bleibt der Besitz der gesellschaftlichen Produktionsmittel und auch die Aneignung der Profite privat. Obwohl die Monopole die freie Konkurrenz ausschalten besteht die Konkurrenz im Kampf um die Aneignung des Monopolprofits auch zwischen den Monopolen weiter. DarĂŒber hinaus verschĂ€rft sich die Konkurrenz zwischen kartelliertem und nicht-kartelliertem Kapital. Dies verschĂ€rft Konflikte und erzeugt einen permanent wachsenden antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung, dem Kapitalismus der freien Konkurrenz. Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und FĂ€ulnis und bildet ein HerrschaftsverhĂ€ltnis mit einem hohen MaĂ an Gewalt. Durch die umfassende Vergesellschaftung der Produktion und die allgemeine VerschĂ€rfung der WidersprĂŒche bildet das Monopol den Ăbergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. '''Schlagworte''' Mehrwert, Kapital, Produktionsmittel, Arbeitskraft, Kreditwesen, Konkurrenz, organische Zusammensetzung, Akkumulation, Konzentration, Zentralisation, Monopolprofit, Extraprofit, durchschnittliche Mehrwertrate, MonopolverbĂ€nde, Syndikate, Trusts, Kartelle, Kombination, Finanzoligarchie, Finanzkapital, Bankenwesen, Kostpreis, Produktionspreis <big>'''Wesen'''</big> '''Annahme 1''' Wenn das VerhĂ€ltnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt vereinigt sich das Kapital zum Monopol, um die Gewinne zu steigern. In der Konkurrenz versucht der einzelne Kapitalist seinen eigenen Anteil auf jegliche Art zu vergröĂern, auch wenn es die Gesamtsumme verringert. {{Zitat |Wenn jeder einzelne einer Klasse nie mehr haben könnte als einen gegebenen Anteil oder einen aliquoten Teil von Gewinn und Besitz des Ganzen, so wĂŒrde er sich bereitwillig vereinigen, um die Gewinne hinaufzutreiben" (das tut er, sobald das VerhĂ€ltnis von Nachfrage und Zufuhr es erlaubt): âdas ist Monopol. Aber wo jeder einzelne denkt, daĂ er irgendwie die absolute Summe seines eigenen Anteils vergröĂern könne, wenn auch durch ein Verfahren, das die Gesamtsumme verringert, wird er es oft tun: das ist Konkurrenz. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 204}} '''Annahme 2''' Die Monopole vereinigen den GroĂteil der Produktion eines Industriezweiges in sich, was ihnen groĂe Gewinne ermöglicht und zur Folge hat, dass die Produktion stark erweitert wird. {{Zitat |Die Kartelle und Trusts vereinigen vielfach sieben bis acht Zehntel der Gesamtproduktion des betreffenden Industriezweige in ihren HĂ€nden. Im Rheinisch-WestfĂ€lischen Kohlensyndikat waren bei seiner GrĂŒndung im Jahre 1893 86,7% und im Jahre 1910 bereits 95,4% der gesamten Kohlenförderung des Gebiets konzentriert. Das auf diese Weise entstehende Monopol gewĂ€hrleistet Riesengewinne und fĂŒhrt zur Bildung technischer Produktionseinheiten von unermeĂlichem Umfang. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206-207}} '''Annahme 3''' Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen ProduktionssphĂ€ren und ermöglichen damit den Monopolpreis. Auch wenn dieser Monopolpreis ĂŒber dem Wert der Waren liegt, werden die durch den Wert der Waren gegebenen Grenzen nicht aufgehoben. {{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen ProduktionssphĂ€ren ein Hindernis an kĂŒnstlichen oder natĂŒrlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daĂ ein Monopolpreis möglich wĂŒrde, der ĂŒber den Produktionspreis und ĂŒber den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so wĂŒrden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}} '''Annahme 4''' Solange das industrielle Kapital das Monopol an der verbesserten Produktionsweise hat, kann das Kapital den Umschlag beschleunigen und einen höheren Profit erzielen. {{Zitat |Wenn dasselbe industrielle Kapital, bei sonst gleichbleibenden UmstĂ€nden und namentlich bei gleicher organischer Zusammensetzung, viermal im Jahr statt zweimal umschlĂ€gt, produziert es doppelt soviel Mehrwert und daher Profit; und dies zeigt sich handgreiflich, sobald und solange dies Kapital das Monopol der verbesserten Produktionsweise besitzt, die ihm diese Umschlagsbeschleunigung gestattet. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 325}} '''Annahme 5''' Aus der Bildung von Monopolen geht zwangslĂ€ufig ein gewaltvolles HerrschaftsverhĂ€ltnis hervor. {{Zitat |Das HerrschaftsverhĂ€ltnis und die damit verbundene Gewalt - das ist das Typische fĂŒr die "jĂŒngste Entwicklung des Kapitalismus", das ist es, was aus der Bildung allmĂ€chtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen muĂte und hervorgegangen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}} '''Annahme 6''' Das Monopol entsteht aus der Konzentration der Produktion. Die MonopolverbĂ€nde, also die Kartelle, Syndikate und Trusts spielen im Wirtschaftsleben eine gewaltige Rolle. {{Zitat |[âŠ] Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}} <big>'''Entwicklung'''</big> '''Annahme 1''' Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind: 1. Die höchste Entwicklung der freien Konkurrenz um 1860/70 mit AnsĂ€tzen von Monopolen; 2. Die Entwicklung der Kartelle nach der Krise von 1873, die aber noch keinen dauerhaften Charakter haben; 3. Mit dem Aufschwung Ende des 19. Jahrhunderts, sowie die Krise von 1900 bis 1903 werden Kartelle/MonopolverbĂ€nde zur Grundlage der gesamten Wirtschaftslebens und der Kapitalismus wird zum Imperialismus. {{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19 Jahrhunderts die höchste, Ă€uĂerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche AnsĂ€tze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorĂŒbergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}} '''Annahme 2''' Der Kapitalismus der freien Konkurrenz fĂŒhrt notwendig zur Konzentration der Produktion und des Kapitals. Je schneller sich der Handel und der Kapitalismus entwickeln, desto stĂ€rker ist diese Konzentration. Den entstandenen Riesenbetrieben, die viel effizienter produzieren und ĂŒber moderne Produktionsmethoden verfĂŒgen, fĂ€llt es leichter, die Konkurrenz auszuschalten. Die Konzentration selbst fĂŒhrt auf einer bestimmten Stufe, dicht an das Monopol heran. Es entsteht die Tendenz der Verwandlung der freien Konkurrenz in ihren direkten Gegensatz â das Monopol. Das Entstehen der Monopole aus der Konkurrenz, mit Hilfe des Bankkapitals, ist dabei eines der wichtigsten Merkmale des Imperialismus â des Monopolkapitalismus. Die dem Kapitalismus immanenten Krisen, verstĂ€rken die Tendenz zur Konzentration und damit zur Monopolbildung. {{Zitat |Aber die Konzentration der Produktion ist viel stĂ€rker als die Konzentration der Arbeiter,âŻdenn die Arbeit ist in den GroĂbetrieben viel produktiver. Darauf weisen die Daten ĂŒber Dampfmaschinen und elektrische Motoren hin. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 200}} {{Zitat |Daraus erhellt, daĂ die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer EntwicklungâŻsozusagen von selbst dicht an das Monopol heranfĂŒhrt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fĂ€llt es leicht, sich untereinander zu verstĂ€ndigen, wĂ€hrend anderseits gerade durch das RiesenausmaĂ der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen - wenn nicht die wichtigste - in der Ăkonomik des modernen Kapitalismus, und wir mĂŒssen daher ausfĂŒhrlicher darauf eingehen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}} {{Zitat |Ăkonomisch ist das Grundlegende in diesem ProzeĂ (der Entwicklung des Imperialismus aus dem Kapitalismus â Anm. der Red.) die Ablösung der kapitalistischen freien Konkurrenz durch die kapitalistischen Monopole. Die freie Konkurrenz ist die Grundeigenschaft des Kapitalismus und der Warenproduktion ĂŒberhaupt; das Monopol ist der direkte Gegensatz zur freien Konkurrenz, aber diese begann sich vor unseren Augen zum Monopol zu wandeln, indem sie die GroĂproduktion schuf, den Kleinbetrieb verdrĂ€ngte, die groĂen Betriebe durch noch gröĂere ersetzte, die Konzentration der Produktion und des Kapitals so weit trieb, daĂ daraus das Monopol entstand und entsteht, nĂ€mlich: Kartelle, Syndikate, Trusts und das mit ihnen verschmelzende Kapital eines Dutzends von Banken, die mit Milliarden schalten und walten. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}} {{Zitat |Aber je schneller die Entwicklung des Handels und des Kapitalismus vor sich geht, um so stĂ€rker ist doch die Konzentration der Produktion und des Kapitals, die das Monopol erzeugt. Und die Monopole sind ja schon entstanden, gerade aus der freien Konkurrenz! | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}} {{Zitat |Die Krisen - jeder Art, am hĂ€ufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein - verstĂ€rken aber ihrerseits in ungeheurem MaĂe die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 213}} '''Annahme 3''' Die freie Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, wodurch es zu einem gigantischen Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion und insbesondere der technischen Verbesserungen und Erfindungen kommt. {{Zitat |Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der ProzeĂ der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}} '''Annahme 4''' Die Entstehung der Monopole, durch die Konkurrenz und die Konzentration der Produktion und des Kapitals, ist eine allgemeine GesetzmĂ€Ăigkeit des Imperialismus. Lokale (wirtschafts-)politische Unterschiede der kapitalistischen Staaten, wie z.B. die Existenz von Schutzzöllen oder andere Besonderheiten, können die Monopolbildung beschleunigen aber sie nicht verhindern. Besonders schnell entstehen sie jedoch da, wo sich das Kapital der Rohstoffquellen ermĂ€chtigen kann. {{Zitat |Die Tatsachen zeigen, daĂ die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen LĂ€ndern, z. B. in bezug auf Schutzzoll oder Freihandel, bloĂ unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, wĂ€hrend die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion ĂŒberhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 203}} {{Zitat |Noch ein Beispiel fĂŒr das Wirtschaften der Kartelle. Dort, wo manâŻauf alle oder die wichtigsten Rohstoffquellen die Hand legen kann, geht die Entstehung von Kartellen und die Bildung von Monopolen besonders leicht vonstatten. Es wĂ€re jedoch falsch zu glauben, daĂ Monopole nicht⯠auch in anderen Industriezweigen entstehen, in denen es unmöglich ist, sich der Rohstoffquellen zu bemĂ€chtigen.⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211-212}} '''Annahme 5''' Monopole behindern den Ausgleich des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiedenen ProduktionssphĂ€ren und ermöglichen damit den Monopolpreis, welcher ĂŒber dem Wert der Waren liegt. Der Monopolpreis entsteht dabei, indem ein Teil des Profits anderer Warenproduzenten auf den Monopolpreis ĂŒbertragen wird und dem Arbeiter ein zusĂ€tzlicher Teil seines Arbeitslohns entzogen wird. {{Zitat |Findet endlich die Ausgleichung des Mehrwerts zum Durchschnittsprofit in den verschiednen ProduktionssphĂ€ren ein Hindernis an kĂŒnstlichen oder natĂŒrlichen Monopolen, und speziell am Monopol des Grundeigentums, so daĂ ein Monopolpreis möglich wĂŒrde, der ĂŒber den Produktionspreis und ĂŒber den Wert der Waren stiege, auf die das Monopol wirkt, so wĂŒrden die durch den Wert der Waren gegebnen Grenzen dadurch nicht aufgehoben. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 868-869}} {{Zitat |Der Monopolpreis gewisser Waren wĂŒrde nur einen Teil des Profits der andern Warenproduzenten auf die Waren mit dem Monopolpreis ĂŒbertragen. Es fĂ€nde indirekt eine örtliche Störung in der Verteilung des Mehrwerts unter die verschiednen ProduktionssphĂ€ren statt, die aber die Grenze dieses Mehrwerts selbst unverĂ€ndert lieĂe. Ginge die Ware mit Monopolpreis in den notwendigen Konsum des Arbeiters ein, so wĂŒrde sie den Arbeitslohn erhöhn und dadurch den Mehrwert vermindern, falls der Arbeiter nach wie vor den Wert seiner Arbeitskraft bezahlt erhielte. Sie könnte den Arbeitslohn unter den Wert der Arbeitskraft herabdrĂŒcken, aber dies nur, soweit jener ĂŒber der Grenze seines physischen Minimums stĂ€nde. In diesem Falle wĂŒrde der Monopolpreis durch Abzug am realen Arbeitslohn (d. h. der Masse der Gebrauchswerte, die der Arbeiter durch dieselbe Masse Arbeit erhielte) und an dem Profit der andern Kapitalisten bezahlt. Die Grenzen, innerhalb deren der Monopolpreis die normale Regulierung der Warenpreise affizierte, wĂ€ren fest bestimmt und genau berechenbar. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 869}} '''Annahme 6''' Eine besondere Erscheinung des Monopolkapitalismus ist die sog. Kombination. Es kommt zur Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. Diese bilden dabei entweder aufeinanderfolgende Stufen oder spielen eine Hilfsrolle der Produktion. Dies gleicht Konjunkturunterschiede aus und erhöht dabei die Stetigkeit der Profitrate. Auch der Handel wird ausgeschaltet und die Möglichkeit zu Extraprofiten, durch technischen Fortschritt, geschaffen, sowie die Ăberlegenheit im Konkurrenzkampf wĂ€hrend Krisen gestĂ€rkt. Die Kombination verstĂ€rkt den Prozess der Monopolisierung. {{Zitat |Nicht in jedem Industriezweig gibt es GroĂbetriebe; und anderseits ist eine Ă€uĂerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z. B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter UmstĂ€nden auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug aufeinander eine Hilfsrolle (z. B. Verarbeitung von AbfĂ€llen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.). | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}} {{Zitat |"... die Kombination", schreibt Hilferding, "gleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher fĂŒr das kombinierte Werk eine gröĂere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenĂŒber dem 'reinen'" (d.h. nicht kombinierten) "Werk. Viertens stĂ€rkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenĂŒber dem 'reinen' im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depression" (GeschĂ€ftsstockung, Krise), "wenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hĂ€lt mit der Senkung der Fabrikatspreise."âŻâŻ | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}} '''Annahme 7''' Durch die schnelle Ausdehnung der Produktion in der GroĂindustrie wĂ€chst diese schneller als die MĂ€rkte. Dies fĂŒhrt zu einer Ăberproduktion, sinkenden Preisen und fallende Profiten, was durch Schutzzölle noch verstĂ€rkt wird. Diesen Widerspruch lösen die GroĂindustriellen indem sie sich in Kartellen zur Regulierung der Produktion zusammentun. Es werden ProduktionskapazitĂ€ten festgelegt und eingehende AuftrĂ€ge aufgeteilt. {{Zitat |Seit Marx obiges schrieb, haben sich bekanntlich neue Formen des Industriebetriebs entwickelt, die die zweite und dritte Potenz der Aktiengesellschaft darstellen. Der tĂ€glich wachsenden Raschheit, womit auf allen groĂindustriellen Gebieten heute die Produktion gesteigert werden kann, steht gegenĂŒber die stets zunehmende Langsamkeit der Ausdehnung des Markts fĂŒr diese vermehrten Produkte. Was jene in Monaten herstellt, kann dieser kaum in Jahren absorbieren. Dazu die Schutzzollpolitik, wodurch jedes Industrieland sich gegen die andern und namentlich gegen England abschlieĂt und die heimische ProduktionsfĂ€higkeit noch kĂŒnstlich steigert. Die Folgen sind allgemeine chronische Ăberproduktion, gedrĂŒckte Preise, fallende und sogar ganz wegfallende Profite; kurz, die altgerĂŒhmte Freiheit der Konkurrenz ist am Ende ihres Lateins und muĂ ihren offenbaren skandalösen Bankrott selbst ansagen. Und zwar dadurch, daĂ in jedem Land die GroĂindustriellen eines bestimmten Zweigs sich zusammentun zu einem Kartell zur Regulierung der Produktion. Ein AusschuĂ setzt das von jedem Etablissement zu produzierende Quantum fest und verteilt in letzter Instanz die einlaufenden AuftrĂ€ge. [âŠ] (Friedrich Engels) | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 453-454}} <big>'''Historische Rolle'''</big> '''Annahme 1''' Der Imperialismus ist Monopolkapitalismus. Durch die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise kommt es notwendigerweise zur Vergesellschaftung der Produktion. Der dadurch entstandene Fortschritt kommt jedoch im Imperialismus nur den Spekulanten zu Gute, da die Form der Aneignung privat bleibt. Das hat zur Folge, dass der Druck der Monopole auf die Bevölkerung noch schwerer wird. Die vollstĂ€ndige Vergesellschaftung ist die Grundlage fĂŒr den Ăbergang des Kapitalismus hin zu einer neuen Gesellschaftsordnung, in die die Kapitalisten, unbewusst und gegen ihren eigenen Willen, hineingezogen werden. {{Zitat |In seinem imperialistischen Stadium fĂŒhrt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaĂen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Ăbergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollstĂ€ndigen Vergesellschaftung bildet. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}} {{Zitat |Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die ĂŒbrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fĂŒhlbarer, unertrĂ€glicher. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209}} {{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daĂ die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor "herrscht" und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den "Genies" der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute.⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}} '''Annahme 2''' Das Monopol erwĂ€chst aus dem Kapitalismus der freien Konkurrenz, durch die Warenproduktion. Das Monopol verdrĂ€ngt jedoch nicht die Konkurrenz. Die Konkurrenz besteht weiter neben und ĂŒber ihm. Dies erzeugt Probleme, Konflikte und einen permanenten antagonistischen Widerspruch zwischen dem Monopol und seinem Ursprung. Das Monopol steht dabei nicht mit kleinen, technisch rĂŒckstĂ€ndigen Betrieben in Konkurrenz, sondern wĂŒrgt diese ab. Das Monopol ist der Ăbergang zu einer höheren Gesellschaftsformation. {{Zitat |Zugleich aber beseitigen die Monopole nicht die freie Konkurrenz, aus der sie erwachsen, sondern bestehen ĂŒber und neben ihr und erzeugen dadurch eine Reihe besonders krasser und schroffer WidersprĂŒche, Reibungen und Konflikte. Das Monopol ist der Ăbergang vom Kapitalismus zu einer höheren Ordnung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}} {{Zitat |Wie wir gesehen haben, ist die tiefste ökonomische Grundlage des Imperialismus das Monopol. Dieses Monopol ist ein kapitalistisches, d.h. ein Monopol, das aus dem Kapitalismus erwachsen ist und im allgemeinen Milieu des Kapitalismus, der Warenproduktion, der Konkurrenz, in einem bestĂ€ndigen und unlösbaren Widerspruch zu diesem allgemeinen Milieu steht.⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 280-281}} {{Zitat |Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und groĂer, technisch rĂŒckstĂ€ndiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zu tun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewĂŒrgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner WillkĂŒr nicht unterwerfen.⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 210}} '''Annahme 3''' Das Monopol erzeugt die allgemeine Tendenz zur Stagnation und FĂ€ulnis. Durch den Zwang zur Erhöhung der Profite wird der technische Fortschritt vorangetrieben. Wo das Monopol jedoch Monopolpreise realisiert, verschwindet dieser Antrieb und es kommt zwangslĂ€ufig zur Stagnation, wodurch der Fortschritt ausgebremst wird. Diese Stagnation kann jedoch nur temporĂ€r bestehen, da das Monopol die Konkurrenz nie gĂ€nzlich und dauerhaft ausschalten kann. Die Monopole haben die Möglichkeit den technischen - und damit den Gesamtfortschritt - kĂŒnstlich aufzuhalten. {{Zitat |Dennoch erzeugt es, wie jedes andere Monopol, unvermeidlich die Tendenz zur Stagnation und FĂ€ulnis. In dem MaĂe, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorĂŒbergehend, eingefĂŒhrt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur VorwĂ€rtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt kĂŒnstlich aufzuhalten. ⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}} {{Zitat |GewiĂ kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist ĂŒbrigens einer der GrĂŒnde, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begĂŒnstigt natĂŒrlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und FĂ€ulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen LĂ€ndern fĂŒr gewisse Zeitspannen die Oberhand. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}} '''Annahme 4''' Mit der voranschreitenden Entwicklung hebt die kapitalistische Produktionsweise sich selbst innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise auf und schafft den Ăbergangspunkt zu einer neuen Produktionsform. Dieser Widerspruch tritt in Form von Monopolen, einer Finanzaristokratie und letztlich in einem ganzen System aus Betrug und Schwindel in Erscheinung, in dem die Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums steht. Die Entstehung des Monopols erfordert die Einmischung des Staates. {{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloĂer Ăbergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen SphĂ€ren das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, GrĂŒndern und bloĂ nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf GrĂŒndungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.| Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}} '''Annahme 5''' Die Monopolprofite befĂ€higen die Kapitalisten eines Industriezweiges oder eines Landes einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen und auf die Seite der Bourgeoisie des entsprechenden Industriezweiges oder Landes zu ziehen. {{Zitat |Dadurch, daĂ die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorĂŒbergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle ĂŒbrigen hinĂŒberzuziehen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}} '''Annahme 6''' Die Monopole sind nicht fĂ€hig Krisen auszuschalten. Sie verstĂ€rken sogar den ungleichen und chaotischen Charakter (z.B. das ZurĂŒckbleiben der Landwirtschaft und die privilegierte Stellung der Schwerindustrie) der kapitalistischen Produktionsweise und sorgen so fĂŒr verstĂ€rkte Planlosigkeit in den weniger stark kartellierten Industriezweigen. {{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein MĂ€rchen bĂŒrgerlicher Ăkonomen. die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen.⯠Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstĂ€rkt und verschĂ€rft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. Das MiĂverhĂ€ltnis zwischen der Entwicklung der Landwirtschaft und der Industrie, das fĂŒr den Kapitalismus ĂŒberhaupt charakteristisch ist, wird noch gröĂer. Die privilegiert Stellung, die die am stĂ€rksten kartellierte sogenannte Schwerindustrie, besonders die Kohlen- und Eisenindustrie, einnimmt, ruft in den ĂŒbrigen Industriezweigen eine "gesteigerte Planlosigkeit" hervor. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 312}} '''Annahme 7''' Die Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen durch die Monopole ist zentral fĂŒr die Macht der Monopole und verschĂ€rft den Gegensatz zwischen kartellierter und nichtkartellierter Industrie. {{Zitat |Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des GroĂkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschĂ€rft.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}} '''Annahme 8''' Auch wenn die Monopole die Entwicklung verlangsamen ist eine RĂŒckkehr zum Kapitalismus der freien Konkurrenz unmöglich, da diese die Monopole erst erzeugt hat. {{Zitat |Selbst wenn die Monopole jetzt die Entwicklung zu verlangsamen begonnen haben, so ist das dennoch kein Argument zugunsten der freien Konkurrenz, die unmöglich geworden ist, nachdem sie die Monopole erzeugt hat. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 295}} <big>'''Erscheinungsform'''</big> '''Annahme 1''' FĂŒr den Imperialismus â als Monopolkapitalismus â sind vier Erscheinungsformen des Monopols charakteristisch. Erstens, Monopole und MonopolverbĂ€nde, welche aus dem Prozess der Konzentration der Produktion erwachsen. Zweitens, die Monopole, die die wichtigsten Rohstoffquellen besitzen. Drittens, die Monopole, welche aus den Banken erwachsen. Es kommt zur Verschmelzung von Bank- und Industriekapital, woraus die Finanzoligarchie erwĂ€chst. Diese unterwirft sich alle gesellschaftlichen Institutionen und stellt somit die krasseste Erscheinungsform des Monopols dar. Viertens, das Monopol, das seinen Ursprung in der Kolonialpolitik hat. Es entsteht durch die Notwendigkeit des Kampfes um die Rohstoffquellen, des Kapitalexports, der Erlangung von EinflusssphĂ€ren und letztlich der Eroberung ganzer Wirtschaftsgebiete. {{Zitat |Es sind insbesondere vier Hauptarten der Monopole oder Haupterscheinungsformen des Monopolkapitalismus hervorzuheben, die fĂŒr die in Betracht kommende Epoche charakteristisch sind. Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. [âŠ] Zweitens: Die Monopole haben in verstĂ€rktem MaĂe zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen gefĂŒhrt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. [âŠ] Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fĂŒnf GroĂbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine "Personalunion" hergestellt und in ihrer Hand die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den gröĂten Teil der Kapitalien und der GeldeinkĂŒnfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnissen ĂŒber ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bĂŒrgerlichen Gesellschaft spannt - das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. Viertens: Das Monopol ist aus der Kolonialpolitik erwachsen. Den zahlreichen "alten" Motiven der Kolonialpolitik fĂŒgte das Finanzkapital noch den Kampf um Rohstoffquellen hinzu, um Kapitalexport, um "EinfluĂsphĂ€ren" d.h. um SphĂ€ren fĂŒr gewinnbringende GeschĂ€fte, Konzessionen, Monopolprofite usw. - und schlieĂlich um das Wirtschaftsgebiet ĂŒberhaupt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304ff.}} '''Annahme 2''' Um ihre Macht zu erweitern und die Konkurrenz auszuschalten, greifen die Monopole zu verschiedensten ökonomischen und auĂerökonomischen Kampfmitteln. Diese reichen von Material-, Arbeitskraft-, Zufuhr- und Absatzsperren, ĂŒber das Aufsetzen von AbnehmervertrĂ€gen, Abstandszahlungen und planmĂ€Ăigen Preisunterbietungen, bis hin zu offenem Verruf oder der Anwendung von gewaltsamen, militĂ€rischen Aktionen gegen die Konkurrenz. {{Zitat |Das Monopol bricht sich ĂŒberall und mit jeglichen Mitteln Bahn, angefangen von "bescheidenen" Abstandszahlungen bis zur amerikanischen "Anwendung" von Dynamit gegen den Konkurrenten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212}} {{Zitat |Um die Konkurrenz aus einer derart eintrĂ€glichen Industrie auszuschalten, wenden die Monopolinhaber sogar allerlei Tricks an: Es werden falsche GerĂŒchte ĂŒber die schlechte Lage der Industrie verbreitet; in den Zeitungen erscheinen anonyme Anzeigen: "Kapitalisten! HĂŒtet euch, Kapital in Zementfabriken anzulegen." SchlieĂlich werden die Werke von "AuĂenseitern" (d.h. von nicht an den Syndikaten Beteiligten) aufgekauft und ihnen "Abstandssummen" von 60.000, 80.000 und 150.000 Mark gezahlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212}} {{Zitat |Es ist lehrreich, wenigstens einen flĂŒchtigen Blick auf die Liste der Mittel des gegenwĂ€rtigen, modernen, zivilisierten Kampfes um die "Organisation" zu werfen, zu denen die MonopolverbĂ€nde greifen: 1. die Materialsperre (mit "die wichtigste Methode des Kartellzwanges") 2. Sperrung der ArbeitskrĂ€fte durch "Allianzen" (d.h. Vereinbarungen zwischen Kapitalisten und ArbeiterverbĂ€nden derart, daĂ die Arbeiter nur in kartellierten Betrieben arbeiten dĂŒrfen) 3. Sperre der Zufuhr; 4. Sperre des Absatzes; 5. VertrĂ€ge mit den Abnehmern, wonach diese ausschlieĂlich mit kartellierten Firmen GeschĂ€ftsverbindungen haben dĂŒrfen; 6. planmĂ€Ăige Preisunterbietung (um die "AuĂenseiter", d.h. die Unternehmungen, die sich den Monopolinhabern nicht unterordnen, zu ruinieren; es werden Millionen ausgegeben, um eine Zeitlang unter dem Selbstkostenpreis zu verkaufen; so kam es beispielsweise in den Benzinindustrie vor, daĂ die Preise von 40 auf 22 Mark, d.h. fast auf die HĂ€lfte, herabgesetzt wurden!); 7. Sperrung des Kredits; 8. VerrufserklĂ€rung.⯠| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 210}} '''Annahme 3''' Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable GeschĂ€fte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. {{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber ĂŒberall TrĂ€ger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der âVerbindungen" zum Zweck eines profitablen GeschĂ€ftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daĂ ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} ==Finanzkapital== '''Kurzdefinition''' Infolge der Monopolbildung in der Industrie Ă€ndert sich auch die Rolle der Banken: mittels eines weit verzweigten Netzes von Beteiligungen und Tochterunternehmen bildet sich eine Monopolstellung weniger Banken heraus. Durch die Kontrolle von Bankverbindungen, Kontokorrenten und andere Finanzoperationen können sich diese genau ĂŒber die jeweilige GeschĂ€ftslage der Industrie- und Handelsunternehmungen informieren und ĂŒber Möglichkeit und Art der Kreditvergabe das Schicksal der Einzelunternehmungen bestimmen. Somit entwickeln sich einige Banken vom reinen Zahlungsvermittler zwischen einzelnen Kapitalisten zu monopolistischen GroĂbanken, die eine Vormachtstellung ĂŒber alle Industrie- und Handelsoperationen einnehmen. Durch die Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer GroĂbanken mit dem Kapital der monopolistischen Industriebetriebe entsteht das Finanzkapital. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts markiert das starke Anwachsen der Wertpapieremission die Vorherrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital steht in der Folge im Zentrum aller wirtschaftlichen Unternehmungen, wodurch die Ausdifferenzierung des Kapitals in EigentĂŒmer und Anwender, die typisch fĂŒr den Imperialismus ist, gewaltige AusmaĂe erreicht. Die Verschmelzung zwischen Bank- und Industriekapital findet durch die gegenseitige Vertretung in den jeweiligen AufsichtsrĂ€ten und Aktienbesitz statt. Aus dieser Personalunion erwĂ€chst die Finanzoligarchie, die als Rentiers ausschlieĂlich vom Ertrag ihres Geldkapitals leben. Alle ökonomischen und politischen Institutionen sind von der Finanzoligarchie abhĂ€ngig, die es durch ein umfassendes Netz schafft, selbst kleinste Kapitalisten und Unternehmer unter sich zu unterwerfen. Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus GrĂŒndungsgewinnen, aus dem EmissionsgeschĂ€ft, Beteiligungen und Staatsanleihen. Damit treibt das Finanzkapital die Monopolisierung weiter voran und zementiert gleichzeitig die Herrschaft der Finanzoligarchie. Durch die Unterwerfung aller mittleren und kleinen Unternehmen unter das Finanzkapital sowie durch die Konkurrenz um Einfluss in anderen LĂ€ndern ordnen sich die Interessen aller Besitzenden dem Imperialismus unter. Diese Eingliederung aller Interessen in den Imperialismus findet sich auch im Staat und seinen Beamten und ĂŒberhaupt allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus eine beherrschende Stellung ĂŒber alle anderen Kapitalformen und bedeutet die Vorherrschaft der Rentiers und Finanzoligarchen, sowie weniger Staaten, die finanzielle Macht ĂŒber alle andere Staaten besitzen. Das Weltfinanzkapital konzentriert sich auf wenige LĂ€nder, die Masse der ĂŒbrigen LĂ€nder fungiert als Schuldner gegenĂŒber diesen. Formal entsteht durch die Banken eine gesamtgesellschaftliche Verteilung der Produktionsmittel. Ihrem Inhalt nach ist diese Verteilung aber nicht allgemein, sondern privat, genauer den Interessen der gröĂten Monopole angepasst. '''Schlagworte''' Finanzoligarchie, Monopole, Emission, GrĂŒndungsgewinn, Beteiligungen, Rentier '''Einordnung''' Lenin grenzt sich mit seiner Wesensbeschreibung des Finanzkapitals von Hilferding ab, dessen Studie zum Finanzkapital von 1910 unvollstĂ€ndig ist weil sie die Konzentration der Produktion und des Kapitals und daraus erwachsende Kapitale als Grundbedingung des Finanzkapitals auĂen vor lĂ€sst. Gleichzeitig weist er die Ansicht bĂŒrgerlicher Wissenschaftler zurĂŒck, die aus kleinbĂŒrgerlicher Sicht die AuswĂŒchse der Herrschaft der Finanzoligarchie kritisieren. Diese sind zwar in der Lage in konkreten Fragen Erscheinungsformen der Herrschaft der Finanzoligarchie korrekt wiederzugeben, sie verschleiern den systematischen und zwangslĂ€ufigen Charakter dieser Entwicklung jedoch. In Ă€hnlicher WeiĂe kritisiert er Kautsky als bĂŒrgerlich- reformistisch. In dem dieser die Politik des Imperialismus von der Ăkonomie trennt, leistet er der Illusion Vorschub, dass auf Basis des Finanzkapitals auch eine andere, friedlichere Politik möglich sei. <big>'''Wesen'''</big> '''Annahme 1''' Hilferding bezeichnet Finanzkapital als Kapital in VerfĂŒgung der Banken und in Verwendung der Industriellen. Dieser Definition fehlen die zentralen Entstehungsbedingungen des Finanzkapitals. Lenin leitet den Ursprung des Finanzkapitals aus der Produktion selbst her: Die Konzentration der Produktion und damit zunehmend auch des Kapitals fĂŒhrt zwangslĂ€ufig zum Monopol. Dies bedingt so eine Verschmelzung des Bankkapitals monopolistischer GroĂbanken mit dem Kapital monopolistischer IndustriellenverbĂ€nde. {{Zitat |Ein immer wachsender Teil des Kapitals der Industrieâ, schreibt Hilferding, âgehört nicht den Industriellen, die es anwenden. Sie erhalten die VerfĂŒgung ĂŒber das Kapital nur durch die Bank, die ihnen gegenĂŒber den EigentĂŒmer vertritt. Anderseits muĂ die Bank einen immer wachsenden Teil ihrer Kapitalien in der Industrie fixieren. Sie wird damit in immer gröĂerem Umfang industrieller Kapitalist. Ich nenne das Bankkapital, also Kapital in Geldform, das auf diese Weise in Wirklichkeit in industrielles Kapital verwandelt ist, das Finanzkapital.â Das Finanzkapital ist also âKapital in der VerfĂŒgung der Banken und in der Verwendung der Industriellenâ. Diese Definition ist insofern unvollstĂ€ndig, als ihr der Hinweis auf eines der wichtigsten Momente fehlt, nĂ€mlich auf die Zunahme der Konzentration der Produktion und des Kapitals in einem so hohen Grade, daĂ die Konzentration zum Monopol fĂŒhrt und gefĂŒhrt hat. [âŠ] Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie â das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 229}} {{Zitat |Das Finanzkapital [ist] das Bankkapital einiger weniger monopolistischer GroĂbanken, das mit dem Kapital monopolistischer IndustriellenverbĂ€nde verschmolzen ist. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270}} '''Annahme 2''' Es kommt zu einer beiderseitigen Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die GroĂindustrie ist einerseits vom monopolisierten Bankkapital abhĂ€ngig, andererseits entwickelt sich eine Art Personalunion durch Aktienbesitz und Eintritt in die jeweils andere FĂŒhrungsstruktur. Diese konzentriert ĂŒber enorme Mengen an Kapital und damit Macht in ihrer Hand und verfĂŒgt ĂŒber den GroĂteil des gesamten Kapitals eines Landes. {{Zitat |'Mit der fortschreitenden Konzentrationsbewegung engt sich der Kreis, an den man mit den groĂen KreditansprĂŒchen herantreten kann, stĂ€ndig ein, so daĂ die AbhĂ€ngigkeit der GroĂindustrie von einigen wenigen Bankkonzernen zunimmt." [âŠ] Wenn die Bank die Wechsel irgendeines Unternehmers diskontiert, ihm ein Kontokorrent eröffnet usw., so vermindern diese Operationen, einzeln betrachtet, die SelbstĂ€ndigkeit dieses Unternehmers um keinen Deut, und die Bank bleibt in der bescheidenen Rolle eines Vermittlers. Sobald aber diese Operationen sich hĂ€ufen und zu einer stĂ€ndigen Einrichtung werden, sobald die Bank Kapitalien von ungeheuren Dimensionen in ihrer Hand "ansammelt", sobald die FĂŒhrung des Kontokorrents eines Unternehmens die Bank in die Lage versetzt - und das ist ja der Fall -, die wirtschaftliche Lage ihres Kunden immer genauer und vollstĂ€ndiger kennenzulernen, ergibt sich eine immer vollstĂ€ndigere AbhĂ€ngigkeit des Industriekapitalisten von der Bank. Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den gröĂten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die AufsichtsrĂ€te (oder die VorstĂ€nde) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 223-224}} {{Zitat |Drei bis fĂŒnf GroĂbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine âPersonalunionâ hergestellt und in ihrer Hand die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den gröĂten Teil der Kapitalien und der GeldeinkĂŒnfte des ganzen Landes ausmachen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}} '''Annahme 3''' Die Trennung vom KapitaleigentĂŒmer und dem Unternehmer, der dieses Kapital anwendet, spitzt sich im Imperialismus zu. Die EigentĂŒmer des Kapitals leben als Rentiers ausschlieĂlich vom Ertrag ihres Geldkapitals. Das Finanzkapital gewinnt im Imperialismus die Vormachtstellung ĂŒber alle anderen Formen des Kapitals und verfĂŒgt ĂŒber nahezu das gesamte in Geldform vorliegende Kapital sowie den gröĂten Teil der Produktionsmittel. Diese Monopolisierung im Bankwesen markiert den Ăbergang des Kapitalismus der freien Konkurrenz in den imperialistischen Kapitalismus. Innerhalb der Bourgeoisie bildet sich eine Finanzoligarchie als deutlichster Ausdruck dieser Monopolisierung heraus, die alle ökonomischen und politischen Institutionen beeinflusst. Durch das Zusammenwirken von Banken mit dem Industriekapital wird die Macht der groĂen Unternehmen noch gröĂer und die kleinen und mittleren Betriebe werden von wenigen Monopolisten unterjocht. {{Zitat |Die Trennung des Kapitaleigentums von der Anwendung des Kapitals in der Produktion, die Trennung des Rentners, der ausschlieĂlich vom Ertrag des Geldkapitals lebt, vom Unternehmer und allen Personen, die an der VerfĂŒgung ĂŒber das Kapital unmittelbar teilnehmen, ist dem Kapitalismus ĂŒberhaupt eigen. Der Imperialismus oder die Herrschaft des Finanzkapitals ist jene höchste Stufe des Kapitalismus, wo diese Trennung gewaltige Ausdehnung erreicht. Das Ăbergewicht des Finanzkapitals ĂŒber alle ĂŒbrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}} {{Zitat |Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnissen ĂŒber ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bĂŒrgerlichen Gesellschaft spannt â das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}} {{Zitat |[D]ie [monopolistische Banken verfĂŒgen] fast ĂŒber das gesamte Geldkapital aller Kapitalisten und Kleinunternehmer sowie ĂŒber den gröĂten Teil der Produktionsmittel und Rohstoffquellen des betreffenden Landes oder einer ganzen Reihe von LĂ€ndern [âŠ]. Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein HĂ€uflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des HinĂŒberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb mĂŒssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}} {{Zitat |Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Ăbergewicht eines HĂ€ufleins von GroĂbetrieben noch erdrĂŒckender, und zwar im buchstĂ€blichen Sinne des Wortes, d. h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil groĂer âUnternehmer" sind in Wirklichkeit von einigen hundert MillionĂ€ren der Hochfinanz völlig unterjocht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201}} '''Annahme 4''' Die Herrschaft des Finanzkapitals geht mit einer Vorherrschaft weniger Staaten ĂŒber alle anderen Staaten einher. Einige LĂ€nder gewinnen Vormachtstellung. Das Finanzkapital bildet ein Netz von AbhĂ€ngigkeiten was auch international besteht. Ein winziger Teil der LĂ€nder verfĂŒgt dabei ĂŒber den weitaus gröĂten Teil des Weltfinanzkapitals, sie sind HaupttrĂ€ger des Weltfinanzkapitals und können Macht gegenĂŒber allen ĂŒbrigen LĂ€ndern ausĂŒben, die zu Schuldnern dieser LĂ€nder werden. Bei der Schaffung internationaler AbhĂ€ngigkeiten spielt der Kapitalexport eine zentrale Rolle. {{Zitat |Das Ăbergewicht des Finanzkapitals ĂŒber alle ĂŒbrigen Formen des Kapitals bedeutet die Vorherrschaft des Rentners und der Finanzoligarchie, bedeutet die Aussonderung weniger Staaten, die finanzielle âMachtâ besitzen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 242}} {{Zitat |Diese vier LĂ€nder [gemeint sind England, Frankreich, USA und Deutschland, Anm. d. Redaktion] zusammen besitzen 479 Milliarden Francs, d.h. nahezu 80% des Weltfinanzkapitals. Fast die ganze ĂŒbrige Welt spielt so oder anders die Rolle des Schuldners und Tributpflichtigen dieser LĂ€nder â der internationalen Bankiers, dieser vier âSĂ€ulenâ des Weltfinanzkapitals. Ganz besonders muĂ auf die Rolle eingegangen werden, die bei der Schaffung des internationalen Netzes der AbhĂ€ngigkeiten und der Verbindungen des Finanzkapitals der Kapitalexport spielt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}} <big>'''Entwicklung'''</big> '''Annahme 1''' Der Anfang des 20. Jahrhunderts markiert einen Wendepunkt im raschen Anwachsen des Finanzkapitals und der Monopole wie Kartelle, Syndikate und Trusts. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhundert verdoppelt sich weltweit die Gesamtsumme der Emissionen. Zuvor stiegen in den 1870er Jahren die Emissionen bereits an. Dies geschah besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der GrĂŒnderperiode in Deutschland. {{Zitat |In den siebziger Jahren erhöhte sich die Gesamtsumme der Emissionen in der ganzen Welt besonders durch Anleihen im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg und der darauffolgenden GrĂŒnderperiode in Deutschland. Im groĂen ganzen geht die Vermehrung im Laufe der letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verhĂ€ltnismĂ€Ăig nicht sehr rasch vor sich, und erst das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts bringt eine gewaltige Vermehrung, fast eine Verdoppelung in zehn Jahren. Der Anfang des 20. Jahrhunderts bildet also den Wendepunkt nicht nur in bezug auf das Wachstum der Monopole (Kartelle, Syndikate und Trusts), wovon bereits die Rede war, sondern auch in bezug auf das Anwachsen des Finanzkapitals. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 243}} '''Annahme 2''' ZunĂ€chst waren Banken Zahlungsvermittler, indem sie brachliegendes Kapital sammelten und der Kapitalistenklassen zur Profiterwirtschaftung zur VerfĂŒgung stellten. Durch Konzentration der Banken werden aus kleinen Vermittlern groĂe Monopole. {{Zitat |Die grundlegende und ursprĂŒngliche Operation der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Im Zusammenhang damit verwandeln die Banken brachliegendes Geldkapital in funktionierendes, d.h. profitbringendes Kapital, sie sammeln alle und jegliche GeldeinkĂŒnfte und stellen sie der Kapitalistenklasse zur VerfĂŒgung. In dem MaĂe, wie sich das Bankwesen und seine Konzentration in wenigen Institutionen entwickeln, wachsen die Banken aus bescheidenen Vermittlern zu allmĂ€chtigen Monopolinhabern an. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}} '''Annahme 3''' Ein wichtiges Merkmal der modernen Konzentration im Bankwesen, im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von SchuldverhĂ€ltnissen. Die Beteiligung einer an der Spitze stehenden Bank an anderen kleineren Banken lĂ€sst sich in verschiedene Grade der AbhĂ€ngigkeit einteilen. Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Die an der Spitze stehende Bank entwickelt sich dadurch ĂŒber die bloĂe "Vermittlerrolle" hinaus zu einem Monopol. {{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die âangegliedertenâ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die groĂen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern âgliedernâ sie sich an, unterwerfen sie, schlieĂen sie in âihreâ Gruppe, ihren âKonzernâ â wie der technische Ausdruck lautet â ein durch âBeteiligungâ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von SchuldverhĂ€ltnissen usw. usf. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}} {{Zitat |Um die wichtigsten FĂ€den, die alle Banken dieser Gruppe miteinander verbinden, in Betracht zu ziehen, muĂ man âBeteiligungenâ ersten, zweiten und dritten Grades unterscheiden oder, was dasselbe ist, eine AbhĂ€ngigkeit (der kleineren Banken von der Deutschen Bank) ersten, zweiten und dritten Grades. [âŠ] Es ist klar, daĂ eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders groĂer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z.B. Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits ĂŒber die bloĂe âVermittlerârolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines HĂ€ufleins von Monopolisten verwandelt hat. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216}} {{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von KanĂ€len entsteht, die das ganze Land ĂŒberziehen, sĂ€mtliche Kapitalien und GeldeinkĂŒnfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schlieĂlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene âDezentralisationâ, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bĂŒrgerlichen politischen Ăkonomie unserer Tage in dem oben angefĂŒhrten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daĂ zunehmend immer mehr frĂŒher verhĂ€ltnismĂ€Ăig âselbstĂ€ndigeâ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden. In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. [âŠ] | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}} '''Annahme 4''' Durch Konzentration des Kapitals und Umsatzwachstum verĂ€ndert sich die Rolle der Banken. Aus der bloĂen FĂŒhrung der Kontokorrenten (Leistungsabwicklung zwischen GlĂ€ubiger und Schuldner - Anm. d. Red) eines einzelnen Kapitalisten wird, sobald es Riesendimensionen annimmt, eine Unterwerfung und Vormachtstellung einer Handvoll Monopolisten ĂŒber die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft. Sie kann sich ĂŒber die jeweilige GeschĂ€ftslage genau informieren durch Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen, dann diese kontrollieren durch Möglichkeit und Art der Kreditvergabe und damit ihr Schicksal bestimmen. Sie entscheiden ĂŒber die Höhe ihrer EinkĂŒnfte und die Möglichkeit ĂŒber ihre Kapitalvermehrung. {{Zitat |Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus Ă€ndert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent fĂŒr bestimmte Kapitalisten fĂŒhrt, ĂŒbt scheinbar eine rein technische, eine bloĂe Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daĂ eine Handvoll Monopolisten sich die Handels und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie â durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen â die Möglichkeit erhĂ€lt, sich zunĂ€chst ĂŒber die GeschĂ€ftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder SchmĂ€lerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schlieĂlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer EinkĂŒnfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in groĂem Umfang zu erhöhen usw. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 218}} '''Annahme 5''' Das verleihbare Kapital flieĂt der Bank aus Depositen, Reservefonds, Revenuen und als unbeschĂ€ftigtes Geld zu, um als zinstragendes Kapital zu wirken. Da sie als gemeinschaftliche Reserve mehrerer industriellen Kapitalisten dienen, kann der Reservefond auf ein Minimum gedrĂŒckt werden. Mehr Geld steht als verleihbares Kapital zur VerfĂŒgung und kann so zur Profiterhöhung eingesetzt werden. Durch die Kontrolle der Banken ĂŒber kurz- und mittelfristigen Geldanlagen kann "unbeschĂ€ftigtes" Kapital nutzbar gemacht werden. Unter Kontrolle der monopolisierten Banken vereinigen sich kleine, an sich unbedeutende Geldsummen zu einer Geldmacht. {{Zitat |Das verleihbare Kapital, worĂŒber die Banken verfĂŒgen, flieĂt ihnen in mehrfacher Weise zu. ZunĂ€chst konzentriert sich in ihrer Hand, da sie Kassierer der industriellen Kapitalisten sind, das Geldkapital, das jeder Produzent und Kaufmann als Reservefonds hĂ€lt oder das ihm als Zahlung zuflieĂt. Diese Fonds verwandeln sich so in verleihbares Geldkapital. Dadurch wird der Reservefonds der Handelswelt, weil als gemeinschaftlicher konzentriert, auf das nötige Minimum beschrĂ€nkt, und ein Teil des Geldkapitals, der sonst als Reservefonds schlummern wĂŒrde, wird ausgeliehen, fungiert als zinstragendes Kapital. Zweitens bildet sich ihr verleihbares Kapital aus den Depositen der Geldkapitalisten, die ihnen das Ausleihen derselben ĂŒberlassen. Mit der Entwicklung des Banksystems und namentlich, sobald sie Zins fĂŒr Depositen zahlen, werden ferner die Geldersparnisse und das augenblicklich unbeschĂ€ftigte Geld aller Klassen bei ihnen deponiert. Kleine Summen, jede fĂŒr sich unfĂ€hig, als Geldkapital zu wirken, werden zu groĂen Massen vereinigt und bilden so eine Geldmacht. [âŠ] Endlich werden auch die Revenuen, die nur allmĂ€hlich verzehrt werden sollen, bei den Banken deponiert. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 416}} '''Annahme 6''' Die Mengen des auf den Geldmarkt gehandelten Kapitals erlaubt von der besonderen Art der Kapitalanwendung bzw. Produktion zu abstrahieren. Verleiher und Borger stehen sich nicht mehr als einzelne Kapitalisten bzw. EigentĂŒmer des Kapitals gegenĂŒber. Angebot und Nachfrage von Kapital wird vermittelt durch Bankiers, die das gesellschaftliche Kapital vertreten. {{Zitat |Auf dem Geldmarkt stehn sich nur Verleiher und Borger gegenĂŒber. Die Ware hat dieselbe Form, Geld. Alle besondren Gestalten des Kapitals, je nach seiner Anlage in besondren Produktions- oder ZirkulationssphĂ€ren sind hier ausgelöscht. Es existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbstĂ€ndigen Werts, des Geldes. Die Konkurrenz der besondren SphĂ€ren hört hier auf; sie sind alle zusammengeworfen als Geldborger, und das Kapital steht allen auch gegenĂŒber in der Form, worin es noch gleichgĂŒltig gegen die bestimmte Art und Weise seiner Anwendung ist. Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren SphĂ€ren erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf. Andrerseits besitzt das Geldkapital auf dem Geldmarkt wirklich die Gestalt, worin es als gemeinsames Element, gleichgĂŒltig gegen seine besondre Anwendung, sich unter die verschiednen SphĂ€ren, unter die Kapitalistenklasse verteilt, je nach den ProduktionsbedĂŒrfnissen jeder besondren SphĂ€re. Es kommt hinzu, daĂ mit Entwicklung der groĂen Industrie das Geldkapital mehr und mehr, soweit es auf dem Markt erscheint, nicht vom einzelnen Kapitalisten vertreten wird, dem EigentĂŒmer dieses oder jenes Bruchteils des auf dem Markt befindlichen Kapitals, sondern als konzentrierte, organisierte Masse auftritt, die ganz anders als die reelle Produktion unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt ist. So daĂ. sowohl, was die Form der Nachfrage angeht, dem verleihbaren Kapital die Wucht einer Klasse gegenĂŒbertritt; wie, was das Angebot angeht, es selbst als Leihkapital en masse auftritt. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 380}} '''Annahme 7''' Es findet nicht nur eine "Personalunion" ĂŒber Vertreter im Aufsichtsrat zwischen Banken und Industrie, sondern auch mit dem Staat statt. Die Arbeitsteilung und das stetige Verwachsen der Banken und Industrie fĂŒhrt zu Banken mit "universalem", vielseitigem, Charakter. So durchdringt das Finanzkapital alle Bereiche des öffentlichen Lebens. Dazu versuchen die gröĂten Monopolisten durch die personelle Verflechtung mit den gröĂten Banken sowie fĂŒhrendem politischen Personal ihre Zugriffsmöglichkeit auf profittrĂ€chtige GeschĂ€fte auszubauen. {{Zitat |Die âPersonalunionâ der Banken mit der Industrie findet ihre ErgĂ€nzung in der âPersonalunionâ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: âFreiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewĂ€hrt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen könnenâ... âIm Aufsichtsrat einer GroĂbank sieht man gewöhnlich ⊠ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltung. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 225}} {{Zitat |[Es kommt] einerseits [zu] eine[r] immer gröĂere[n] Verschmelzung oder, nach einem treffenden Ausdruck von N.I. Bucharin, ein[em] Verwachsen des Bankkapitals mit dem Industriekapital, und anderseits ein HinĂŒberwachsen der Banken in Institutionen von wahrhaft âuniversalem Charakterâ.[âŠ] Die Verbindung mit der Industrie allgemein zu machen ist die eine, sie dauernd und intensiv zu machen die andere Tendenz [âŠ]. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 226-227}} {{Zitat |Ist das Monopol einmal zustande gekommen und schaltet und waltet es mit Milliarden, so durchdringt es mit absoluter Unvermeidlichkeit alle Gebiete des öffentlichen Lebens, ganz unabhĂ€ngig von der politischen Struktur und beliebigen anderen âDetails. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 241}} {{Zitat |Die Abmachungen zwischen den besonders groĂen Unternehmungen sind dabei derart, daĂ sie, wie Schilder âgelinde" sagte, âan Korruption gemahnen". Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England - das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierung in enger Verbindung stehen und beim AbschluĂ von Anleihen nicht so leicht âumgangen" werden können. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} '''Annahme 8''' Durch "Personalunion" der gröĂten Banken und Industrien bildet sich eine Finanzoligarchie, die den gröĂten Teil des Kapitals konzentriert und alle ökonomischen wie politischen Institutionen in ihre AbhĂ€ngigkeit bringt. {{Zitat |Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fĂŒnf GroĂbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine âPersonalunionâ hergestellt und in ihrer Hand die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den gröĂten Teil der Kapitalien und der GeldeinkĂŒnfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnissen ĂŒber ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bĂŒrgerlichen Gesellschaft spannt â das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304}} '''Annahme 9''' Das Finanzkapital zieht seine riesigen und zunehmenden Profite u.a. aus GrĂŒndungen, aus Staatsanleihen und besonders aus dem EmissionsgeschĂ€ft. Dadurch entwickelt und festigt das Finanzkapital seine Monopolstellung und die Finanzoligarchie ihre Herrschaft. {{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen HĂ€nden konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus GrĂŒndungen, aus dem EmissionsgeschĂ€ft [Anm. d. Red.: Erstmalige Herausgabe von Wertpapieren], aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} {{Zitat |Bei der Entwicklung und Festigung der Finanzoligarchie spielt die auĂerordentlich gewinnbringende Emission von Wertpapieren als eine der wichtigsten Transaktionen des Finanzkapitals eine sehr wichtige Rolle. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238}} <big>'''Historische Rolle'''</big> '''Annahme 1''' Im imperialistischen Kapitalismus ersetzen die Monopole das Prinzip der freien Konkurrenz durch monopolistische Prinzipien. Profitable GeschĂ€fte werden immer mehr durch das Ausnutzen der innerhalb der Finanzoligarchie geschaffenen Verbindungen abgeschlossen. {{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber ĂŒberall TrĂ€ger monopolistischer Prinzipien: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der âVerbindungen" zum Zweck eines profitablen GeschĂ€ftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daĂ ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} '''Annahme 2''' Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus. Dies ist erstens darin begrĂŒndet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine AbhĂ€ngigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse um die Aufteilung der Welt und die Beherrschung der LĂ€nder. {{Zitat |Einerseits die gigantischen AusmaĂe des in wenigen HĂ€nden konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein auĂergewöhnlich weiterverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalistischen und Unternehmer unterwirft; andererseits der verschĂ€rfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft ĂŒber andere LĂ€nder â all dies fĂŒhrt zum geschlossenen Ăbergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290}} '''Annahme 3''' Mit der voranschreitenden Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und der Entstehung von Monopolbanken kommt es formal zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Banken fĂŒhren Buch ĂŒber alle Produktionsmittel der Kapitalistenklasse und sammeln auch GeldeinkĂŒnfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und der oberen Schicht der Arbeiterklasse. Der Form halber ist der Ăbergangspunkt zu einer neuen Produktionsform also bereits erreicht. Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des groĂen monopolistischen Kapitals angepasst, welches sich den Mehrwert privat aneignet. Dieser Widerspruch aus vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung des Mehrwerts tritt in Monopolen, dem Entstehen der Finanzoligarchie und dem System von Finanzoperationen in Erscheinung. Die Privatproduktion steht ohne die Kontrolle des Privateigentums. {{Zitat |Mit den Banken ist âdie Form einer allgemeinen BuchfĂŒhrung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Formâ,âŻschrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im âKapitalâ (russ. Ăbersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angefĂŒhrten Daten ĂŒber das Wachstum des Bankkapitals, ĂŒber die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der GroĂbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese âallgemeine BuchfĂŒhrungâ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorĂŒbergehend, alle möglichen GeldeinkĂŒnfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine âallgemeine Verteilung der Produktionsmittelâ â das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwĂ€chst, von denen drei bis sechs GroĂbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland ĂŒber Milliarden und aber Milliarden verfĂŒgen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs âallgemeinâ, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des groĂen in erster Linie des allergröĂten, monopolistischen Kapitals angepaĂt, das unter VerhĂ€ltnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurĂŒckbleibt und die âSchwerindustrieâ sich alle ĂŒbrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} {{Zitat |Es ist dies die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst, und daher ein sich selbst aufhebender Widerspruch, der prima facie als bloĂer Ăbergangspunkt zu einer neuen Produktionsform sich darstellt. Als solcher Widerspruch stellt er sich dann auch in der Erscheinung dar. Er stellt in gewissen SphĂ€ren das Monopol her und fordert daher die Staatseinmischung heraus. Er reproduziert eine neue Finanzaristokratie, eine neue Sorte Parasiten in Gestalt von Projektenmachern, GrĂŒndern und bloĂ nominellen Direktoren; ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf GrĂŒndungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 454}} '''Annahme 4''' Die Entwicklung des Kapitalismus hin zum Imperialismus sorgt dafĂŒr, dass seine ökonomische Grundlage, die Warenproduktion â die zwar nach wie vor herrscht â durch FinanzgeschĂ€fte untergraben ist. Die Vergesellschaftung der Produktion dient nur den "Genies" der Finanzmachenschaften / Spekulanten. {{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daĂ die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor "herrscht" und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den "Genies" der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den - Spekulanten zugute. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}} <big>'''Erscheinungsform'''</big> '''Annahme 1''' Das ĂŒber Beteiligungen kontrollierte Vermögen umfasst ein Vielfaches des Wertes des Aktienbesitzes der Muttergesellschaft an der Tochter. Durch die stetig zunehmende Zersplitterung des Aktienbesitzes genĂŒgt ein immer kleinerer Besitzanteil am Tochterunternehmen, um die effektive Kontrolle auszuĂŒben. Anstatt der behaupteten Demokratisierung des Kapitals wird so stattdessen die Monopolisierung forciert. Hilfreich bei der Zersplitterung des Aktienbesitzes war die Möglichkeit, Aktien mit geringen Wertverbriefungen herauszugeben. Diese Möglichkeit erhöhte die Zahl der Einzelinvestoren deutlich und fĂŒhrte zur breiten Streuung des Aktienbesitzes in Klein- und Kleinstanteile. {{Zitat |Die Hauptaufmerksamkeit ist dem âBeteiligungssystemâ zuzuwenden, von dem oben bereits kurz die Rede war. Der deutsche Ăkonom Heymann, der diesem System wohl als erster Beachtung geschenkt hat, beschreibt das Wesen der Sache folgendermaĂen: âDer Leiter kontrolliert die Muttergesellschaft, diese die Tochtergesellschaften, diese wieder die Enkel usw., so daĂ man mit nicht allzu groĂem Kapital Riesengebiete der Produktion beherrschen kann; denn wenn immer die Herrschaft ĂŒber 50% des Kapitals zur Kontrolle genĂŒgt, so braucht der Leiter nur 1 Mill. zu besitzen, um schon 8 Mill. Kapital bei den Enkelgesellschaften kontrollieren zu können. Schachtelt er noch weiter, so kommt er auf 16 Mill., 32 Mill. usw.â In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daĂ der Besitz von 40% der Aktien genĂŒgt, um die Kontrolle ĂŒber eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten KleinaktionĂ€re hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die âDemokratisierungâ des Aktienbesitzes, von der bĂŒrgerliche Sophisten und opportunistische âAuch-Sozialdemokratenâ eine âDemokratisierung des Kapitalsâ, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}} {{Zitat |Aus diesem Grunde lĂ€Ăt ĂŒbrigens in den fortgeschritteneren oder Ă€lteren und âerfahrenerenâ kapitalistischen LĂ€ndern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. In Deutschland sind Aktien unter 1.000 Mark gesetzlich nicht zugelassen, und die deutschen Finanzmagnaten blicken neidvoll auf England, wo das Gesetz Aktien sogar von 1 Pfund Sterling (= 20 Mark, etwa 10 Rubel) gestattet. Siemens, einer der gröĂten Industriellen und âFinanzkönigeâ Deutschlands, erklĂ€rte in der Reichstagssitzung vom 7. Juni 1900 die âEin-Pfund-Aktie fĂŒr die Grundlage des britischen Imperialismusâ. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232}} '''Annahme 2''' Ein Finanzkapital ist also in der Regel ĂŒber ein weit verzweigtes Netz an Beteiligungen bzw. rechtlich unabhĂ€ngigen Tochtergesellschaften aufgestellt. Dies gibt der Muttergesellschaft einerseits eine beherrschende Position innerhalb des so entstehenden Geflechts von Unternehmungen, andererseits ermöglicht es der Muttergesellschaft auch, illegale GeschĂ€fte und Investitionen zu verschleiern. Das Beteiligungssystem ermöglicht es zudem, einzelne GeschĂ€ftsbereiche in Tochtergesellschaften auszugliedern, die dann bilanziell von der Muttergesellschaft getrennt sind. Dies fĂŒhrt - durch die Möglichkeit sich rechtzeitig durch AbstoĂen der Anteile aus dem nicht erfolgreichen GeschĂ€ft zurĂŒckzuziehen - zu einer gesteigerten Risikobereitschaft. {{Zitat |Aber das âBeteiligungssystemâ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht auĂerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen GeschĂ€ften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der âMuttergesellschaftâ fĂŒr die âTochtergesellschaftâ nichtverantwortlich, die als âselbstĂ€ndigâ gilt und vermittels derer sich alles âdrehenâ lĂ€Ăt. [Die im] Aktienwesen ganz alltĂ€glich[e] Bilanz-Equilibristik [Anm. d. Red.: etwa als âdie Kunst, die Bilanz ins Gleichgewicht zu bringenâ zu verstehen] macht es verstĂ€ndlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-AktionĂ€rs zu verhĂŒllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, wĂ€hrend der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trĂ€gt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 232-233}} {{Zitat |III. Bildung von Aktiengesellschaften. Hierdurch: 1. Ungeheure Ausdehnung der Stufenleiter der Produktion und Unternehmungen, die fĂŒr Einzelkapitale unmöglich waren. Solche Unternehmungen zugleich, die frĂŒher Regierungsunternehmungen waren, werden gesellschaftliche. 2. Das Kapital, das an sich auf gesellschaftlicher Produktionsweise beruht und eine gesellschaftliche Konzentration von Produktionsmitteln und ArbeitskrĂ€ften voraussetzt, erhĂ€lt hier direkt die Form von Gesellschaftskapital (Kapital direkt assoziierter Individuen) im Gegensatz zum Privatkapital, und seine Unternehmungen treten auf als Gesellschaftsunternehmungen im Gegensatz zu Privatunternehmungen. Es ist die Aufhebung des Kapitals als Privateigentum innerhalb der Grenzen der kapitalistischen Produktionsweise selbst. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 452}} '''Annahme 3''' Durch die Ăberkapitalisierung von Kapitalgesellschaften â also der Wertfestsetzung, die die tatsĂ€chliche Investitionsmenge ĂŒbersteigt â gelingt es dem Finanzkapital, die an der tatsĂ€chlich investierten Kapitalmenge gemessenen riesigen Profite zu verschleiern. Durch das diktieren von Monopolpreisen wird einerseits Konkurrenz auĂen vor gehalten, andererseits scheinen die relativen Profitraten geringer als sie im Vergleich zum investierten Kapital sind und das Kapital zieht Monopolprofite aus seinen GeschĂ€ften. {{Zitat |Hier eines der zahllosen von Hilferding angefĂŒhrten Beispiele fĂŒr das âWirtschaftenâ der amerikanischen Trusts: âIm Jahre 1887 grĂŒndete Havemeyer den Zuckertrust durch Verschmelzung von 15 kleinen Gesellschaften mit einem Gesamtkapital von 6œ Millionen Dollar. Das Kapital des Trusts wurde aber, wie der amerikanische Ausdruck lautet, âverwĂ€ssertâ und auf 50 Millionen festgesetzt. Diese âĂberkapitalisationâ nahm die kĂŒnftigen Monopolprofite vorweg, wie auch der Stahltrust â ebenfalls in Amerika â kĂŒnftige Monopolprofite vorwegnimmt, wenn er immer neue Eisenerzvorkommen aufkauft. Und in der Tat fĂŒhrte der Zuckertrust Monopolpreise ein und erzielte derartige Gewinne, daĂ er fĂŒr das siebenfach âverwĂ€sserteâ Kapital 10 Prozent Dividende auszahlen konnte, d.h. fast 70 Prozent auf das bei GrĂŒndung des Trusts tatsĂ€chlich einbezahlte Kapital! 1909 wies der Trust ein Kapital von 90 Mill. Dollar aus. Also in zweiundzwanzig Jahren mehr als eine Verzehnfachung des Kapitals.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236-237}} '''Annahme 4''' Ein weiteres Beispiel, wie das Finanzkapital seine Profite maximiert, ist die Spekulation mit GrundstĂŒcken in schnell wachsenden BallungsrĂ€umen in der Hoffnung auf hohe Profitraten. Das Finanzkapital verschmilzt dort mit Bau- und Immobilienkapitalen, mit Verkehrsbetrieben und der öffentlichen Verwaltung. Ziel ist es hier, durch die Aufwertung von GrundstĂŒcken, bspw. durch die Verbesserung der Verkehrsanbindung die Grundrenten steigen zu lassen. Besonders in diesen Bereichen, die starken öffentlich-rechtlichen Restriktionen unterliegen (um bauen zu können, benötigt man ein staatlich sanktioniertes Baurecht) ist eine starke Beteiligung und Einflussnahme auf die fĂŒhrenden Figuren der öffentlichen Verwaltung zu beobachten. Diese drĂŒckt sich bspw. dadurch aus, dass hĂ€ufig Lokalpolitiker in den AufsichtsrĂ€ten lokaler Sparkassen und Verkehrsunternehmen sitzen. {{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit GrundstĂŒcken in der Umgebung schnell wachsender GroĂstĂ€dte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente [Anm. der Red.: Die Grundrente stellt den Geldbetrag dar, den der GrundeigentĂŒmer fĂŒr die Nutzung des Grundeigentums fordert. Dieser an den GrundeigentĂŒmer zu entrichtende Preis fĂŒr die Bodennutzung ist ohne rationellen MaĂstab, da fĂŒr die Bereitstellung des Bodens keine gesellschaftliche Arbeit aufgewendet wurde] und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise fĂŒr GrundstĂŒcke, die Möglichkeit, diese in Parzellen gĂŒnstig zu verkaufen u.a.m., hĂ€ngt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den HĂ€nden groĂer Gesellschaften, die durch dasâŻBeteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift âDie Bankâ, der den Terrainhandel, die VerpfĂ€ndung von GrundstĂŒcken usw. speziell studierte, den âSumpfâ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit VorortgrundstĂŒcken, ZusammenbrĂŒche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau & Knauer, die ein Kapital von ungefĂ€hr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der âhöchst soliden und groĂenâ âDeutschen Bankâ, die natĂŒrlich nach dem âBeteiligungsâsystem, d.h. insgeheim, hinterrĂŒcks, tĂ€tig war und sich nach EinbuĂe von âbloĂâ 12 Millionen Mark aus der AffĂ€re zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrĂŒgerische Abmachungen mit der âehrlichenâ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemĂ€chtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}} '''Annahme 5''' In Zeiten des Aufschwungs wachsen die Profite des Finanzkapitals stark. Doch auch in Zeiten der Rezession findet es profitable GeschĂ€ftsgelegenheiten oder legt zumindest den Grundstein fĂŒr kĂŒnftige Profite. Dies geschieht bspw. durch das Aufkaufen insolventer oder in der Krise nicht profitabler Unternehmungen, die anschlieĂend im Profitinteresse des Finanzkapitals saniert, mit anderen GeschĂ€ftszweigen zusammengelegt oder direkt aufgelöst werden. So werden diese Unternehmungen in AbhĂ€ngigkeit vom Finanzkapital gebracht. {{Zitat |WĂ€hrend zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groĂ sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die GroĂbanken aber âbeteiligen sichâ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen âSanierungenâ und âReorganisationenâ. Bei den âSanierungenâ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird âdas Aktienkapital herabgesetzt; das heiĂt, das ErtrĂ€gnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein ErtrĂ€gnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genĂŒgenden Ertrag abwirft. Nebenbeiâ, fĂŒgt Hilferding hinzu, âsei bemerkt, daĂ diese Sanierungen und Reorganisationen fĂŒr die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes GeschĂ€ft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in AbhĂ€ngigkeit zu bringen.â| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}} ==Kapitalexport== '''Kurzdefinition''' Im imperialistischen Kapitalismus gewinnt der Kapitalexports gegenĂŒber dem Warenexport an Bedeutung. Kapitalexport meint dabei, dass Kapital ins Ausland exportiert wird, um dort profitabler investiert zu werden. Voraussetzung dafĂŒr ist ein ungeheurer KapitalĂŒberschuss, welcher in den LĂ€ndern des fortgeschrittenen Kapitalismus aufgrund der Herausbildung von Monopolen entstand. Die Notwendigkeit zum Kapitalexport besteht im Streben der am weitesten entwickelten kapitalistischen LĂ€nder die Profitrate weiter zu erhöhen. Da die Profitrate aufgrund von niedrigeren Boden- und Rohstoffpreisen und billigeren ArbeitskrĂ€ften in den kapitalistisch unterentwickelten LĂ€ndern höher ist, sind die Kapitalisten einerseits gewillt, andererseits durch die Konkurrenz gezwungen ihr Kapital möglichst gewinnbringend dort anzulegen. Es entwickelte sich zunehmend eine relative Ăberbevölkerung, also ein Teil der Arbeiterklasse, der fĂŒr die Kapitalverwertung im Inland nicht mehr nutzbar war. Gleichzeitig waren nun fast alle Regionen der Welt in das internationale kapitalistische System einbezogen. Dabei fĂŒhrt der Kapitalexport zu einer Produktivkraftentwicklung im Zielland des Kapitalexports, jedoch zu einer Hemmung der Produktivkraftentwicklung bis zu einem bestimmten Grade im exportierenden Land. Der Kapitalexport in England und einigen anderen entwickelten kapitalistischen LĂ€ndern Ă€uĂerte sich historisch besonders im Kolonialbesitz. WĂ€hrend England Kapital ĂŒberwiegend in die Industrie der Kolonien investiert (Kolonialimperialismus) findet der französische Kapitalexport ĂŒberwiegend in Form von Leihkapital in europĂ€ische Staatsanleihen statt (Wucherimperialismus). Deutschland bedient sich einer Mischform: Es wird Kapital in die Industrie amerikanischer Kolonien und in europĂ€ische Staatsanleihen investiert. Kapitalexport wurde ebenso als Mittel zur Förderung von Warenexport genutzt, da bspw. die Investitionen an Abnahmegarantien gekoppelt wurden. Die GeldmĂ€rkte erfĂŒllten die fremden AnsprĂŒche, auch wenn sie selbst nicht in bester Verfassung waren, um die Vorteile die daraus entstehen nicht der Konkurrenz zu ĂŒberlassen. <big>'''Wesen'''</big> '''Annahme 1''' Das Ziel des Kapitalexportes ist die Steigerung der Profitrate. Kapital wird dabei in kapitalistische LĂ€nder exportiert, in denen die Produktionskosten niedriger sind als in dem Land in dem das Kapital exportiert wird, was zur Steigerung der Profite fĂŒhrt. Den hoch entwickelten kapitalistischen LĂ€ndern fehlt der Spielraum fĂŒr profitable BetĂ€tigung im Inland, weswegen sie Kapital exportieren. {{Zitat |Wird Kapital ins Ausland geschickt, so geschieht es nicht, weil es absolut nicht im Inland beschĂ€ftigt werden könnte. Es geschieht, weil es zu höherer Profitrate im Auslande beschĂ€ftigt werden kann.| Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 266}} {{Zitat |Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, daĂ in einigen LĂ€ndern der Kapitalismus âĂŒberreif" geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum fĂŒr ârentable" BetĂ€tigung fehlt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}} '''Annahme 2''' WĂ€hrend im Kapitalismus der freien Konkurrenz der Warenexport bestimmend war, ist es nun im monopolistischen Stadium des Kapitalismus der Kapitalexport. {{Zitat |FĂŒr den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. FĂŒr den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}} <big>'''Entwicklung'''</big> '''Annahme 1''' Zentrale Voraussetzungen fĂŒr den Kapitalexport sind die am Anfang des 20. Jahrhunderts stattfindende Bildung von MonopolverbĂ€nden und eine Monopolstellung der reichsten LĂ€nder, in denen ein groĂer KapitalĂŒberschuss entstanden ist. {{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten in allen LĂ€ndern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen ĂŒberaus reichen LĂ€nder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige AusmaĂe erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer âKapitalĂŒberschuĂ" in den fortgeschrittenen LĂ€ndern. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244-245}} '''Annahme 2''' Weitere Voraussetzungen fĂŒr den Kapitalexport sind 1. die Einbindung der rĂŒckstĂ€ndigen LĂ€nder in das kapitalistische Weltsystem und 2. dass die Grundlagen fĂŒr industrielle Produktion (Infrastruktur, etc.) gegeben sind. {{Zitat |Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, daĂ eine Reihe rĂŒckstĂ€ndiger LĂ€nder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}} '''Annahme 3''' Der Kapitalexport fördert die kapitalistische Entwicklung der LĂ€nder, in die es exportiert wird, und hemmt zugleich zu einem gewissen Grad die Entwicklung in den exportierenden LĂ€ndern. Somit steigert der Kapitalexport schlussendlich auch die Entwicklung des Kapitalismus weltweit. {{Zitat |Der Kapitalexport beeinfluĂt in den LĂ€ndern, in die er sich ergieĂt, die kapitalistische Entwicklung, die er auĂerordentlich beschleunigt. Wenn daher dieser Export bis zu einem gewissen Grade die Entwicklung in den exportierenden LĂ€ndern zu hemmen geeignet ist, so kann dies nur um den Preis einer Ausdehnung und Vertiefung der weiteren Entwicklung des Kapitalismus in der ganzen Welt geschehen. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 247}} <big>'''Historische Einordnung'''</big> '''Annahme 1''' Im Zusammenhang mit dem ĂŒberschĂŒssigen Kapital entsteht eine relative Ăberbevölkerung, also ein Teil der Arbeiterklasse, der fĂŒr die Kapitalverwertung ĂŒberflĂŒssig wird. Das Kapital wird nicht in die weniger profitable heimische Industrie investiert und wird nicht zur Hebung des Lebensstandards der Massen verwendet. {{Zitat |Der Kapitalexport beeinfluĂt in den LĂ€ndern, in die er sich ergieĂt, die kapitalistische Entwicklung, die er auĂerordentlich beschleunigt. Wenn daher dieser Export bis zu einem gewissen Grade die Entwicklung in den exportierenden LĂ€ndern zu hemmen geeignet ist, so kann dies nur um den Preis einer Ausdehnung und Vertiefung der weiteren Entwicklung des Kapitalismus in der ganzen Welt geschehen. | Marx-Engels-Werke 25: Kapital, Dritter Band, S. 266}} {{Zitat |Aber dann wĂ€re der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die UngleichmĂ€Ăigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der KapitalĂŒberschuĂ nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet - denn das wĂŒrde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten -, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rĂŒckstĂ€ndige LĂ€nder. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}} '''Annahme 2''' Der Kapitalexport ist Mittel des Finanzkapitals zur Aufteilung der Welt unter den kapitalexportierenden LĂ€ndern. {{Zitat |Die kapitalexportierenden LĂ€nder haben, im ĂŒbertragenen Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital fĂŒhrt auch zurâŻdirektenâŻAufteilung der Welt. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}} <big>'''Erscheinungsform'''</big> '''Annahme 1''' Eine hĂ€ufige Erscheinungsform des Kapitalexports ist seine Funktion als Kredit an den die Bedingung geknĂŒpft wird Waren des Kreditgebenden Landes zu kaufen. Damit fördert der Kapitalexport den Warenexport. {{Zitat |Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daĂ ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. [Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen.] Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} '''Annahme 2''' Der Kapitalexport in England und einigen anderen entwickelten kapitalistischen LĂ€ndern Ă€uĂerte sich besonders im Kolonialbesitz. WĂ€hrend England Kapital ĂŒberwiegend in die Industrie der Kolonien investiert (Kolonialimperialismus) findet der französische Kapitalexport ĂŒberwiegend in Form von Leihkapital in europĂ€ische Staatsanleihen statt (Wucherimperialismus). Deutschland bedient sich einer Mischform: Es wird Kapital in die Industrie amerikanischer Kolonien und in europĂ€ische Staatsanleihen investiert. {{Zitat |In England steht an erster Stelle sein Kolonialbesitz, der auch in Amerika sehr groĂ ist (z.B. Kanada), von Asien usw. gar nicht zu reden. Die riesige Ausfuhr von Kapital ist hier aufs engste mit den riesigen Kolonien verknĂŒpft, von deren Bedeutung fĂŒr den Imperialismus weiter unten noch die Rede sein wird. Anders in Frankreich. Frankreich hat sein exportiertes Kapital hauptsĂ€chlich in Europa und vor allem in RuĂland (nicht weniger als 10 Milliarden Francs) investiert; dabei handelt es sich vorwiegend um Leihkapital, um Staatsanleihen, und nicht um Kapital das in Industriebetrieben angelegt ist. Zum Unterschied vom englischen Kolonialimperialismus könnte man den französischen einen Wucherimperialismus nennen. In Deutschland finden wir eine dritte Abart: Deutschlands Kolonialbesitz ist nicht groĂ, und sein im Ausland investiertes Kapital verteilt sich am gleichmĂ€Ăigsten auf Europa und Amerika. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 247}} {{Zitat |Eine groĂe Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegrĂŒndeten Banken und ihre Niederlassungen. Die deutschen Imperialisten betrachten voller Neid die "alten" KoloniallĂ€nder, die sich in dieser Hinsicht besonders "erfolgreich" versorgt haben: Im Jahre 1904 besaĂ England 50 Kolonialbanken mit 2.279 Niederlassungen (1910: 72 mit 5.449 Niederlassungen); Frankreich 20 mit 436 Niederlassungen; Holland 16 mit 68 und Deutschland "im ganzen nur" 13 mit 70 Niederlassungen.(69) Die amerikanischen Kapitalisten beneiden ihrerseits die englischen und deutschen. "In SĂŒdamerika", klagten sie 1915, "haben 5 deutsche Banken 40 Filialen und 5 englische haben 70 Filialen ... England und Deutschland haben in den letzten 25 Jahren in Argentinien, Brasilien und Uruguay annĂ€hernd 4.000 Millionen Dollar angelegt und sind infolgedessen zu 46% an dem gesamten Handel dieser drei LĂ€nder beteiligt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}} '''Annahme 3''' Viele Fremdstaaten wandten sich an die groĂen GeldmĂ€rkte mit teilweise sehr dringlichen Anleiheforderungen. Die GeldmĂ€rkte erfĂŒllen die fremden AnsprĂŒche, auch wenn sie selbst nicht in bester Verfassung sind, um die Vorteile die daraus entstehen nicht der Konkurrenz zu ĂŒberlassen. {{Zitat |Die kapitalexportierenden LĂ€nder haben fast immer die Möglichkeit, gewisse âVorteile" zu erlangen, deren Charakter die Eigenart der Epoche des Finanzkapitals und der Monopole ins rechte Licht setzt. Die Berliner Zeitschrift "Die Bank" schrieb z.B. im Oktober 1913 folgendes: "[âŠ] Zahlreiche Fremdstaaten, von Spanien bis zu den BalkanlĂ€ndern, von RuĂland bis zu Argentinien, Brasilien und China, treten offen oder heimlich an die groĂen GeldmĂ€rkte mit ihren Anleiheforderungen heran, von denen einige auĂerordentlich dringlich sind. Die GeldmĂ€rkte sind zwar in keiner sonderlich guten Verfassung, und auch die politischen Aspekte sind noch immer nicht rosenfarbig. Aber dennoch wagt keiner der GeldmĂ€rkte, sich den fremden AnsprĂŒchen zu versagen, aus Furcht, der Nachbar könne ihm zuvorkommen, die Anleihe bewilligen und sich damit ein Anrecht auf gewisse kleine Gegendienste sichern. Es fĂ€llt ja bei solchen internationalen GeschĂ€ften immer etwas fĂŒr den Geldgeber ab, sei es ein handelspolitischer Vorteil oder eine Kohlenstation, sei es ein Hafenbau, eine fette Konzession oder ein Kanonen-Auftrag. | Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 247-248}} ==Die Aufteilung der Welt unter die KapitalistenverbĂ€nde== '''Kurzdefinition''' KapitalistenverbĂ€nde bezeichnet im Allgemeinen die unterschiedlichen ZusammenschlĂŒsse der Kapitalien um gemeinsam aus einer Monopolstellung zu agieren. Dabei kann die Art und die Form der Zusammenarbeit stark variieren. Verschiedene Unternehmen können zu einem Trust oder Konzern verschmelzen. WĂ€hrend bei einem Trust ein neues Unternehmen entsteht, bleiben in einem Konzern die Unternehmen selbststĂ€ndig, arbeiten aber unter einer einheitlichen Leitung. Unternehmen können auch ohne formal-juristische FormĂ€nderung zu einem Kartell zusammenschlieĂen. Dies bedeutet, dass sie meistens innerhalb einer Branche vertraglich Absprachen halten um den Wettbewerb untereinander zu begrenzen. Das Syndikat ist eine besondere Form des Kartells, welches insbesondere die Preise und den Absatz der Mitglieder bestimmt. Ausschlaggebend ist jedoch die Zusammenarbeit der Kapitalien im Sinne eines Monopols. '''Schlagworte''' Kartelle, Syndikate, Trusts, KapitalistenverbĂ€nde, MonopolverbĂ€nde, UngleichmĂ€Ăige Entwicklung, Neuaufteilung, Ultraimperialismus, Kautsky '''Annahme 1''' Der Binnenmarkt hĂ€ngt untrennbar mit dem Weltmarkt zusammen. Der wachsende Kapitalexport schafft den Weltmarkt und fĂŒhrt zu Abmachungen der kapitalexportierenden Monopolkapitale und damit zu Bildung von internationalen Kartellen. {{Zitat |Die MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten â die Kartelle, Syndikate und Trusts â teilen vor allem den ganzen Binnenmarkt unter sich auf, indem sie die Produktion des betreffenden Landes mehr oder weniger vollstĂ€ndig an sich reiĂen. Aber der Binnenmarkt hĂ€ngt unter dem Kapitalismus untrennbar mit dem AuĂenmarkt zusammen. Der Kapitalismus hat lĂ€ngst den Weltmarkt geschaffen. Und in dem MaĂe, wie der Kapitalexport wuchs und die auslĂ€ndischen und kolonialen Verbindungen und âEinfluĂsphĂ€renâ der riesigen MonopolverbĂ€nde sich in jeder Weise erweiterten, kam es ânatĂŒrlicherweiseâ unter ihnen zu Abmachungen im WeltmaĂstab, zur Bildung von internationalen Kartellen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 250}} '''Annahme 2''' Die Konkurrenz gegen einheitlich und weltweit handelnde Trusts ist schwer. Eine Aufteilung der Branche weltweit unter zwei mĂ€chtige Trusts schlieĂt Neuaufteilung nicht aus, sobald das KrĂ€fteverhĂ€ltnis infolge der ungleichmĂ€Ăigen Entwicklung, oder infolge von Kriegen, ZusammenbrĂŒchen etc. sich Ă€ndert. {{Zitat |Man versteht ohne weiteres, wie schwierig die Konkurrenz gegen diesen faktisch einheitlichen, die gesamte Welt umspannenden Trust ist, der ĂŒber ein Kapital von mehreren Milliarden verfĂŒgt und seineâŻâNiederlassungenâ, Vertretungen, Agenturen, Verbindungen an allen Ecken und Enden der Welt hat. Aber eine Aufteilung der Welt unter zwei mĂ€chtige Trusts schlieĂt natĂŒrlich eine Neuaufteilung nicht aus, sobald das KrĂ€fteverhĂ€ltnis â infolge der ungleichmĂ€Ăigen Entwicklung, von Kriegen, ZusammenbrĂŒchen usw. â sich Ă€ndert.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 252}} '''Annahme 3''' BĂŒrgerliche Schriftsteller (auch Kautsky) behaupten, dass internationale Kartelle die Erhaltung des Friedens erhoffen lassen. Das ist theoretisch Unsinn und praktisch Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen.<br/>Internationale Kartelle zeigen, bis zu welchem Grad Monopole angewachsen sind und worum es im Kampf zwischen den KapitalistenverbĂ€nden geht.<br/>Die Form des Kampfes kann sich Ă€ndern, aber das Wesen und sein Klasseninhalt nicht.<br/>Es ist im Interesse der deutschen Bourgeoisie, den Inhalt des ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und nur die Form des Kampfes hervorzukehren.<br/>Kapitalisten teilen die Welt unter sich auf, weil die Stufe der Konzentration sie dazu zwingt. Die Aufteilung wird nach Macht â nach Kapital â vorgenommen.<br/>Macht wechselt aber mit der ökonomischen und politischen Entwicklung.<br/>Um Machtverschiebungen zu verstehen, muss man wissen, ob sie ökonomischer oder auĂerökonomischer Natur (Krieg) sind. Aber das ist eine nebensĂ€chliche Frage. Es Ă€ndert nichts an der grundlegenden Anschauung ĂŒber die jĂŒngste Epoche des Kapitalismus.<br/>Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den KapitalistenverbĂ€nden durch die Frage nach der Form zu ersetzen, heiĂt zum Sophismus abzugleiten.<br/>Unter den KapitalistenverbĂ€nden bilden sich bestimmte Beziehungen auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt heraus. Daneben und im Zusammenhang damit bilden sich zwischen den politischen VerbĂ€nden, den Staaten, bestimmte Beziehungen auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt heraus. {{Zitat |Manche bĂŒrgerliche Schriftsteller (denen sich jetzt auch K. Kautsky zugesellt hat, der seiner marxistischen Einstellung, z.B. von 1909, völlig untreu geworden ist) gaben der Meinung Ausdruck, daĂ die internationalen Kartelle, als eine der am klarsten ausgeprĂ€gten Erscheinungsformen der Internationalisierung des Kapitals, die Erhaltung des Friedens zwischen den Völkern im Kapitalismus erhoffen lassen. Diese Ansicht ist theoretisch völlig unsinnig und praktisch ein Sophismus, eine unehrliche Methode, den schlimmsten Opportunismus zu verteidigen. Die internationalen Kartelle zeigen, bis zu welchem Grade die kapitalistischen Monopole jetzt angewachsen sind und worum der Kampf zwischen den KapitalistenverbĂ€nden geht. Dieser letzte Umstand ist der wichtigste; nur er allein macht uns den historisch-ökonomischen Sinn des Geschehens klar, denn die Form des Kampfes kann wechseln und wechselt bestĂ€ndig aus verschiedenen, verhĂ€ltnismĂ€Ăig untergeordneten und zeitweiligen GrĂŒnden, aber das Wesen des Kampfes, sein Klasseninhalt, kann sich durchaus nicht Ă€ndern, solange es Klassen gibt. SelbstverstĂ€ndlich liegt es im Interesse z.B. der deutschen Bourgeoisie, auf deren Seite dem Wesen der Sache nach Kautsky in seinen theoretischen Darlegungen ĂŒbergegangen ist (wovon noch die Rede sein wird), den Inhalt des heutigen ökonomischen Kampfes (Teilung der Welt) zu vertuschen und bald diese, bald jene Form des Kampfes hervorzukehren. Denselben Fehler begeht Kautsky. Und es handelt sieh [!] natĂŒrlich nicht um die deutsche, sondern um die internationale Bourgeoisie. Die Kapitalisten teilen die Welt nicht etwa aus besonderer Bosheit unter sich auf, sondern weil die erreichte Stufe der Konzentration sie zwingt, diesen Weg zu beschreiten, um Profite zu erzielen; dabei wird die Teilung ânach dem Kapitalâ, ânach der Machtâ vorgenommen â eine andere Methode der Teilung kann es im System der Warenproduktion und des Kapitalismus nicht geben. Die Macht aber wechselt mit der ökonomischen und politischen Entwicklung; um zu begreifen, was vor sich geht, muĂ man wissen, welche Fragen durch Machtverschiebungen entschieden werden; ob diese Verschiebungen nun âreinâ ökonomischer Natur oder auĂerökonomischer (z.B. militĂ€rischer) Art sind, ist eine nebensĂ€chliche Frage, die an den grundlegenden Anschauungen ĂŒber die jĂŒngste Epoche des Kapitalismus nichts zu Ă€ndern vermag. Die Frage nach dem Inhalt des Kampfes und der Vereinbarungen zwischen den KapitalistenverbĂ€nden durch die Frage nach der Form des Kampfes und der Vereinbarungen (heute friedlich, morgen nicht friedlich, ĂŒbermorgen wieder nicht friedlich) ersetzen heiĂt zum Sophisten herabsinken. <br/>Die Epoche des jĂŒngsten Kapitalismus zeigt uns, daĂ sich unter den KapitalistenverbĂ€nden bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der ökonomischen Aufteilung der Welt, daĂ sich aber daneben und im Zusammenhang damit zwischen den politischen VerbĂ€nden, den Staaten, bestimmte Beziehungen herausbilden auf dem Boden der territorialen Aufteilung der Welt, des Kampfes um die Kolonien, âdes Kampfes um das Wirtschaftsgebietâ| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 257-8}} '''Annahme 4''' Kolonialpolitik hat die Besitzergreifung unbesetzter LĂ€nder durch die kapitalistischen LĂ€nder beendet, die Welt ist aufgeteilt. Es kommen nur noch Neuaufteilungen in Frage.<br/>Das ist die Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknĂŒpft ist mit dem Finanzkapital. {{Zitat |In dem Sinne, daĂ die Kolonialpolitik der kapitalistischen LĂ€nder die Besitzergreifung unbesetzter LĂ€nder auf unserem Planeten beendet hat. Die Welt hat sich zum erstenmal [!] als bereits aufgeteilt erwiesen, so daĂ in der Folge nur noch Neuaufteilungen in Frage kommen, d.h. der Ăbergang von einem âBesitzerâ auf den anderen, nicht aber die Besitzergreifung herrenlosen Landes.<br/>Wir leben folglich in einer eigenartigen Epoche der kolonialen Weltpolitik, die aufs engste verknĂŒpft ist mit âder jĂŒngsten Entwicklungsstufe des Kapitalismusâ, mit dem Finanzkapital.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 259}} ==Die Aufteilung der Welt unter die GroĂmĂ€chte== '''Kurzdefinition''' Eines der grundlegenden Merkmale des Imperialismus ist die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen GroĂmĂ€chten. Die territoriale Aufteilung der Welt ist im Imperialismus abgeschlossen, die KĂ€mpfe werden nun verschĂ€rft um die Neuaufteilung der Welt gefĂŒhrt. Das Finanzkapital ist eine solch gewaltige ökonomische Macht, dass es politisch unabhĂ€ngige Staaten ebenso unterwerfen kann wie Kolonien. Dadurch entstehen viele verschiedene Ăbergangsformen der staatlichen, finanziellen und diplomatischen AbhĂ€ngigkeit. '''Schlagworte''' Neuaufteilung, Finanzkapital, Kolonien, Opportunismus, Syndikate, Trusts, Kautsky, Merkmale '''Einordnung''' Der Vorgang der (Neu-)Aufteilung der Welt unter die GroĂmĂ€chte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' Der Ăbergang zum Stadiums des Monopolkapitalismus, des Finanzkapitals ist verknĂŒpft mit der VerschĂ€rfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt. {{Zitat |Unzweifelhaft ist daher die Tatsache, daĂ der Ăbergang des Kapitalismus zum Stadium des Monopolkapitalismus, zum Finanzkapital, mit einer VerschĂ€rfung des Kampfes um die Aufteilung der Welt verknĂŒpft ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 260}} '''Annahme 2''' Unterwerfung unabhĂ€ngiger Staaten unter das Finanzkapital, insbesondere halbkolonialer LĂ€nder: Das Finanzkapital mit seiner weltumspannenden Macht ist imstande, politisch unabhĂ€ngige Staaten zu unterwerfen. Die gröĂten Vorteile fĂŒr das Finanzkapital ergeben sich dabei aus der Unterwerfung unabhĂ€ngiger Staaten durch Verlust ihrer politischen UnabhĂ€ngigkeit. Neben vollstĂ€ndig unterworfenen Staaten existieren dabei als "Mittelding" halbkoloniale LĂ€nder mit Ăbergangsstadien politischer UnabhĂ€ngigkeit. Diese sind formal unabhĂ€ngig, jedoch in ein Netz finanzieller und diplomatischer ZusammenhĂ€nge verstrickt und damit in Wirklichkeit abhĂ€ngig vom imperialistischen Finanzkapital. {{Zitat |Das Finanzkapital ist eine so gewaltige, man darf wohl sagen, entscheidende Macht in allen ökonomischen und in allen internationalen Beziehungen, daĂ es sich sogar Staaten unterwerfen kann und tatsĂ€chlich auch unterwirft, die volle politische UnabhĂ€ngigkeit genieĂen; wir werden sogleich Beispiele dafĂŒr sehen. Aber selbstverstĂ€ndlich bietet dem Finanzkapital die meisten âAnnehmlichkeitenâ und die gröĂten Vorteile eine solche Unterwerfung, die mit dem Verlust der politischen UnabhĂ€ngigkeit der LĂ€nder und Völker, die unterworfen werden, verbunden ist. Die halbkolonialen LĂ€nder sind in dieser Beziehung als âMitteldingâ typisch. Der Kampf um diese halbabhĂ€ngigen LĂ€nder muĂte begreiflicherweise besonders akut werden in der Epoche des Finanzkapitals, als die ĂŒbrige Welt bereits aufgeteilt war.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264}} '''Annahme 3''' HĂ€ufig beschrĂ€nken sich Analysen der Weltpolitik auf eine reine Formanalyse: Der Imperialismus der heutigen Zeit wird mit historisch anderen Beispielen wie dem Römischen Reich verglichen, als sei damit irgendetwas erklĂ€rt. Eine solche Kritik ist zwangslĂ€ufig opportunistisch, da sie vom Klassencharakter des Imperialismus absieht und damit den wahren Gegner nicht erkennt: Die MonopolverbĂ€nde in ihrer weltweiten Konkurrenz.<br/>Grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der MonopolverbĂ€nde. Diese Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefasst werden.<br/>Kolonialbesitz bietet volle GewĂ€hr ĂŒber den Erfolg der Monopole.<br/>Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stĂ€rker der Rohstoffmangel, die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt ausgeprĂ€gt sind, desto erbitterter ist der Kampf um Kolonien. {{Zitat |Kolonialpolitik und Imperialismus hat es auch vor dem jĂŒngsten Stadium des Kapitalismus und sogar vor dem Kapitalismus gegeben. Das auf Sklaverei beruhende Rom trieb Kolonialpolitik und war imperialistisch. Aber âallgemeineâ Betrachtungen ĂŒber den Imperialismus, die den radikalen Unterschied zwischen den ökonomischen Gesellschaftsformationen vergessen oder in den Hintergrund schieben, arten unvermeidlich in leere BanalitĂ€ten oder Flunkereien aus, wie etwa der Vergleich des âgröĂeren Rom mit dem gröĂeren Britannienâ. Selbst die kapitalistische Kolonialpolitik der frĂŒheren Stadien des Kapitalismus unterscheidet sich wesentlich von der Kolonialpolitik des Finanzkapitals. <br/>Die grundlegende Besonderheit des modernen Kapitalismus ist die Herrschaft der MonopolverbĂ€nde der GroĂunternehmer. Derartige Monopole sind am festesten, wenn alle Rohstoffquellen in einer Hand zusammengefaĂt werden, und wir haben gesehen, wie eifrig die internationalen KapitalistenverbĂ€nde bemĂŒht sind, dem Gegner jede Konkurrenz unmöglich zu machen, wie eifrig sie bemĂŒht sind, z.B. Eisenerzlager oder Petroleumquellen usw. aufzukaufen. Einzig und allein der Kolonialbesitz bietet volle GewĂ€hr fĂŒr den Erfolg der Monopole gegenĂŒber allen ZufĂ€lligkeiten im Kampfe mit dem Konkurrenten â bis zu einer solchen ZufĂ€lligkeit einschlieĂlich, daĂ der Gegner auf den Wunsch verfallen könnte, sich hinter ein Gesetz ĂŒber ein Staatsmonopol zu verschanzen. Je höher entwickelt der Kapitalismus, je stĂ€rker fĂŒhlbar der Rohstoffmangel, je schĂ€rfer ausgeprĂ€gt die Konkurrenz und die Jagd nach Rohstoffquellen in der ganzen Welt sind, desto erbitterter ist der Kampf um die Erwerbung von Kolonien.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 264-5}} '''Annahme 4''' Hinweise, man könne Rohstoffe auf dem freien Markt ohne kostspielige Kolonialpolitik erhalten und das Angebot durch Steigerung der Landwirtschaft steigern, lassen die wichtigste Besonderheit â das Monopol â auĂer Acht. Der freie Markt rĂŒckt in die Vergangenheit, Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag ein.<br/>Eine Hebung der Landwirtschaft wĂŒrde die Hebung des Lebensstandards der Bevölkerung bedeuten. Das wĂ€re aber eine Erhöhung der Löhne.<br/> Trusts, die fĂ€hig wĂ€ren, sich um die Lage der Massen zu kĂŒmmern, sind Phantasie sĂŒĂlicher Reformer. {{Zitat |NatĂŒrlich versuchen bĂŒrgerliche Reformer, darunter besonders die Kautskyaner von heute, die Bedeutung derartiger Tatsachen durch den Hinweis abzuschwĂ€chen, daĂ man Rohstoffe ohne die âkostspielige und gefĂ€hrlicheâ Kolonialpolitik auf dem freien Markt erhalten âkönneâ, daĂ man das Angebot an Rohstoffen durch âeinfacheâ Hebung der Landwirtschaft ĂŒberhaupt gewaltig steigern âkönneâ. Aber derartige Hinweise verwandeln sich in eine Apologie des Imperialismus, in dessen Beschönigung, denn sie beruhen auf der AuĂerachtlassung der wichtigsten Besonderheit des modernen Kapitalismus: der Monopole. Der freie Markt rĂŒckt immer mehr in die Vergangenheit, monopolistische Syndikate und Trusts engen ihn von Tag zu Tag mehr ein, die âeinfacheâ Hebung der Landwirtschaft aber lĂ€uft auf eine Hebung der Lage der Massen, auf eine Erhöhung der Löhne und eine Verminderung des Profits hinaus. Wo existieren jedoch, auĂer in der Phantasie sĂŒĂlicher Reformer, Trusts, die fĂ€hig wĂ€ren, sich um die Lage der Massen zu kĂŒmmern, anstatt Kolonien zu erobern?| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 265}} '''Annahme 5''' Das Finanzkapital des Imperialismus muss sich die Welt ökonomisch und politisch aufteilen. In diesem Prozess schafft es sich verschiedene Formen der staatlichen AbhĂ€ngigkeiten, die im Unterschied zum einfachen System der zwei Hauptgruppen (mit LĂ€ndern, die Kolonien besitzen und den Kolonien selber) die AbhĂ€ngigkeiten stark verdecken können, z. B. hinter der formalen SouverĂ€nitĂ€t der eigentlich abhĂ€ngigen LĂ€nder.<br/>Diese sind in ein Netz finanzieller und diplomatischer AbhĂ€ngigkeit verstrickt. {{Zitat |Spricht man von der Kolonialpolitik in der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muĂ bemerkt werden, daĂ das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der GroĂmĂ€chte um die ökonomische und politische Aufteilung der Welt hinauslĂ€uft, eine ganze Reihe von Ăbergangsformen der staatlichen AbhĂ€ngigkeit schaffen. Typisch fĂŒr diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von LĂ€ndern â die Kolonien besitzenden und die Kolonien selber â, sondern auch die verschiedenartigen Formen der abhĂ€ngigen LĂ€nder, die politisch, formal selbstĂ€ndig, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer AbhĂ€ngigkeit verstrickt sind.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 267}} '''Annahme 6''' Deshalb muss man â ohne zu vergessen, dass alle Definitionen ĂŒberhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen ZusammenhĂ€nge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann â eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fĂŒnf seiner grundlegenden Merkmale enthalten wĂŒrde: {{Zitat |Deshalb muĂ man â ohne zu vergessen, daĂ alle Definitionen ĂŒberhaupt nur bedingte und relative Bedeutung haben, da eine Definition niemals die allseitigen ZusammenhĂ€nge einer Erscheinung in ihrer vollen Entfaltung umfassen kann â eine solche Definition des Imperialismus geben, die folgende fĂŒnf seiner grundlegenden Merkmale enthalten wĂŒrde:<br/>1. Konzentration der Produktion und des Kapitals, die eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht hat, daĂ sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen; 2. Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital und Entstehung einer Finanzoligarchie auf der Basis dieses âFinanzkapitalsâ; 3. der Kapitalexport, zum Unterschied vom Warenexport, gewinnt besonders wichtige Bedeutung; 4. es bilden sich internationale monopolistische KapitalistenverbĂ€nde, die die Welt unter sich teilen, und 5. die territoriale Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen GroĂmĂ€chte ist beendet. Der Imperialismus ist der Kapitalismus auf jener Entwicklungsstufe, wo die Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals sich herausgebildet, der Kapitalexport hervorragende Bedeutung gewonnen, die Aufteilung der Welt durch die internationalen Trusts begonnen hat und die Aufteilung des gesamten Territoriums der Erde durch die gröĂten kapitalistischen LĂ€nder abgeschlossen ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 270-71}} ==Der Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus== '''Kurzdefinition''' Charakteristisch fĂŒr den Imperialismus als besonderes Stadium des Kapitalismus ist die Entstehung von Finanzkapital, welches nicht nur Agrarregionen, sondern auch Industriegebiete unterwirft. Die Neuaufteilung der Welt zwingt imperialistische Staaten, beliebige LĂ€nder in AbhĂ€ngigkeit zu bringen. Das Finanzkapital verschĂ€rft die WidersprĂŒche im Imperialismus, und seine AggressivitĂ€t ist nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zu begrĂŒnden. Eine Trennung von imperialistischer Politik und Ăkonomie kommt zwingend zu falschen Analysen. Im Imperialismus kann es zu Stagnation und FĂ€ulnis kommen, da Monopole Preise kĂŒnstlich festsetzen und den technologischen Fortschritt vorĂŒbergehend aufhalten können. '''Schlagworte''' Finanzkapital, Annexion, FĂ€ulnis, Obsolenz, Stagnation, Fortschritt '''Einordnung''' Die Besonderheit des Imperialismus als jĂŒngstes Stadium des Kapitalismus wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' FĂŒr den Imperialismus ist die Entstehung des Finanzkapitals charakteristisch und dass nicht mehr nur einfache Agrarregionen, sondern auch hochentwickeltere Industriegebiete mit ihrem Finanzkapital annektiert werden. Kautskys Annahme, es gehe nur um die Annexion lĂ€ndlicher Gebiete fĂŒr die Ausweitung der Industrie, ist historisch und theoretisch falsch: das Finanzkapital sucht im Imperialismus Anlagemöglichkeiten in bereits bestehenden Industrien und zielt nicht auf eine Entwicklung unterentwickelter Gebiete ab. Die abgeschlossene Aufteilung der Erde zwingt bei Neuaufteilungen, die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken.<br/>Dabei geht es im Wettbewerb der imperialistischen Staaten auch vor allem um die SchwĂ€chung des Konkurrenten durch Untergrabung seiner Hegemonie in einem anderen Land. {{Zitat |Imperialismus ist Drang nach Annexionen â darauf lĂ€uft der politische Teil der Kautskyschen Definition hinaus. Er ist richtig, aber höchst unvollstĂ€ndig, denn politisch ist Imperialismus ĂŒberhaupt Drang nach Gewalt und Reaktion. Uns beschĂ€ftigt jedoch hier die ökonomische Seite der Frage, die Kautsky selbst in seine Definition hineingebracht hat. Die Unrichtigkeiten in Kautskys Definition springen in die Augen. FĂŒr den Imperialismus ist ja gerade nicht das Industrie-, sondern das Finanzkapital charakteristisch. Es ist kein Zufall, daĂ in Frankreich gerade die besonders rasche Entwicklung des Finanzkapitals bei gleichzeitiger SchwĂ€chung des Industriekapitals seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Ă€uĂerste VerschĂ€rfung der annexionistischen (Kolonial-) Politik hervorgerufen hat. FĂŒr den Imperialismus ist gerade das Bestreben charakteristisch, nicht nur agrarische Gebiete, sondern sogar höchst entwickelte Industriegebiete zu annektieren (Deutschlands GelĂŒste auf Belgien, Frankreichs auf Lothringen), denn erstens zwingt die abgeschlossene Aufteilung der Erde, bei einer Neuaufteilung die Hand nach jedem beliebigen Land auszustrecken, undâŻzweitens ist fĂŒr den Imperialismus wesentlich der Wettkampf einiger GroĂmĂ€chte in ihrem Streben nach Hegemonie, d.h. nach der Eroberung von LĂ€ndern, nicht so sehr direkt fĂŒr sich als vielmehr zur SchwĂ€chung des Gegners und Untergrabung seiner Hegemonie (fĂŒr Deutschland ist Belgien von besonderer Wichtigkeit als StĂŒtzpunkt gegen England; fĂŒr England Bagdad als StĂŒtzpunkt gegen Deutschland usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 272-273}} '''Annahme 2''' Kautsky trennt die Politik des Imperialismus von seiner Ăkonomik, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital bevorzugten Politik spricht. Angeblich ist eine andere, bĂŒrgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals möglich.<br/>Monopole in der Wirtschaft sollen vereinbar sein mit einer nicht monopolistischen, nicht annexionistischen, nicht gewalttĂ€tigen Politik.<br/>Als ob eine territoriale Neuaufteilung der Erde, die die Grundlage des Wettkampfs der kapitalistischen GroĂmĂ€chte ist, vereinbar wĂ€re mit einer nicht imperialistischen Politik.<br/>Das Resultat ist die Abstumpfung der fundamentalsten WidersprĂŒche des Kapitalismus, anstatt einer EnthĂŒllung ihrer Tiefe. Das Resultat ist bĂŒrgerlicher Reformismus. {{Zitat |Kautskys Definition ist nicht nur unrichtig und unmarxistisch. Sie dient als BegrĂŒndung fĂŒr ein ganzes System von Auffassungen, die auf der ganzen Linie sowohl mit der marxistischen Theorie als auch mit der marxistischen Praxis brechen, wovon spĂ€ter noch die Rede sein wird. Ganz und gar unernst ist der von Kautsky entfachte Streit um Worte, nĂ€mlich ob das jĂŒngste Stadium des Kapitalismus als Imperialismus oder als Stadium des Finanzkapitals anzusprechen sei. Man nenne es, wie man will â darauf kommt es nicht an. Wesentlich ist, daĂ Kautsky die Politik des Imperialismus von seiner Ăkonomik trennt, indem er von Annexionen als der vom Finanzkapital âbevorzugtenâ Politik spricht und ihr eine angeblich andere bĂŒrgerliche Politik auf derselben Basis des Finanzkapitals entgegenstellt. Es kommt so heraus, als ob die Monopole in der Wirtschaft vereinbar wĂ€ren mit einem nicht monopolistischen, nicht gewalttĂ€tigen, nicht annexionistischen Vorgehen in der Politik. Als ob die territoriale Aufteilung der Welt, die gerade in der Epoche des Finanzkapitals beendet wurde und die die Grundlage fĂŒr die Eigenart der jetzigen Formen des Wettkampfs zwischen den kapitalistischen GroĂstaaten bildet, vereinbar wĂ€re mit einer nicht imperialistischen Politik. Das Resultat ist eine Vertuschung, eine Abstumpfung der fundamentalsten WidersprĂŒche des jĂŒngsten Stadiums des Kapitalismus statt einer EnthĂŒllung ihrer Tiefe, das Resultat ist bĂŒrgerlicher Reformismus statt Marxismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 274}} '''Annahme 3''' Der Ultraimperialismus ist unmöglich, da das Finanzkapital die WidersprĂŒche in der Welt nicht abschwĂ€cht, sondern verschĂ€rft. {{Zitat | Kautskys leeres Gerede von einem Ultraimperialismus nĂ€hrt unter anderem den grundfalschen Gedanken, der Wasser auf die MĂŒhle der Apologeten des Imperialismus leitet, daĂ die Herrschaft des Finanzkapitals die UngleichmĂ€Ăigkeiten und die WidersprĂŒche innerhalb der Weltwirtschaft abschwĂ€che, wĂ€hrend sie in Wirklichkeit diese verstĂ€rkt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 276}} '''Annahme 4''' Verschwinden der Notwendigkeit technischen Fortschritts aufgrund von Monopolpreisen: Mit der EinfĂŒhrung von Monopolpreisen verschwindet zeitweise die Notwendigkeit der Unternehmen, technischen und anderen Fortschritt zu leisten. Diese Tendenz zu Stagnation und FĂ€ulnis ist dem Monopol eigen. Es entsteht die ökonomische Möglichkeit, technischen Fortschritt kĂŒnstlich aufzuhalten.<br/>Das Monopol kann Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten. {{Zitat |In dem MaĂe, wie Monopolpreise, sei es auch nur vorĂŒbergehend, eingefĂŒhrt werden, verschwindet bis zu einem gewissen Grade der Antrieb zum technischen und folglich auch zu jedem anderen Fortschritt, zur VorwĂ€rtsbewegung; und insofern entsteht die ökonomische Möglichkeit, den technischen Fortschritt kĂŒnstlich aufzuhalten. [âŠ]<br/>GewiĂ kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist ĂŒbrigens einer der GrĂŒnde, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist). Die Möglichkeit, durch technische Verbesserungen die Produktionskosten herabzumindern und die Profite zu erhöhen, begĂŒnstigt natĂŒrlich Neuerungen. Aber die Tendenz zur Stagnation und FĂ€ulnis, die dem Monopol eigen ist, wirkt nach wie vor und gewinnt in einzelnen Industriezweigen, in einzelnen LĂ€ndern fĂŒr gewisse Zeitspannen die Oberhand.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}} ==Parasitismus und FĂ€ulnis des Kapitalismus== '''Kurzdefinition''' Aus dem imperialistischen Finanzkapital heraus entsteht eine Klasse von Menschen, die von den Profiten eines Unternehmens leben kann, jedoch von dessen Produktion vollstĂ€ndig losgelöst sind. Die Welt wird aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. Letztere gewinnen ihre Profite vor allem mittels parasitĂ€rer Aneignung. Zunehmende Migration von rĂŒckstĂ€ndigen LĂ€ndern in imperialistische LĂ€nder aufgrund höherer Löhne ist eine Auswirkung dieser Unterteilung. Das Finanzkapital bringt alle Schichten der besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. Seine Ideologie dringt als Opportunismus auch in die Arbeiterklasse ein. '''Schlagworte''' Parasitismus, ParasitĂ€re Schicht, Wucherstaaten, Schuldnerstaaten, Migration, Finanzkapital, Ideologie '''Einordnung''' Das Wesen des Imperialismus, sein Parasitismus und seine Ideologie, werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' Herausbildung der Schicht der âRentnerâ: Aus dem imperialistischen Finanzkapital entsteht die Klasse der "Kuponschneider", d. h. Menschen, die von der Produktion eines Unternehmens völlig losgelöst sind, jedoch von den Profiten leben, die es abwirft. Ganze Staaten können "Kuponschneiderstaaten" werden und haben damit einen Kapitalismus, der parasitĂ€r durch die Ausbeutung anderer LĂ€nder lebt. Die Welt wird damit aufgeteilt in Schuldner- und Wucherstaaten. {{Zitat |Daraus ergibt sich das auĂergewöhnliche Anwachsen der Klasse oder, richtiger, der Schicht der Rentner, d.h. Personen, die vom âKuponschneidenâ leben, Personen, die von der Beteiligung an irgendeinem Unternehmen völlig losgelöst sind, Personen, deren Beruf der MĂŒĂiggang ist. Die Kapitalausfuhr, eine der wesentlichsten ökonomischen Grundlagen des Imperialismus, verstĂ€rkt diese völlige Isolierung der Rentnerschicht von der Produktion noch mehr und drĂŒckt dem ganzen Land, das von der Ausbeutung der Arbeit einiger ĂŒberseeischer LĂ€nder und Kolonien lebt, den Stempel des Parasitismus auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}} '''Annahme 2''' Das Wesen des Imperialismus besteht darin, dass immer mehr Profite statt aus dem Verkauf von Waren aus parasitĂ€ren Formen der Aneignung entspringen. {{Zitat |Die Einnahmen der Rentner sind also im âhandelstĂŒchtigstenâ Lande der Welt fĂŒnfmal so groĂ wie die Einnahmen aus dem AuĂenhandel! Das ist das Wesen des Imperialismus und des imperialistischen Parasitismus.<br/>Der Begriff âRentnerstaatâ oder Wucherstaat wird daher in der ökonomischen Literatur ĂŒber den Imperialismus allgemein gebrĂ€uchlich. Die Welt ist in ein HĂ€uflein Wucherstaaten und in eine ungeheure Mehrheit von Schuldnerstaaten gespalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 282}} '''Annahme 3''' Tendenz der Migration aus rĂŒckstĂ€ndigen LĂ€ndern in imperialistische Staaten: Resultat dieser Aufteilung ist auĂerdem die Tendenz der Einwanderung von Arbeitern aus rĂŒckstĂ€ndigeren LĂ€ndern in entwickeltere LĂ€nder mit höheren Arbeitslöhnen. {{Zitat |Zu den mit dem geschilderten Erscheinungskomplex verknĂŒpften Besonderheiten des Imperialismus gehört die abnehmende Auswanderung aus den imperialistischen LĂ€ndern und die zunehmende Einwanderung (Zustrom von Arbeitern und Ăbersiedlung) in diese LĂ€nder aus rĂŒckstĂ€ndigeren LĂ€ndern mit niedrigeren Arbeitslöhnen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 287}} '''Annahme 4''' Alle besitzenden Klassen innerhalb eines imperialistischen Staates wechseln auf die Seite des Imperialismus, auch Teile der Arbeiterklasse. Dies ist erstens darin begrĂŒndet, dass das Finanzkapital ein dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, das selbst kleinste Kapitalisten in seine AbhĂ€ngigkeit bringt. Zweitens bringt die Konkurrenz mit anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen die national verbundenen Finanzgruppen in ein gemeinsames Interesse.<br/>Auch in die Arbeiterklasse dringt die imperialistische Ideologie ein, wie sich an der SPD in Deutschland bereits damals zeigte. {{Zitat |Einerseits die gigantischen AusmaĂe des in wenigen HĂ€nden konzentrierten Finanzkapitals, das sich ein auĂergewöhnlich weitverzweigtes und dichtes Netz von Beziehungen und Verbindungen schafft, durch das es sich die Masse nicht nur der mittleren und kleinen, sondern selbst der kleinsten Kapitalisten und Unternehmer unterwirft; anderseits der verschĂ€rfte Kampf mit den anderen nationalstaatlichen Finanzgruppen um die Aufteilung der Welt und um die Herrschaft ĂŒber andere LĂ€nder â all dies fĂŒhrt zum geschlossenen Ăbergang aller besitzenden Klassen auf die Seite des Imperialismus. âAllgemeineâ Begeisterung fĂŒr seine Perspektiven, wĂŒtende Verteidigung des Imperialismus, seine Beschönigung in jeder nur möglichen Weise â das ist das Zeichen der Zeit. Die imperialistische Ideologie dringt auch in die Arbeiterklasse ein. Diese ist nicht durch eine chinesische Mauer von den anderen Klassen getrennt. Wenn die FĂŒhrer der heutigen sogenannten âsozialdemokratischenâ Partei Deutschlands mit Recht âSozialimperialistenâ genannt werden, d.h. Sozialisten in Worten, Imperialisten in der Tat, so hat Hobson bereits 1902 in England das Vorhandensein von âFabier-Imperialistenâ festgestellt, die der opportunistischen âGesellschaft der Fabierâ angehören.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 290-91}} ==Kritik des Imperialismus - Kampf gegen den Opportunismus== '''Kurzdefinition''' "Kritik" am Imperialismus von bĂŒrgerlichen KrĂ€ften verneint die alles durchdringende Herrschaft des Imperialismus und seine tief liegenden Wurzeln. Einzelheiten werden herausgepickt, und vorgeschlagen ihre negativen Folgen mittels Reformen einzudĂ€mmen. Die freie Konkurrenz im Kapitalismus wird im Imperialismus oft bedroht und stark eingeschrĂ€nkt, was einer der GrĂŒnde fĂŒr die Entstehung einer kleinbĂŒrgerlich-demokratischen Opposition zum Imperialismus war. Dieser gehörte auch Kautsky an, der die These des Ultraimperialismus vertrat. Diese besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbĂŒndete Finanzkapital denkbar sei. Dies ist aufgrund des Gesetzes der ungleichen Entwicklung und der VerschĂ€rfung der inner-imperialistischen WidersprĂŒche nicht der Fall. AuĂerdem können Monopole die freie Konkurrenz nicht restlos aufheben. Monopolprofite ermöglichen es jedoch, einen Teil der Abreiterklasse zu bestechen. Dadurch erhĂ€lt der Opportunismus eine weitere Möglichkeit, sich in der Arbeiterklasse zu verbreiten. '''Schlagworte''' Opportunismus, Ultraimperialismus, UngleichmĂ€Ăige Entwicklung, Annexion, UnabhĂ€ngigkeitsbewegung, Arbeiteraristokratie, Imperialismus, Sterbender Kapitalismus '''Einordnung''' Die UnzulĂ€nglichkeiten einer bĂŒrgerlichen "Kritik" des Imperialismus und der Kampf gegen opportunistische Theorien wie Kautskys Ultraimperialismus werden von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' Die "Kritik" am Imperialismus ist meist seine Apologetik: Die totale Herrschaft des Imperialismus wird verneint, wĂ€hrend nebensĂ€chliche Formdetails oder völlig unmögliche Reformprojekte in Form von Bankenaufsichten etc. vorgeschlagen werden. {{Zitat |BĂŒrgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seineâŻtiefen Wurzeln vertuschen, dafĂŒr aber Einzelheiten und nebensĂ€chliche Details in den Vordergrund zu rĂŒcken versuchen, um durch ganz unernste âReformâprojekte von der Art einer Polizeiaufsicht ĂŒber die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 291}} '''Annahme 2''' Kernfragen der Kritik des Imperialismus: VorwĂ€rts zur weiteren VerschĂ€rfung und Vertiefung der durch den Imperialismus erzeugten WidersprĂŒche oder rĂŒckwĂ€rts zu deren Abstumpfung?<br/>Die kleinbĂŒrgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus tritt auf.<br/>Kautsky hat sich mit ihr vereinigt, anstatt ihr entgegen zu treten. {{Zitat |Die Fragen, ob eine Ănderung der Grundlagen des Imperialismus durch Reformen möglich sei, ob man vorwĂ€rts gehen solle, zur weiteren VerschĂ€rfung und Vertiefung der durch ihn erzeugten WidersprĂŒche, oder rĂŒckwĂ€rts, zu deren Abstumpfung, das sind Kernfragen der Kritik des Imperialismus. Da zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf der ganzen Linie sowie die VerstĂ€rkung der nationalen UnterdrĂŒckung in Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung der freien Konkurrenz gehören, so tritt mit Beginn des 20. Jahrhunderts in fast allen imperialistischen LĂ€ndern eine kleinbĂŒrgerlich-demokratische Opposition gegen den Imperialismus auf. Und der Bruch Kautskys und der weitverbreiteten internationalen Strömung des Kautskyanertums mit dem Marxismus besteht gerade darin, daĂ Kautsky es nicht nur unterlassen, es nicht verstanden hat, dieser kleinbĂŒrgerlichen, reformistischen, ökonomisch von Grund aus reaktionĂ€ren Opposition entgegenzutreten, sondern sich im Gegenteil praktisch mit ihr vereinigt hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 292}} '''Annahme 3''' Die Theorie des Ultraimperialismus besagt, dass an Stelle des Kampfes der nationalen Kapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbĂŒndete Finanzkapital denkbar sei. {{Zitat |Kautsky: â⊠ob es nicht möglich sei, daĂ die jetzige imperialistische Politik durch eine neue, ultraimperialistische verdrĂ€ngt werde, die an Stelle des Kampfes der nationalen Finanzkapitale untereinander die gemeinsame Ausbeutung der Welt durch das international verbĂŒndete Finanzkapital setzte. Eine solche neue Phase des Kapitalismus ist jedenfalls denkbar. Ob auch realisierbar, das zu entscheiden fehlen noch die genĂŒgenden Voraussetzungen.â| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 299}} '''Annahme 4''' Kritik an der Theorie des Ultraimperialismus: Im Imperialismus wird die Aufteilung der Welt nur durch allgemeinwirtschaftliche, militĂ€rische und finanzielle StĂ€rke geregelt. Da sich die kapitalistischen Ăkonomien der imperialistischen Staaten immer unterschiedlich entwickeln, verĂ€ndert sich das KrĂ€fteverhĂ€ltnis zwischen ihnen, WidersprĂŒche sind unvermeidlich. Das Monopol kann die Konkurrenz nicht restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten. {{Zitat |Es fragt sich nun, ist die Annahme âdenkbarâ, daĂ beim Fortbestehen des Kapitalismus (und diese Bedingung setzt Kautsky gerade voraus) solche BĂŒndnisse {ultraimperialistische BĂŒndnisse} nicht kurzlebig wĂ€ren, daĂ sie Reibungen, Konflikte und Kampf in jedweden und allen möglichen Formen ausschlieĂen wĂŒrden?<br/>Es genĂŒgt, diese Frage klar zu stellen, um sie nicht anders als mit Nein zu beantworten. Denn unter dem Kapitalismus ist fĂŒr die Aufteilung der Interessen- und EinfluĂsphĂ€ren, der Kolonien usw. eine andere Grundlage als die StĂ€rke der daran Beteiligten, ihre allgemeinwirtschaftliche, finanzielle, militĂ€rische und sonstige StĂ€rke, nicht denkbar. Die StĂ€rke der Beteiligten aber Ă€ndert sich ungleichmĂ€Ăig, denn eine gleichmĂ€Ăige Entwicklung der einzelnen Unternehmungen. [!] Trusts, Industriezweige und LĂ€nder kann es unter dem Kapitalismus nicht geben. Vor einem halben Jahrhundert war Deutschland, wenn man seine kapitalistische Macht mit der des damaligen Englands vergleicht, eine klĂ€gliche Null; ebenso Japan im Vergleich zu RuĂland. Ist die Annahme âdenkbarâ, daĂ das KrĂ€fteverhĂ€ltnis zwischen den imperialistischen MĂ€chten nach zehn, zwanzig Jahren unverĂ€ndert geblieben sein wird? Das ist absolut undenkbar.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 300-301}} {{Zitat |GewiĂ kann das Monopol unter dem Kapitalismus die Konkurrenz auf dem Weltmarkt niemals restlos und auf sehr lange Zeit ausschalten (das ist ĂŒbrigens einer der GrĂŒnde, warum die Theorie des Ultraimperialismus unsinnig ist).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 281}} '''Annahme 5''' Erwachen des Nationalbewusstseins der vom Imperialismus unterdrĂŒckten Völker: der importierte Kapitalismus schafft in den neu erschlossenen LĂ€ndern eine VerschĂ€rfung der ökonomischen WidersprĂŒche und damit eine VerschĂ€rfung des Widerstands der Bevölkerung. Dabei gibt der Imperialismus den UnterdrĂŒckten selbst die Mittel ihrer Befreiung an die Hand: die alten VerhĂ€ltnisse werden ökonomisch und sozial revolutioniert und ermöglichen damit den Ăbergang dieser LĂ€nder in nationale Einheitsstaaten, wie es die bĂŒrgerlichen Revolutionen in den heute imperialistischen LĂ€ndern bereits vor langer Zeit erreichten.<br/>Das Ziel der Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen und kulturellen Freiheit wird auch zum Ziel der unterworfenen Nationen.<br/>Imperialismus fĂŒhrt zur VerstĂ€rkung der nationalen UnterdrĂŒckung und zur VerschĂ€rfung des Widerstands. {{Zitat |Insbesondere verschĂ€rfen sich auch die nationale UnterdrĂŒckung und der Drang nach Annexionen, d.h. nach Verletzung der nationalen UnabhĂ€ngigkeit (denn Annexion ist ja nichts anderes als Verletzung der Selbstbestimmung der Nationen). Mit Recht hebt Hilferding den Zusammenhang des Imperialismus mit der VerschĂ€rfung der nationalen UnterdrĂŒckung hervor. âIn den neu erschlossenen LĂ€ndern selbst aberâ schreibt er, âsteigert der importierte Kapitalismus die GegensĂ€tze und erregt den immer wachsenden Widerstand der zu nationalem BewuĂtsein erwachenden Völker gegen die Eindringlinge, der sich leicht zu gefĂ€hrlichen MaĂnahmen gegen das Fremdkapital steigern kann. Die alten sozialen VerhĂ€ltnisse werden völlig revolutioniert, die agrarische, tausendjĂ€hrige Gebundenheit der âgeschichtslosen Nationenâ gesprengt, diese selbst in den kapitalistischen Strudel hineingezogen. Der Kapitalismus selbst gibt den Unterworfenen allmĂ€hlich die Mittel und Wege zu ihrer Befreiung. Das Ziel, das einst das höchste der europĂ€ischen Nationen war, die Herstellung des nationalen Einheitsstaates als Mittel der ökonomischen undâŻkulturellen Freiheit, wird auch zu dem ihren. Diese UnabhĂ€ngigkeitsbewegung bedroht das europĂ€ische Kapital gerade in seinen wertvollsten und aussichtsreichsten Ausbeutungsgebieten, und immer mehr kann es seine Herrschaft nur durch stete Vermehrung seiner Machtmittel erhalten.â<br/>Es muĂ hinzugefĂŒgt werden, daĂ der Imperialismus nicht allein in den neu erschlossenen, sondern auch in den alten LĂ€ndern zu Annexionen, zur VerstĂ€rkung der nationalen UnterdrĂŒckung und folglich auch zur VerschĂ€rfung des Widerstands fĂŒhrt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 302-303}} '''Annahme 6''' Herausbildung einer durch Monopolprofite bestochenen Arbeiteraristokratie: Durch die hohen Monopolprofite haben die Kapitalisten die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter zu bestechen, sie von der groĂen Masse der Arbeiter abzuspalten und sie auf ihre Seite zu ziehen. Diese Tendenz wird durch den verschĂ€rften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstĂ€rkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus. {{Zitat |Der Imperialismus, der die Aufteilung der Welt und die Ausbeutung nicht allein Chinas bedeutet, der monopolistisch hohe Profite fĂŒr eine Handvoll der reichsten LĂ€nder bedeutet, schafft die ökonomische Möglichkeit zur Bestechung der Oberschichten des Proletariats und nĂ€hrt, formt und festigt dadurch den Opportunismus.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 286}} {{Zitat |Der Imperialismus hat die Tendenz, auch unter den Arbeitern privilegierte Kategorien auszusondern und sie von der groĂen Masse des Proletariats abzuspalten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288}} '''Annahme 7''' VerbĂŒrgerung des Proletariats. Entstehung einer Arbeiteraristokratie. GewerkschaftsfĂŒhrungen, die von Bourgeoisie gekauft sind oder von ihr bezahlten Leuten gefĂŒhrt werden. {{Zitat |Engels schrieb z.B. am 7. Oktober 1858 an Marx, â⊠daĂ das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbĂŒrgert, so daĂ diese bĂŒrgerlichste aller Nationen es schlieĂlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bĂŒrgerliche Aristokratie und ein bĂŒrgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen. Bei einer Nation, die die ganze Welt exploitiert, ist das allerdings gewissermaĂen gerechtfertigt.â (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 29, S. 358) Fast ein Vierteljahrhundert spĂ€ter, in seinem Brief vom 11. August 1881, spricht er von Gewerkschaften, âwelche nur mit jenen schlechtesten englischen vergleichbar sind, die es zulassen, sich von an die Bourgeoisie verkauften oder zumindest von ihr bezahlten Leuten fĂŒhren zu lassenâ. (Karl Marx/Friedrich Engels, Werke, Bd. 35, S. 20) Und in einem Brief an Kautsky vom 12. September 1882 schreibt Engels: âSie fragen mich, was die englischen Arbeiter von der Kolonialpolitik denken? Nun, genau dasselbe, was sie von der Politik ĂŒberhaupt denken ⊠Es gibt hier ja keine Arbeiterpartei, es gibt nur Konservative und Liberal-Radikale, und die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands.â (Dasselbe sagt Engels auch im Vorwort zur zweiten Auflage der ''Lage der arbeitenden Klasse in England'' 1892.)| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 288-289}} {{Zitat |Dadurch, daĂ die Kapitalisten eines Industriezweiges unter vielen anderen oder eines Landes unter vielen anderen usw. hohe Monopolprofite herausschlagen, bekommen sie ökonomisch die Möglichkeit, einzelne Schichten der Arbeiter, vorĂŒbergehend sogar eine ziemlich bedeutende Minderheit der Arbeiter zu bestechen und sie auf die Seite der Bourgeoisie des betreffenden Industriezweiges oder der betreffenden Nation gegen alle ĂŒbrigen hinĂŒberzuziehen. Diese Tendenz wird durch den verschĂ€rften Antagonismus zwischen den imperialistischen Nationen wegen der Aufteilung der Welt noch verstĂ€rkt. So entsteht der Zusammenhang von Imperialismus und Opportunismus, der sich am frĂŒhesten und krassesten in England auswirkte, weil dort gewisse imperialistische ZĂŒge der Entwicklung bedeutend frĂŒher als in anderen LĂ€ndern zutage traten.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 306-307}} ==Der Platz des Imperialismus in der Geschichte== '''Kurzdefinition''' Der Monopolkapitalismus verschĂ€rft die WidersprĂŒche in der geschichtlichen Ăbergangsperiode zwischen der kapitalistischen und einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. Er ist aufgrund seiner ökonomischen Basis also sterbender Kapitalismus. Die Vergesellschaftung der Produktion schreitet voran, wĂ€hrend Privatwirtschaft und Privateigentum eine HĂŒlle der Produktionsweise darstellen, die ihrem Inhalt nicht mehr entspricht. Daraus entsteht die FĂ€ulnistendenz des Imperialismus, welche sich allerdings ĂŒber eine lange Zeit hinweg halten kann und ein rasches Wachstum der ProduktivkrĂ€fte nicht ausschlieĂt. '''Schlagworte''' Imperialismus, Sterbender Kapitalismus, FĂ€ulnis, Parasitismus, Wucherstaaten '''Einordnung''' Der Platz des Imperialismus in der Geschichte wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' Der historische Platz des Imperialismus ist der Ăbergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsform. {{Zitat |Wir haben gesehen, daĂ der Imperialismus seinem ökonomischen Wesen nach Monopolkapitalismus ist. Schon dadurch ist der historische Platz des Imperialismus bestimmt, denn das Monopol, das auf dem Boden freien Konkurrenz und eben aus der freien Konkurrenz erwĂ€chst, bedeutet den Ăbergang von der kapitalistischen zu einer höheren ökonomischen Gesellschaftsformation.<br>Erstens: Das Monopol ist aus der Konzentration der Produktion auf einer sehr hohen Stufe ihrer Entwicklung erwachsen. Das sind die MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten, die Kartelle. Syndikate und Trusts. Wir sahen, welch gewaltige Rolle sie im heutigen Wirtschaftsleben spielen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewannen sie in den fortgeschrittenen LĂ€ndern das völlige Ăbergewicht, und wenn die ersten Schritte auf dem Wege der Kartellierung zuerst von LĂ€ndern mit hohen Schutzzöllen (Deutschland, Amerika) getan wurden, so hat England mit seinem Freihandelssystem nur wenig spĂ€ter dieselbe grundlegende Tatsache aufzuweisen: die Entstehung der Monopole aus der Konzentration der Produktion.<br>Zweitens: Die Monopole haben in verstĂ€rktem MaĂe zur Besitzergreifung der wichtigsten Rohstoffquellen gefĂŒhrt, besonders in der ausschlaggebenden und am meisten kartellierten Industrie der kapitalistischen Gesellschaft: der Kohlen- und Eisenindustrie. Die monopolistische Beherrschung der wichtigsten Rohstoffquellen hat die Macht des GroĂkapitals ungeheuer gesteigert und den Gegensatz zwischen der kartellierten und nichtkartellierten Industrie verschĂ€rft.<br>Drittens: Das Monopol ist aus den Banken erwachsen. Diese haben sich aus bescheidenen Vermittlungsunternehmungen zu Monopolisten des Finanzkapitals gewandelt. Drei bis fĂŒnf GroĂbanken einer beliebigen der kapitalistisch fortgeschrittensten Nationen haben zwischen Industrie- und Bankkapital eine âPersonalunionâ hergestellt und in ihrer Hand die VerfĂŒgungsgewalt ĂŒber Milliarden und aber Milliarden konzentriert, die den gröĂten Teil der Kapitalien und der GeldeinkĂŒnfte des ganzen Landes ausmachen. Eine Finanzoligarchie, die ein dichtes Netz von AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnissen ĂŒber ausnahmslos alle ökonomischen und politischen Institutionen der modernen bĂŒrgerlichen Gesellschaft spannt â das ist die krasseste Erscheinungsform dieses Monopols.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 304-305}} '''Annahme 2''' Die VerschĂ€rfung der GegensĂ€tze ist die mĂ€chtigste Triebkraft der geschichtlichen Ăbergangsperiode. {{Zitat |Wie sehr der monopolistische Kapitalismus alle WidersprĂŒche des Kapitalismus verschĂ€rft hat, ist allgemein bekannt. Es genĂŒgt, auf die Teuerung und auf den Druck der Kartelle hinzuweisen. Diese VerschĂ€rfung der GegensĂ€tze ist die mĂ€chtigste Triebkraft der geschichtlichen Ăbergangsperiode, die mit dem endgĂŒltigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}} '''Annahme 3''' Der Imperialismus als vergesellschafteter Ăbergangskapitalismus und sterbender Kapitalismus: Der Imperialismus ist sterbender Kapitalismus, da er bei vollstĂ€ndiger Vergesellschaftung der Produktion privatwirtschaftliche und PrivateigentumsverhĂ€ltnisse beibehĂ€lt, was unvermeidlich in FĂ€ulnis ĂŒbergehen muss. Diese FĂ€ulnistendenz schlieĂt kein rasches Wachstum des Kapitalismus aus und kann sich lange halten, wird aber unvermeidlich beseitigt werden. Deswegen sprechen wir vom Ăbergangskapitalismus. PrivateigentumsverhĂ€ltnisse bilden eine HĂŒlle, die dem Inhalt nicht mehr entspricht. Sie muss in FĂ€ulnis ĂŒbergehen, wenn ihre Beseitigung kĂŒnstlich verzögert wird.<br/>Aber diese HĂŒlle kann sich lange in FĂ€ulniszustand halten.<br/>Die HĂŒlle (= PrivateigentumsverhĂ€ltnisse) entspricht dem Inhalt nicht mehr, weil dieser die Vergesellschaftung der Produktion ist. Ein rasches Wachstum des Kapitalismus ist trotz FĂ€ulnistendenzen nicht ausgeschlossen. {{Zitat |Aus allem, was ĂŒber das ökonomische Wesen des Imperialismus gesagt wurde, geht hervor, daĂ er charakterisiert werden muĂ als Ăbergangskapitalismus oder, richtiger, als sterbender Kapitalismus. Höchst aufschluĂreich ist in dieser Hinsicht, daĂ die Schlagworte der bĂŒrgerlichen Ăkonomen, die den jĂŒngsten Kapitalismus beschreiben, âVerflechtungâ, âFehlen der Isoliertheitâ usw. heiĂen; die Banken seien âUnternehmungen, die nach ihren Aufgaben und nach ihrer Entwicklung nicht einen rein privatwirtschaftlichen Charakter haben und die immer mehr aus der SphĂ€re der rein privatrechtlichen Regelung herauswachsenâ. Und derselbe Riesser, von dem diese Worte stammen, erklĂ€rt mit todernster Miene, daĂ sich die âVoraussageâ der Marxisten ĂŒber die âVergesellschaftungâ ânicht verwirklichtâ habe!| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 307}} {{Zitat |[âŠ] â dann wird es offensichtlich, daĂ wir es mit einer Vergesellschaftung der Produktion zu tun haben und durchaus nicht mit einer bloĂen âVerflechtungâ; daĂ privatwirtschaftliche und PrivateigentumsverhĂ€ltnisse eine HĂŒlle darstellen, die dem Inhalt bereits nicht mehr entspricht und die daher unvermeidlich in FĂ€ulnis ĂŒbergehen muĂ, wenn ihre Beseitigung kĂŒnstlich verzögert wird, eine HĂŒlle, die sich zwar verhĂ€ltnismĂ€Ăig lange in diesem FĂ€ulniszustand halten kann (wenn schlimmstenfalls die Gesundung von dem opportunistischen GeschwĂŒr auf sich warten lassen sollte), die aber dennoch unvermeidlich beseitigt werden wird.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 308}} {{Zitat |Monopole, Oligarchie, das Streben nach Herrschaft statt nach Freiheit, die Ausbeutung einer immer gröĂeren Anzahl kleiner oder schwacher Nationen durch ganz wenige reiche oder mĂ€chtige Nationen â all das erzeugte jene Merkmale des Imperialismus, die uns veranlassen, ihn als parasitĂ€ren oder in FĂ€ulnis begriffenen Kapitalismus zu kennzeichnen. Immer plastischer tritt als eine Tendenz des Imperialismus die Bildung des âRentnerstaatesâ, des Wucherstaates hervor, dessen Bourgeoisie in steigendem MaĂe von Kapitalexport und âKuponschneidenâ lebt. Es wĂ€re ein Fehler, zu glauben, daĂ diese FĂ€ulnistendenz ein rasches Wachstum des Kapitalismus ausschlieĂt; [âŠ].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 305}} == Quellen == Marx-Engels-Werke 25: [https://marxwirklichstudieren.files.wordpress.com/2012/11/mew_band25.pdf Kapital, Dritter Band (1894)] Lenin, W.I. (1917): [https://kommunistische-geschichte.de/LeninWerke/LW22.pdf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. LW 22] ==Alte Grundannahmen== ===Konzentration der Produktion und Monopole=== '''Kurzdefinition''' Die Konzentration der Produktion sind die durch das ungeheure Wachstum der Industrie immer gröĂer werdenden Betriebe; das Enstehen von GroĂbetrieben. Gerade durch das RiesenausmaĂ der Betriebe wird die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt. ''Monopol'' , Alleinhandel, Alleinbesitz (Gegens.: ''freie Konkurrenz''). '''Schlagworte''' Monopol, Imperialismus, Konzentration, Zentralisation, Kombination, Vereinigung, Industriezweige, Profitrate, Extraprofit, Monopolbildung, Konzentration der Produktion, Marx, Form der Monopole, Ablösung alter Kapitalismus, Konkurrenz, freie Konkurrenz, Kartell, VerbĂ€nde, MonopolverbĂ€nde, Vergesellschaftung der Produktion, Warenproduktion, Krisen '''Einordnung''' Die Konzentration der Produktion und die Tendenz zum Monopol wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' Die freie Konkurrenz erzeugt die Konzentration und Zentralisation der Produktion und fĂŒhrt selbst dicht zum Monopol. Die Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist die wichtigste Erscheinung in der Ăkonomik des modernen Kapitalismus. {{Zitat |Einige zehntausend GroĂbetriebe sind alles; Millionen von Kleinbetrieben sind nichts. [âŠ] Das Geldkapital und die Banken machen, wie wir sehen werden, dieses Ăbergewicht eines HĂ€ufleins von GroĂbetrieben noch erdrĂŒckender, und zwar im buchstĂ€blichen Sinne des Wortes, d.h., Millionen kleiner, mittlerer und sogar zum Teil groĂer âUnternehmerâ sind in Wirklichkeit von einigen hundert MillionĂ€ren der Hochfinanz völlig unterjocht. [âŠ] Fast die HĂ€lfte der Gesamtproduktion aller Betriebe des Landes liegt in den HĂ€nden eines Hundertstels der Gesamtzahl der Betriebe! Und diese dreitausend Riesenbetriebe umfassen 258 Industriezweige. Daraus erhellt, daĂ die Konzentration auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung sozusagen von selbst dicht an das Monopol heranfĂŒhrt. Denn einigen Dutzend Riesenbetrieben fĂ€llt es leicht, sich untereinander zu verstĂ€ndigen, wĂ€hrend anderseits gerade durch das RiesenausmaĂ der Betriebe die Konkurrenz erschwert und die Tendenz zum Monopol erzeugt wird. Diese Verwandlung der Konkurrenz in das Monopol ist eine der wichtigsten Erscheinungen â wenn nicht die wichtigste â in der Ăkonomik des modernen Kapitalismus, [âŠ].| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 201-202}} '''Annahme 2''' Eine Besonderheit des Imperialismus sei die Kombination, d. h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem Unternehmen. {{Zitat |[âŠ] und anderseits ist eine Ă€uĂerst wichtige Besonderheit des Kapitalismus, der die höchste Entwicklungsstufe erreicht hat, die sogenannte ''Kombination'', d.h. die Vereinigung verschiedener Industriezweige in einem einzigen Unternehmen; diese Industriezweige bilden entweder aufeinanderfolgende Stufen der Verarbeitung des Rohstoffs (z.B. Gewinnung von Roheisen aus Erz, seine Verarbeitung zu Stahl und unter UmstĂ€nden auch die Erzeugung dieser oder jener Stahlfabrikate) oder spielen in bezug [!] aufeinander eine Hilfsrolle (z.B. Verarbeitung von AbfĂ€llen oder Nebenprodukten; Herstellung von Verpackungsmaterial usw.).| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}} '''Annahme 3''' Die Kombination gleiche Konjunkturunterschiede aus, sie bewirke eine stetigere Profitrate, ermögliche Extraprofite durch technische Neuerungen. Das kombinierte Werk hat eine besondere Stellung gegenĂŒber dem âreinenâ Werk. {{Zitat |â⊠die Kombinationâ, schreibt Hilferding, âgleicht Konjunkturunterschiede aus und bewirkt daher fĂŒr das kombinierte Werk eine gröĂere Stetigkeit der Profitrate. Zweitens bewirkt die Kombination Ausschaltung des Handels. Drittens bewirkt sie die Möglichkeit technischer Fortschritte und damit die Erlangung von Extraprofit gegenĂŒber dem âreinenââ (d.h. nicht kombinierten) âWerk. Viertens stĂ€rkt sie die Stellung des kombinierten Werkes gegenĂŒber dem âreinenâ im Konkurrenzkampf zur Zeit einer starken Depressionâ (GeschĂ€ftsstockung, Krise), âwenn die Senkung der Rohmaterialpreise nicht Schritt hĂ€lt mit der Senkung der Fabrikatspreise.â| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 202}} '''Annahme 4''' Die Konzentration der Produktion und des Kapitals hat eine so hohe Entwicklungsstufe erreicht, dass sie Monopole schafft, die im Wirtschaftsleben die entscheidende Rolle spielen. Die Monopolbildung ist ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Stadium.<br/>Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen LĂ€ndern sind nur unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder der Zeit ihres Aufkommens. {{Zitat |Vor einem halben Jahrhundert, als Marx sein âKapitalâ schrieb, erschien der ĂŒberwiegenden Mehrheit der Ăkonomen die freie Konkurrenz als ein âNaturgesetzâ. Die offizielle Wissenschaft versuchte das Werk von Marx totzuschweigen, der durch seine theoretische und geschichtliche Analyse des Kapitalismus bewies, daĂ die freie Konkurrenz die Konzentration der Produktion erzeugt, diese Konzentration aber auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung zum Monopol fĂŒhrt. Das Monopol ist jetzt zur Tatsache geworden. Die Ăkonomen schreiben Berge von BĂŒchern, beschreiben die einzelnen Erscheinungsformen des Monopols und verkĂŒnden nach wie vor einstimmig, daĂ der âMarxismus widerlegtâ sei. Aber Tatsachen sind ein hartnĂ€ckig Ding, sagt ein englisches Sprichwort, und man muĂ ihnen wohl oder ĂŒbel Rechnung tragen. Die Tatsachen zeigen, daĂ die Unterschiede zwischen einzelnen kapitalistischen LĂ€ndern, z.B. in bezug [!] auf Schutzzoll oder Freihandel, bloĂ unwesentliche Unterschiede in der Form der Monopole oder in der Zeit ihres Aufkommens bedingen, wĂ€hrend die Entstehung der Monopole infolge der Konzentration der Produktion ĂŒberhaupt ein allgemeines Grundgesetz des Kapitalismus in seinem heutigen Entwicklungsstadium ist.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}} '''Annahme 5''' Die Ablösung des alten Kapitalismus durch den Imperialismus fand Anfang des 20. Jahrhunderts statt. {{Zitat |FĂŒr Europa lĂ€Ăt sich die Zeit der endgĂŒltigen Ablösung des alten Kapitalismus durch den neuen ziemlich genau feststellen. Es ist der Anfang des 20. Jahrhunderts.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 204}} '''Annahme 6''' Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine und verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen. Historisch entwickeln sich die ersten Kartelle ab der Krise von 1873 und werden am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. {{Zitat |Die wichtigsten Ergebnisse der Geschichte der Monopole sind demnach: 1. In den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts die höchste, Ă€uĂerste Entwicklungsstufe der freien Konkurrenz; kaum merkliche AnsĂ€tze zu Monopolen. 2. Nach der Krise von 1873 weitgehende Entwicklung von Kartellen, die aber noch Ausnahmen, keine dauernden, sondern vorĂŒbergehende Erscheinungen sind. 3. Aufschwung am Ende des 19. Jahrhunderts und Krise von 1900-1903: Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens. Der Kapitalismus ist zum Imperialismus geworden.<br/>Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 206}} '''Annahme 7''' Die Konkurrenz wandelt sich zum Monopol, auch die qualifizierten ArbeitskrĂ€fte werden monopolisiert. Die Folge ist die Vergesellschaftung der Produktion, insbesondere der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen. Der Kapitalismus fĂŒhrt in seinem imperialistischen Stadium also bis an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaĂen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Ăbergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollstĂ€ndigen Vergesellschaftung bildet. Obwohl die Produktion vergesellschaft wird, bleibt die Aneignung privat, denn die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Auch bleibt die freie Konkurrenz mit den entstehenden Monopolen formal bestehen, sodass sich der Druck der Monopole auf die ĂŒbrige Bevölkerung verstĂ€rkt. {{Zitat |Darauf schloĂ 1905 die eine Gruppe und 1908 die andere eine Konvention mit noch je einem GroĂbetrieb. So entstanden zwei âDreiverbĂ€ndeâ mit einem Kapital von je 40-50 Millionen Mark, und zwischen diesen âVerbĂ€ndenâ hat bereits eine âAnnĂ€herungâ in Form von âVertrĂ€genâ ĂŒber Preise usw. begonnen. <br/>Die Konkurrenz wandelte sich zum Monopol. Die Folge ist ein gigantischer Fortschritt in der Vergesellschaftung der Produktion. Im besonderen wird auch der ProzeĂ der technischen Erfindungen und Vervollkommnungen vergesellschaftet. Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und fĂŒr den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren. Die Konzentration ist so weit fortgeschritten, daĂ man einen ungefĂ€hren Ăberschlag aller Rohstoffquellen (beispielsweise der Eisenerzvorkommen) in dem betreffenden Lande und sogar, wie wir sehen werden, in einer Reihe von LĂ€ndern, ja in der ganzen Welt machen kann. Ein solcher Ăberschlag wird nicht nur gemacht, sondern die riesigen MonopolverbĂ€nde bemĂ€chtigen sich dieser Quellen und fassen sie in einer Hand zusammen. Es wird eine annĂ€hernde Berechnung der GröĂe des Marktes vorgenommen, der durch vertragliche Abmachungen unter diese VerbĂ€nde âaufgeteiltâ wird. Die qualifizierten ArbeitskrĂ€fte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt, man bemĂ€chtigt sich der Verkehrswege und -mittel â der Eisenbahnen in Amerika, der Schiffahrtsgesellschaften in Europa und in Amerika. In seinem imperialistischen Stadium fĂŒhrt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaĂen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Ăbergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollstĂ€ndigen Vergesellschaftung bildet.<br/>Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die ĂŒbrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fĂŒhlbarer, unertrĂ€glicher.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 209-210}} '''Annahme 8''' Der Kapitalismus sei so weit entwickelt, dass die Warenproduktion zwar weiter als Grundlage der Wirtschaft gelte, sie jedoch bereits untergraben sei, weil die Hauptprofite den Finanzmachenschaften und Spekulanten zufallen. Auf dieser Basis möchte die kleinbĂŒrgerlich-reaktionĂ€re Kritik am Kapitalismus zu einer vermeintlich friedlichen Konkurrenz zurĂŒckzukehren. {{Zitat |Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daĂ die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor âherrschtâ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den âGeniesâ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den â Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie âauf dieser Grundlageâ die kleinbĂŒrgerlich-reaktionĂ€re Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer RĂŒckkehr zur âfreienâ [!] âfriedlichenâ, âehrlichenâ Konkurrenz trĂ€umt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 211}} '''Annahme 9''' Kartelle können Krisen nicht verhindern. Im Gegenteil verschĂ€rft das Monopol den inherenten chaotischen Charakter der kapitalistischen Produktion.<br/>Krisen, insbesondere ökonomische, verstĂ€rken im hohen MaĂ die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol. {{Zitat |Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein MĂ€rchen bĂŒrgerlicher Ăkonomen. [!] die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstĂ€rkt und verschĂ€rft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. [âŠ]<br/>Die Krisen â jeder Art, am hĂ€ufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein â verstĂ€rken aber ihrerseits in ungeheurem MaĂe die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 212-213}} ===Die Banken und ihre neue Rolle=== '''Kurzdefinition''' Die grundlegende und ursprĂŒngliche Rolle der Banken ist die Zahlungsvermittlung. Indem die Banken jedoch die GeldeinkĂŒnfte sammeln und wieder unter der Kapitalistenklasse verteilen, verwandeln sie brachliegendes Geldkapital in proftitbringendes Kapital. Dadurch wachsen die Banken von bescheidenen Vermittlern zu allmĂ€chtigen Monopolinhabern an. '''Schlagworte''' Zentralisation des Kapitals, Banken, Merkmal, Beteiligungssystem, Konzentration des Kapitals, Personalunion, Verschmelzung, Finanzkapital '''Einordnung''' Die neue Rolle der Banken wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' ZunĂ€chst waren Banken Zahlungsvermittler. In Deutschland vollzog sich die Konzentration des Bankwesens Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell. Durch die Unterwerfung kleinerer Banken entstehen auch hier Monopole.<br/>Die Zentralisation des Kapitals in wenigen Banken ist eine wesentliche Entwicklung im Imperialismus. {{Zitat |Diese Verwandlung zahlreicher bescheidener Vermittler in ein HĂ€uflein Monopolisten bildet einen der Grundprozesse des HinĂŒberwachsens des Kapitalismus in den kapitalistischen Imperialismus, und deshalb mĂŒssen wir in erster Linie bei der Konzentration des Bankwesens verweilen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 214}} {{Zitat |Es ist klar, daĂ eine Bank, die an der Spitze einer solchen Gruppe steht und mit einem halben Dutzend anderer ihr wenig nachstehender Banken zum Zwecke besonders groĂer und vorteilhafter Finanzoperationen, wie z B. [!] Staatsanleihen, eine Verbindung eingeht, bereits ĂŒber die bloĂe âVermittlerârolle hinausgewachsen ist und sich in eine Vereinigung eines HĂ€ufleins von Monopolisten verwandelt hat.<br/>Mit welcher Schnelligkeit sich gerade Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Konzentration des Bankwesens in Deutschland vollzog, ist aus den folgenden, hier gekĂŒrzt wiedergegebenen Angaben Riessers zu ersehen:| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 216-217}} <div align="center">6 Berliner GroĂbanken hatten {| class="wikitable" |- ! Jahr !! Niederlassungen in Deutschland !! Depositenkassen und Wechselstuben !! StĂ€ndige Beteiligungen an deutschen Aktienbanken !! Summe der Anstalten |- | 1895 || 16 || 14 || 1 || 42 |- | 1900 || 21 || 40 || 8 || 80 |- | 1911 || 104 || 276 || 63 || 450 |}''Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217}}''</div> '''Annahme 2''' Ein wichtiges Merkmal der modernen Monopolisierung im Bankwesen,im Unterschied zum klassischen Verschlingen der Zentralisation, ist die Konzernbildung, d.h. das Angliedern von kleinen Banken anhand von Kapitalbeteiligung, z.B. durch Aufkauf oder Austausch von Aktien oder durch ein System von SchuldverhĂ€ltnissen. {{Zitat |Wir haben den Hinweis auf die âangegliedertenâ Banken hervorgehoben, denn das gehört zu einem der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der modernen kapitalistischen Konzentration. Die groĂen Unternehmungen, besonders die Banken, verschlingen nicht nur unmittelbar die kleinen, sondern âgliedernâ sie sich an, unterwerfen sie, schlieĂen sie in âihreâ Gruppe, ihren âKonzernâ â wie der technische Ausdruck lautet â ein durch âBeteiligungâ an ihrem Kapital, durch Aufkauf oder Austausch von Aktien, durch ein System von SchuldverhĂ€ltnissen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 215}} '''Annahme 3''' Das entstehende dichte Bankennetz im Land erscheint wie eine Dezentralisation. In Wirklichlichkeit werden die lokal begrenzten Banken einem Zentrum unterworfen. Es handelt sich also um Zentralisation, und damit um eine Steigerung der Rolle und Bedeutung der Macht der Monopolriesen.<br/>Eine GroĂbank hat dementsprechend nicht nur eine technische Rolle, sondern unterwirft sich Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft durch die Kontrolle von und Informationen ĂŒber Bankverbindungen und Finanzoperationen, sowie die Vergabe von Krediten. {{Zitat |Wir sehen, wie schnell ein dichtes Netz von KanĂ€len entsteht, die das ganze Land ĂŒberziehen, sĂ€mtliche Kapitalien und GeldeinkĂŒnfte zentralisieren und Tausende und aber Tausende von zersplitterten Wirtschaften in eine einzige gesamtnationale kapitalistische Wirtschaft und schlieĂlich in die kapitalistische Weltwirtschaft verwandeln. Jene âDezentralisationâ, von der Schulze-Gaevernitz als Vertreter der bĂŒrgerlichen politischen Ăkonomie unserer Tage in dem oben angefĂŒhrten Zitat spricht, besteht in Wirklichkeit darin, daĂ zunehmend immer mehr frĂŒher verhĂ€ltnismĂ€Ăig âselbstĂ€ndigeâ oder, richtiger gesagt, lokal begrenzte Wirtschaftseinheiten einem einzigen Zentrum unterworfen werden.<br/>In Wirklichkeit ist das also eine Zentralisation, eine Steigerung der Rolle, der Bedeutung, der Macht der Monopolriesen. [âŠ]<br/>Diese einfachen Zahlen zeigen wohl anschaulicher als langatmige Betrachtungen, wie sich mit der Konzentration des Kapitals und dem Wachstum des Umsatzes die Bedeutung der Banken von Grund aus Ă€ndert. Aus den zersplitterten Kapitalisten entsteht ein einziger kollektiver Kapitalist. Die Bank, die das Kontokorrent fĂŒr bestimmte Kapitalisten fĂŒhrt, ĂŒbt scheinbar eine rein technische, eine bloĂe Hilfsoperation aus. Sobald aber diese Operation Riesendimensionen annimmt, zeigt sich, daĂ eine Handvoll Monopolisten sich die Handels- und Industrieoperationen der ganzen kapitalistischen Gesellschaft unterwirft, indem sie â durch die Bankverbindungen, Kontokorrente und andere Finanzoperationen â die Möglichkeit erhĂ€lt, sich zunĂ€chst ĂŒber die GeschĂ€ftslage der einzelnen Kapitalisten genau zu informieren, dann sie zu kontrollieren, sie durch Erweiterung oder SchmĂ€lerung, Erleichterung oder Erschwerung des Kredits zu beeinflussen und schlieĂlich ihr Schicksal restlos zu bestimmen, die Höhe ihrer EinkĂŒnfte zu bestimmen, ihnen Kapital zu entziehen oder ihnen die Möglichkeit zu geben, ihr Kapital rasch und in groĂem Umfang zu erhöhen usw.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 217-218}} '''Annahme 4''' Mit den Banken entsteht der Form nach eine BuchfĂŒhrung und eine Verteilung der Produktionsmittel der gesamten Kapitalistenklasse. Formal gesehen erwĂ€chst aus den modernen Banken sogar eine allgemeine Verteilung der Produktionsmittel, denn sie sammeln auch GeldeinkĂŒnfte der kleinen Unternehmer, der Angestellten und einer winzigen oberen Schicht der Arbeiter.<br/>Ihrem Inhalt nach ist die Verteilung der Produktionsmittel jedoch keineswegs allgemein, sondern privat und den Interessen des groĂen monopolistischen Kapitals angepasst. {{Zitat |Mit den Banken ist âdie Form einer allgemeinen BuchfĂŒhrung und Verteilung der Produktionsmittel auf gesellschaftlicher Stufenleiter gegeben, aber auch nur die Formâ,âŻschrieb Marx vor einem halben Jahrhundert im âKapitalâ (russ. Ăbersetzung Bd. III. Teil II, S. 144). Die von uns angefĂŒhrten Daten ĂŒber das Wachstum des Bankkapitals, ĂŒber die Zunahme der Zahl der Filialen und Zweigstellen der GroĂbanken, der Zahl ihrer Konten usw. zeigen uns konkret diese âallgemeine BuchfĂŒhrungâ der ganzen Klasse der Kapitalisten und sogar nicht nur der Kapitalisten allein, denn die Banken sammeln, sei es auch nur vorĂŒbergehend, alle möglichen GeldeinkĂŒnfte, sowohl der kleinen Unternehmer als auch der Angestellten und einer winzigen Oberschicht der Arbeiter. Eine âallgemeine Verteilung der Produktionsmittelâ â das ist es, was formal gesehen aus den modernen Banken erwĂ€chst, von denen drei bis sechs GroĂbanken in Frankreich und sechs bis acht in Deutschland ĂŒber Milliarden und aber Milliarden verfĂŒgen. Ihrem Inhalt nach aber ist diese Verteilung der Produktionsmittel keineswegs âallgemeinâ, sondern privat, d.h., sie ist den Interessen des groĂen in erster Linie des allergröĂten, monopolistischen Kapitals angepaĂt, das unter VerhĂ€ltnissen operiert, wo die Masse der Bevölkerung ein Hungerdasein fristet, die ganze Entwicklung der Landwirtschaft hinter der Entwicklung der Industrie hoffnungslos zurĂŒckbleibt und die âSchwerindustrieâ sich alle ĂŒbrigen Zweige der Industrie tributpflichtig macht.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 220}} '''Annahme 5''' Die Banken treten mit Industrie und Regierungen in eine Personalunion. Es findet eine gegenseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz und AufsichtsrĂ€te statt, da ihre GeschĂ€ftskalkulationen zu denen der Industrie und schlieĂlich der gesamten Gesellschaft werden. DafĂŒr werden Staatsbeamte in AufsichtsrĂ€te von Banken geholt und genauso Banker in die Behörden gebracht. {{Zitat |Zugleich entwickelt sich sozusagen eine Personalunion der Banken mit den gröĂten Industrie- und Handelsunternehmungen, eine beiderseitige Verschmelzung durch Aktienbesitz, durch Eintritt der Bankdirektoren in die AufsichtsrĂ€te (oder die VorstĂ€nde) der Handels- und Industrieunternehmungen und umgekehrt. Der deutsche Ăkonom Jeidels hat ĂŒber diese Art der Konzentration von Kapitalien und Unternehmungen genaue Daten gesammelt. [âŠ]<br/>âŻDie âPersonalunionâ der Banken mit der Industrie findet ihre ErgĂ€nzung in der âPersonalunionâ der einen wie der anderen Gesellschaften mit der Regierung. Jeidels schreibt: âFreiwillig werden Aufsichtsratsstellen gewĂ€hrt an Personen mit gutklingenden Namen, auch ehemaligen Staatsbeamten, die im Verkehr mit den Behörden manche Erleichterung (!!) schaffen könnenâ ⊠âIm Aufsichtsrat einer GroĂbank sieht man gewöhnlich ⊠ein Parlamentsmitglied oder ein Mitglied der Berliner Stadtverwaltungâ.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 224}} '''Annahme 6''' Die Entstehungsgeschichte und der Inhalt des Begriffs des Finanzkapitals ist die Konzentration der Produktion, der daraus erwachsenden Monopole und die Verschmelzung der Banken mit der Industrie. {{Zitat |Konzentration der Produktion, daraus erwachsende Monopole, Verschmelzung oder Verwachsen der Banken mit der Industrie â das ist die Entstehungsgeschichte des Finanzkapitals und der Inhalt dieses Begriffs.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 230}} ===Finanzkapital und Finanzoligarchie=== '''Kurzdefinition''' Das Finanzkapital ist nicht nur Kapital in der VerfĂŒgung der Banken und in der Verwendung der Industriellen. Im Lichte der Monopolisierung ist Finanzkapital die Verschmelzung oder das Verwachsen der Banken mit der Industrie. '''Schlagworte''' Aktiengesellschaft, Beteiligungssystem, Finanzkapital, Finanzoligarchie, Krisen, Spekulation '''Einordnung''' Die Entstehung des Finanzkapitals wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' FĂŒr die Kontrolle einer Aktiengesellschaft ist bereits ein bestimmter Anteil am Aktienbesitz ausreichend, denn zersplitterte KleinaktionĂ€re haben wenig Einflussmöglichkeiten.<br/>Die Verteilung von Anteilen an einer Aktiengesellschaft unter mehreren AktionĂ€ren nennt sich Beteiligungssystem. Die Beteiligung erscheint wie eine Demokratisierung des Aktienbesitzes, ist in Wirklichkeit jedoch ein Mittel, um die Macht der Finanzoligarchie zu vergröĂern. SchlieĂlich schĂŒtzt die formale SelbststĂ€ndigkeit der Tochtergesellschaften die Finanzoligarchie im Falle legal ambivalenter GeschĂ€fte. {{Zitat |In Wirklichkeit aber zeigt die Erfahrung, daĂ der Besitz von 40% der Aktien genĂŒgt, um die Kontrolle ĂŒber eine Aktiengesellschaft zu haben, denn ein gewisser Teil der zersplitterten KleinaktionĂ€re hat in der Praxis gar nicht die Möglichkeit, an den Generalversammlungen teilzunehmen usw. Die âDemokratisierungâ des Aktienbesitzes, von der bĂŒrgerlicheâŻSophisten und opportunistische âAuch-Sozialdemokratenâ eine âDemokratisierung des Kapitalsâ, eine Zunahme der Rolle und Bedeutung der Kleinproduktion usw. erwarten (oder zu erwarten vorgeben), ist in Wirklichkeit eines der Mittel, die Macht der Finanzoligarchie zu vermehren. Aus diesem Grunde lĂ€Ăt ĂŒbrigens in den fortgeschritteneren oder Ă€lteren und âerfahrenerenâ kapitalistischen LĂ€ndern die Gesetzgebung kleinere Aktien zu. [âŠ]<br/>Aber das âBeteiligungssystemâ dient nicht nur dazu, die Macht der Monopolisten riesenhaft zu vermehren, es ermöglicht auĂerdem, jede Art von dunklen und schmutzigen GeschĂ€ften straflos zu betreiben und das Publikum zu schröpfen, denn formell, nach dem Gesetz, sind die Leiter der âMuttergesellschaftâ fĂŒr die âTochtergesellschaftâ nichtverantwortlich, die als âselbstĂ€ndigâ gilt und vermittels derer sich alles âdrehenâ lĂ€Ăt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 231-232}} '''Annahme 2''' Die Verwaltungen der Aktiengesellschaften gehen viel eher Risiken ein, weil sie die Möglichkeit haben, sich durch AbstoĂen des Aktienbesitzes aus einem krisenhaften Industriezweig einfach zurĂŒckzuziehen. Sie tragen rechtlich keinerlei Verantwortung fĂŒr diesen. Profite ziehen sie trotzdem aus ihm. {{Zitat |Dieses Musterbeispiel einer im Aktienwesen ganz alltĂ€glichen Bilanz-Equilibristik macht es verstĂ€ndlich, warum die Verwaltungen von Aktiengesellschaften Risiken im allgemeinen viel leichteren Herzens auf sich nehmen als Privatunternehmer. Die moderne Bilanztechnik macht es ihnen nicht nur leicht, das eingegangene Risiko dem Auge des Durchschnitts-AktionĂ€rs zu verhĂŒllen, sondern sie gestattet den Hauptinteressenten auch, sich den Folgen eines verfehlten Experiments durch rechtzeitige Fortgabe ihres Aktienbesitzes zu entziehen, wĂ€hrend der Privatunternehmer bei allem, was er tut, seine eigene Haut zu Markte trĂ€gt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 233}} '''Annahme 3''' Durch die Konzentration des Finanzkapitals in wenigen HĂ€nden zieht es kolossale Profite aus GrĂŒndungen, EmissionsgeschĂ€ften, Staatsanleihen etc. Durch die Kontrolle der gesamten Wirtschaft mitsamt des Staatshaushaltes (z. B. ĂŒber Staatsanleihen) legt die Finanzoligarchie der Gesellschaft einen schweren Tribut auf. {{Zitat |Das Finanzkapital, das in wenigen HĂ€nden konzentriert ist und faktisch eine Monopolstellung einnimmt, zieht kolossale und stets zunehmende Profite aus GrĂŒndungen, aus dem EmissionsgeschĂ€ft, aus Staatsanleihen usw., verankert die Herrschaft der Finanzoligarchie und legt der gesamten Gesellschaft einen Tribut zugunsten der Monopolisten auf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 236}} '''Annahme 4''' WĂ€hrend in Aufschwungsphasen das Finanzkapital hohe Profite erzielt, werden in Krisenzeiten kleine und schwach Unternehmungen zerstört, GroĂbanken 'beteiligen sich' beim Aufkauf dieser Unternehmungen zu billigen Preisen oder an deren profitablen 'Sanierung' oder 'Reorganisierung'. Krisen sind der Monopolstellung der Banken doppelt nĂŒtzlich: sie sind profitabel und verstĂ€rken die AbhĂ€ngigkeit der Unternehmen. {{Zitat |WĂ€hrend zur Zeit des industriellen Aufschwungs die Profite des Finanzkapitals unerhört groĂ sind, gehen in Zeiten des Niedergangs die kleinen und schwachen Unternehmungen zugrunde, die GroĂbanken aber âbeteiligen sichâ dann an deren Aufkauf zu Spottpreisen oder an profitablen âSanierungenâ und âReorganisationenâ. Bei den âSanierungenâ der mit Verlust arbeitenden Unternehmungen wird âdas Aktienkapital herabgesetzt; das heiĂt, das ErtrĂ€gnis verteilt sich auf ein geringeres Kapital, ist diesem alsdann angemessen. Oder wenn kein ErtrĂ€gnis da ist, so wird neues Kapital aufgebracht, das, mit dem minderbewerteten alten zusammengenommen, nunmehr genĂŒgenden Ertrag abwirft. Nebenbeiâ, fĂŒgt Hilferding hinzu, âsei bemerkt, daĂ diese Sanierungen und Reorganisationen fĂŒr die Banken von doppelter Bedeutung sind: erstens als gewinnbringendes GeschĂ€ft und zweitens als eine Gelegenheit, solche notleidenden Gesellschaften von sich in AbhĂ€ngigkeit zu bringen.â| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 238-239}} '''Annahme 5''' Das Bankmonopol und Monopole der Grundrenten und des Verkehrswesens verschmelzen miteinanander, indem Banken an Verkehrsgesellschaften beteiligt sind und mit Direktorenposten verbunden werden. Dementsprechend ist die Spekulation mit GrundstĂŒcken schnell wachsender GroĂstĂ€dte fĂŒr das Finanzkapital besonders gewinnbringend, auch weil sie Preise der GrundstĂŒcke steigern können und durch gute Verkehrsanbindung die Verkaufsbedingungen verbessern. Diese Art von GeschĂ€ften sind ein Einfallstor fĂŒr staatliche Korruption. {{Zitat |Eine besonders gewinnbringende Transaktion des Finanzkapitals ist auch die Spekulation mit GrundstĂŒcken in der Umgebung schnell wachsender GroĂstĂ€dte. Das Bankmonopol verschmilzt hier mit den Monopolen der Grundrente und des Verkehrswesens, denn das Steigen der Preise fĂŒr GrundstĂŒcke, die Möglichkeit, diese in Parzellen gĂŒnstig zu verkaufen u.a.m., hĂ€ngt vor allem von der guten Verkehrsverbindung mit dem Zentrum der Stadt ab, und diese Verkehrsmittel befinden sich in den HĂ€nden groĂer Gesellschaften, die durch dasâŻBeteiligungssystem und die Verteilung von Direktorenposten mit eben denselben Banken verbunden sind. So entsteht das, was der deutsche Schriftsteller L. Eschwege, ein Mitarbeiter der Zeitschrift âDie Bankâ, der den Terrainhandel, die VerpfĂ€ndung von GrundstĂŒcken usw. speziell studierte, den âSumpfâ genannt hat: wahnwitzige Spekulation mit VorortgrundstĂŒcken, ZusammenbrĂŒche von Baufirmen, wie der Berliner Firma Boswau & Knauer, die ein Kapital von ungefĂ€hr 100 Millionen Mark zusammengerafft hatte, und zwar durch Vermittlung der âhöchst soliden und groĂenâ âDeutschen Bankâ, die natĂŒrlich nach dem âBeteiligungsâsystem, d.h. insgeheim, hinterrĂŒcks, tĂ€tig war und sich nach EinbuĂe von âbloĂâ 12 Millionen Mark aus der AffĂ€re zog; ferner Ruinierung von kleinen Unternehmern und Arbeitern, die von den Schwindelfirmen des Baugewerbes nichts erhalten; dazu betrĂŒgerische Abmachungen mit der âehrlichenâ Berliner Polizei und den Verwaltungsorganen, um sich des Auskunftswesens im Baugewerbe und der Baubewilligung der Stadtverwaltung zu bemĂ€chtigen usw. usf.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 239-240}} ===Der Kapitalexport=== '''Kurzdefinition''' Kapitalexport ist eigentlich die Steigerung der Profite durch Export von Kapital in rĂŒckstĂ€ndige LĂ€nder. Dies ist möglich, weil in den rĂŒckstĂ€ndigen LĂ€ndern der Profit gewöhnlich hoch ist, denn es gibt dort weniger Kapital, die Bodenpreise sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig gĂŒnstiger, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, dass eine Reihe rĂŒckstĂ€ndiger LĂ€nder breits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen sind. Die Notwendigkeit des Kapitalexports wird dadurch geschaffen, dass in einigen LĂ€ndern der Kapitalismus "ĂŒberreif" geworden ist und dem Kapital ein Spielraum fĂŒr rentable BetĂ€tigung fehlt. '''Schlagworte''' Warenexport, Kapitalexport, KapitalĂŒberschuss, Anleihen, Kreditvergabe, Finanzkapital '''Einordnung''' Die Enstehung von KapitalĂŒberschuss, die Möglichkeit und Notwendigkeit von Kapitalexport wird von Lenin in [[Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Literatureinleitung)|Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus]] dargestellt. '''Annahme 1''' FĂŒr den Kapitalismus der freien Konkurrenz war der Export von Waren kennzeichnend, fĂŒr den Monopolkapitalismus ist es der Export von Kapital. {{Zitat |FĂŒr den alten Kapitalismus, mit der vollen Herrschaft der freien Konkurrenz, war der Export von Waren kennzeichnend. FĂŒr den neuesten Kapitalismus, mit der Herrschaft der Monopole, ist der Export von Kapital kennzeichnend geworden.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 244}} '''Annahme 2''' Es entstehen in allen LĂ€ndern des entwickelten Kapitalismus MonopolverbĂ€nde. AuĂerdem entwickelt sich eine Monopolstellung der wenigen ĂŒberaus reichen LĂ€nder, deren Kapital gewaltige AusmaĂe annimmt. Es kommt zu einem extremen KapitalĂŒberschuss in den fortgeschrittenen LĂ€ndern. {{Zitat |An der Schwelle des 20. Jahrhunderts sehen wir die Bildung von Monopolen anderer Art: erstens MonopolverbĂ€nde der Kapitalisten in allen LĂ€ndern des entwickelten Kapitalismus; zweitens Monopolstellung der wenigen ĂŒberaus reichen LĂ€nder, in denen die Akkumulation des Kapitals gewaltige AusmaĂe erreicht hat. Es entstand ein ungeheurer âKapitalĂŒberschuĂâ in den fortgeschrittenen LĂ€ndern.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}} '''Annahme 3''' Die ökonomische Grundlage des Kapitalexports ist der KapitalĂŒberschuss in den am weitesten fortgeschrittenen LĂ€ndern. Dieser entsteht durch die Unmöglichkeit, Kapital in der heimischen Nationalökonomie noch weiter rentabel anzulegen. Dieser KapitalĂŒberschuss kann nicht, wie einige bĂŒrgerliche Ăkonomen meinen, fĂŒr die Hebung der Lebenshaltung der Bevölkerung genutzt werden, da dies eine Minderung der Profite der Kapitalisten bedeuten wĂŒrde. Das ĂŒberschĂŒssige Kapital muss fĂŒr die weitere Verwertung in LĂ€nder exportiert werden, in denen Löhne niedrig, Bodenpreise und Rohstoffe gĂŒnstig sind.<br/>RĂŒckstĂ€ndige LĂ€nder werden in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen. {{Zitat |Aber dann wĂ€re der Kapitalismus nicht Kapitalismus, denn die UngleichmĂ€Ăigkeit der Entwicklung wie das Hungerdasein der Massen sind wesentliche, unvermeidliche Bedingungen und Voraussetzungen dieser Produktionsweise. Solange der Kapitalismus Kapitalismus bleibt, wird der KapitalĂŒberschuĂ nicht zur Hebung der Lebenshaltung der Massen in dem betreffenden Lande verwendet â denn das wĂŒrde eine Verminderung der Profite der Kapitalisten bedeuten â, sondern zur Steigerung der Profite durch Kapitalexport ins Ausland, in rĂŒckstĂ€ndige LĂ€nder. In diesen rĂŒckstĂ€ndigen LĂ€ndern ist der Profit gewöhnlich hoch, denn es gibt dort wenig Kapital, die Bodenpreise sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig nicht hoch, die Löhne niedrig und die Rohstoffe billig. Die Möglichkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das eine Reihe rĂŒckstĂ€ndiger LĂ€nder bereits in den Kreislauf des Weltkapitalismus hineingezogen ist, die Hauptlinien der Eisenbahnen bereits gelegt oder in Angriff genommen, die elementaren Bedingungen der industriellen Entwicklung gesichert sind usw. Die Notwendigkeit der Kapitalausfuhr wird dadurch geschaffen, das in einigen LĂ€ndern der Kapitalismus âĂŒberreifâ geworden ist und dem Kapital (unter der Voraussetzung der Unentwickeltheit der Landwirtschaft und der Armut der Massen) ein Spielraum fĂŒr ârentableâ BetĂ€tigung fehlt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 245}} '''Annahme 4''' Die gewöhnlichste Praktik des imperialistischen Finanzkapitals ist die Schaffung einer wirtschaftlichen AbhĂ€ngigkeit durch Kreditvergabe. DafĂŒr werden Anleihen fĂŒr den Aufbau wirtschaftlicher Strukturen im Ausland unter den Bedingungen des kreditgebenden Landes vergeben. Diese Bedingungen sind ebensolche, die optimal fĂŒr eine spĂ€tere Verwertung des eingesetzten Kapitals sind.<br/>Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. {{Zitat |Das Finanzkapital erzeugte die Epoche der Monopole. Die Monopole sind aber ĂŒberall TrĂ€ger monopolistischer Prinzipen: An Stelle der Konkurrenz auf offenem Markt tritt die Ausnutzung der âVerbindungenâ zum Zweck eines profitablen GeschĂ€ftes. Die gewöhnlichste Erscheinung ist: Bei einer Anleihe wird zur Bedingung gemacht, daĂ ein Teil der Anleihe zum Kauf von Erzeugnissen des kreditgebenden Landes, vor allem von Waffen, Schiffen usw. verausgabt wird. Frankreich hat in den letzten zwei Jahrzehnten (1890-1910) sehr oft zu diesem Mittel gegriffen. Der Kapitalexport wird zu einem Mittel, den Warenexport zu fördern. Die Abmachungen zwischen den besonders groĂen Unternehmungen sind dabei derart, daĂ sie, wie Schilder âgelindeâ sagte âan Korruption gemahnenâ. Krupp in Deutschland, Schneider in Frankreich, Armstrong in England â das sind Musterbeispiele von Firmen, die mit den Riesenbanken und der Regierungen in enger Verbindung stehen und beim AbschluĂ von Anleihen nicht so leicht âumgangenâ werden können.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 248}} {{Zitat |Auf diese Weise wirft das Finanzkapital im buchstĂ€blichen Sinne des Wortes seine Netze ĂŒber alle LĂ€nder der Welt aus. Eine groĂe Rolle spielen dabei die in den Kolonien gegrĂŒndeten Banken und ihre Niederlassungen.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}} '''Annahme 5''' Im ĂŒbertragenden Sinne haben die kapitalexportierenden LĂ€nder die Welt unter sich aufgeteilt. Das Finanzkapital fĂŒhrt zur direkten Aufteilung der Welt. {{Zitat |Die kapitalexportierenden LĂ€nder haben, im ĂŒbertragenden Sinne, die Welt unter sich verteilt. Aber das Finanzkapital fĂŒhrte auch zur direkten Aufteilung der Welt.| Lenin, W.I., Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, 1917, LW 22, S. 249}} [[Kategorie: AG Politische Ăkonomie des Imperialismus]] [[Kategorie: Grundannahmen]] [[Kategorie: Grundannahme AG Politische Ăkonomie des Imperialismus]]
Summary:
Please note that all contributions to BolscheWiki may be edited, altered, or removed by other contributors. If you do not want your writing to be edited mercilessly, then do not submit it here.
You are also promising us that you wrote this yourself, or copied it from a public domain or similar free resource (see
My wiki:Copyrights
for details).
Do not submit copyrighted work without permission!
Cancel
Editing help
(opens in new window)
Template used on this page:
Template:Zitat
(
edit
)
Search
Search
Editing
Der imperialistische Kapitalismus
Add topic